Zukunft der Arbeit in der digitalisierten Welt – NRW-Institute: "Plattform Arbeitsforschung 4.0"

19.05.2016, 15:16 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Ministerinnen Nahles und Schulze zu Gast in Gelsenkirchen bei IAT und FGW -

In die Diskussion um die „vierte industrielle Revolution“ wollen sich die Arbeitsforscher in NRW aktiver einbringen. In Gelsenkirchen trafen sich heute (19.05.) Wissenschaftler aus mehreren einschlägigen Instituten, um mit Blick auf die Folgen und Chancen der Digitalisierung die Kompetenzen und Zukunftsbaustellen der Arbeitsforschung in NRW auszuloten.

Auch die Politik diskutierte mit: Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, und die Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, Svenja Schulze, waren zu Gast bei der Veranstaltung, zu der das Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) und das Institut Arbeit und Technik (IAT) eingeladen hatten.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles: „Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt und die berufliche Zukunft vieler Menschen stark verändern. Die Politik, Arbeits- und Sozialpolitik im Besonderen, muss die Beschäftigten in diesem Wandel erreichen, mitnehmen, unterstützen. Wenn wir wirklich abschätzen wollen, was in den kommenden Jahren auf uns zukommt, geht das nur mit Hilfe einer exzellenten und empirie-basierten Forschung. Die Arbeitsforschung in NRW leistet hier einen ganz wichtigen Beitrag. Denn sie zeigt Wege auf, wie Mensch und Maschine in Zukunft zusammenarbeiten; und sie leistet damit einen entscheidenden Beitrag dazu, Akzeptanz zu schaffen und Regeln zu definieren.“

„Die Chancen unbedingt nutzen aber die Risiken im Blick behalten – dieser Spagat muss uns beim Thema Wirtschaft und Arbeit 4.0 gelingen, damit unsere Unternehmen langfristig erfolgreich bleiben und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen erfüllenden Beruf ausüben können‟, sagte Ministerin Schulze. „In NRW haben wir eine große Bandbreite bei den Arbeitswissenschaften. Die Vielfalt und die Qualität der Institute in unserem Land ergeben intelligent vernetzt ein enormes Potenzial, um die Arbeitswelt der Zukunft zu gestalten.‟

Zur Digitalisierung der Arbeitswelt und ihren Herausforderungen für eine sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Zukunftsgestaltung forschen in NRW verschiedene Institute, neben dem IAT und dem FGW etwa das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen, die Sozialforschungsstelle Dortmund, das gemeinsame Fortschrittskolleg der Universitäten in Bielefeld und Paderborn und der Institutscluster für Kybernetik in Aachen. An einer NRW-Plattform „Arbeitsforschung 4.0“, die die Organisatoren mit der Veranstaltung auf den Weg bringen wollen, sollen auch weitere Einrichtungen wie das Institut für Arbeitswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum u.a. einbezogen werden.

Der Industriesoziologe Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen vom FGW wies in seinem Vortrag darauf hin, dass es zwar eine intensive Diskussion über soziale Folgen der Digitalisierung und den Wandel der Arbeit gebe, aber bislang kaum valide und systematische Forschungsergebnisse vorliegen. Arbeitsmarkt- und sozialpolitische Risiken, aber auch Chancen wie Bewältigung des Fachkräftemangels und der Alterungsproblematik, neue Regulationserfordernisse für Weiterbildung, Qualifizierung und Mitbestimmung, Gestaltungsoptionen für „gute digitale Arbeit“ gelte es zu erforschen.

IAT-Direktor Prof. Dr. Josef Hilbert hob hervor, dass Arbeitsforschung in Zeiten der Digitalisierung ihren Wert für die Gestaltung von Personalentwicklung, Organisation und Technik verstärkt unter Beweis stellen müsse. Gebraucht werde zum einen ein Ausbau der beruflichen Aus- und Weiterbildung, zum anderen müsse dafür gesorgt werden, dass die Rahmenbedingungen – etwa bei zeitlichen Befristungen oder bei Leiharbeit - so geregelt werden, dass die Arbeitsplätze nicht ins Prekäre abrutschen. „Wir brauchen die Arbeitsforschung aber auch, um Wege zu finden, wie das Wissen und die Erfahrung der Beschäftigten besser für zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen fruchtbar gemacht werden kann. Mitbestimmung ist gefordert, dass die Arbeit sozial verträglich bleibt; aber sie kann auch helfen, dass gute Produkte zustande kommen.“ Insbesondere bei personenbezogenen Dienstleistungen, etwa bei Pflege oder Bildung besteht hier hoher Handlungsbedarf.

Quelle: idw


Weitere Nachrichten zum Thema
  • BildWirtschaftsempfang 2016: Mit Leipzig Zukunft (08.04.2016, 14:46)
    Am 07. April 2016 veranstalten die Leibniz Universität Hannover und die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) unter dem diesjährigen Motto „Mit Leibniz Zukunft gestalten“ den gemeinsamen Wirtschaftsempfang im Lichthof der Universität. Rund 900...
  • BildNRW: Professorenbesoldung war verfassungswidrig (12.03.2014, 14:09)
    Eine Universitätsprofessorin und ein Universitätsprofessor aus Nordrhein-Westfalen sind bis zum 30. Juni 2008 verfassungswidrig zu niedrig besoldet worden. Dies hat der 3. Senat des Oberverwaltungsgerichts mit Urteilen vom 12. Februar 2014...
  • Bild,,Arbeit der Zukunft - Zukunft der Arbeit" (12.09.2013, 10:38)
    Düsseldorf - Während der heutigen PEAG Personaldebatte zum Frühstück diskutierten Ina Spanier-Oppermann (Arbeitsmarktexpertin und Mitglied der SPD-Landtagsfraktion NRW) und Sándor Mohácsi (Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschlands)...
  • Bild„Bürgerbewegung pro NRW“ verfassungsfeindlich (30.05.2013, 14:17)
    Düsseldorf (jur). Die Partei „Bürgerbewegung pro NRW“ durfte zumindest 2010 im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen als verfassungsfeindlich eingestuft werden. Das hat das Verwaltungsgericht Düsseldorf am Mittwoch, 29. Mai 2013,...
  • BildWelt-Alphabetisierungstag Pakt für besseres Lesen und Schreiben (10.09.2012, 15:28)
    Weltweit können 755 Millionen Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben, darunter 7,5 Millionen Deutsche. Mit ihrer nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener will die Bundesregierung Betroffenen helfen. Die...
  • BildLandespräventionsrat in NRW vorgestellt (18.07.2011, 09:42)
    Der von Justizminister Thomas Kutschaty berufene neue Landespräventionsrat hat in dieser Woche seine Arbeit aufgenommen. Den Vorsitz in dem Gremium habe der frühere nordrhein-westfälische Justiz- und Finanzminister Prof. Jochen Dieckmann...
  • BildInstitut zur Zukunft der Arbeit spricht sich für offene Arbeitsmärkte aus (21.07.2009, 13:45)
    Beitrag Nr. 164453 vom 21.07.2009 Institut zur Zukunft der Arbeit spricht sich für offene Arbeitsmärkte aus Europäische Arbeitskräfte sind nur wenig mobil, gleichzeitig wächst der Fachkräftemangel. Abhilfe schaffen können offene Arbeitsmärkte: In...
  • BildNeues aus der Welt des Unterhaltsrechts (10.09.2008, 11:39)
    Weiterhin großes Rätselraten besteht nach wie vor bei der Frage, ob und in welcher Höhe bzw. für welche Zeit Mütter Unterhaltsansprüche gegen ihren Mann bzw. Ex-Mann haben. Die Rechtssprechung ist dabei zunehmend mehr am jeweiligen Einzelfall...
  • BildJunge Welt darf nicht zum Boykott der GEZ aufrufen (25.08.2005, 08:40)
    Außerungen zum neuen Rundfunkstaatsvertrag aber als Meinungsäußerung erlaubt Das Landgericht München I hat heute dem Verlag 8. Mai, in dem die Zeitschrift Junge Welt erscheint, den Aufruf „Melden Sie Ihr Fernsehgerät bei der GEZ ab“ endgültig...

Ähnliche Themen in den JuraForen


Kommentar schreiben

55 + Z;we;i =

Bisherige Kommentare zur Nachricht (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.

JuraForum-Newsletter

Kostenlose aktuelle Urteile und Rechtstipps per E-Mail:

Top 10 Orte in der Anwaltssuche

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.