Wie Spitzenforschung in Schleswig-Holstein Schule macht

05.10.2017, 19:10 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Rückblick auf fünf erfolgreiche Jahre Schülerlabor und Start für das Netzwerk Schülerforschungszentren Schleswig-Holstein

Am Donnerstag, 5. Oktober, gab es in der Kieler Forschungswerkstatt gleich zwei Gründe zum Feiern. Am Vormittag wurde gemeinsam mit Unterstützerinnen und Unterstützern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft auf fünf erfolgreiche Jahre Schülerlabor zurückgeblickt. Nachmittags fiel dann der Startschuss für das neue Netzwerk Schülerforschungszentren Schleswig-Holstein.

Seit der Eröffnung der Kieler Forschungswerkstatt am 5. Oktober 2012 hat sich in dem Schülerlabor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) viel getan. Das Laborangebot wurde kontinuierlich ausgebaut, so dass heute neben naturwissenschaftlichen Angeboten auch Programme aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften angeboten werden. „Über 7.500 Schülerinnen und Schüler haben in den vergangenen Jahren die Schul-, Nachmittags- und Ferienprogramme in unseren fünf naturwissenschaftlichen Laboren sowie den beiden neuen geisteswissenschaftlichen Werkstätten besucht“, freut sich Dr. Katrin Knickmeier, Leitung der Kieler Forschungswerkstatt. „Darüber hinaus haben sich noch einmal mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche bei Citizen Science Projekten zum Thema Plastikmüll, wie beispielsweise dem jährlichen Coastal Cleanup Day, engagiert.“

Doch nicht nur Schülerinnen und Schüler erhalten in den thematischen Laboren Einblicke in echte Spitzenforschung und den Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens. Auch mehr als 600 Lehrkräfte und Lehramtsstudierende haben in den vergangenen Jahren von den Angeboten des außerschulischen Lernorts profitiert. Diese Besonderheit betonte Professor Lutz Kipp anlässlich der Jubiläumsfeier: „In der Kieler Forschungswerkstatt werden Jungen und Mädchen ab dem Grundschulalter für die Wissenschaft motiviert und erkennen ihre Bedeutung für gesellschaftliche Fragen. Gleichzeitig lernen auch Lehramtsstudierende durch die aktive Einbindung in die Laborangebote schon früh die praktische Arbeit mit Schülergruppen kennen. Hinzu kommen Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, die Fragestellungen und Ergebnisse der Forschungsschwerpunkte der CAU in die Schulen tragen.“

Die für die Lehramtsausbildung an der CAU verantwortliche Vizepräsidentin Professorin Ilka Parchmann fasste in ihrem Festvortrag noch einmal die grundlegenden Aufgaben und Ziele der Kieler Forschungswerkstatt zusammen. „Die Arbeit der Kieler Forschungswerkstatt gründet sich auf vier Säulen“, so Parchmann. „In der Breite soll mit den Angeboten das Interesse junger Menschen an Wissenschaft generell und den MINT-Fächern im Speziellen gefördert werden. Daneben stehen die Spitzenförderung, die Lehrkräfteaus- und -weiterbildung sowie die Kommunikation wissenschaftlicher Inhalte in die Gesellschaft.“ Dass dies in den letzten Jahren so erfolgreich gelungen sei, sieht Parchmann zum einen in der engen Zusammenarbeit zwischen der Kieler Universität und dem IPN begründet. Großer Dank gelte aber auch den Sponsorinnen und Sponsoren sowie allen Unterstützerinnen und Unterstützern, ohne deren großes Engagement diese Leistung nicht möglich gewesen wäre. Eine Leistung, die auch Stadträtin Renate Treutel lobte: „Die Landeshauptstadt hat die Kieler Forschungswerkstatt seit ihren Anfängen begleitet und freut sich daher besonders, dass zum heutigen 5-jährigen Jubiläum eine durchweg positive Zwischenbilanz gezogen werden kann. Junge Menschen benötigen außerschulische Angebote, wie wir sie hier finden, um nachhaltig für die Wissenschaft und die MINT-Fächer begeistert zu werden. Nur so ist sichergestellt, dass es auch in Zukunft ausreichend Nachwuchs in diesen Bereichen geben wird.“

Auf die erfolgreiche Arbeit der Kieler Forschungswerkstatt gründet sich auch das Netzwerk Schülerforschungszentren Schleswig-Holstein, das am Donnerstagnachmittag offiziell gestartet ist. Künftig können Schülerinnen und Schüler ergänzend zur Kieler Forschungswerkstatt an fünf weiteren Standorten in ganz Schleswig-Holstein eigene Forschungsfragen bearbeiten. Hierfür stehen ihnen in derzeit elf Partnerschulen gut ausgestattete Räumlichkeiten sowie eine individuelle Betreuung durch Fachkräfte zur Verfügung. Neben den Schulen sind Hochschulen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Unternehmen regional in die Angebote der Zentren eingebunden. Das IPN und die Kieler Forschungswerkstatt gewährleisten die Vernetzung und stehen den Standorten unterstützend zur Seite. So erhalten die Jugendlichen Gelegenheit, die Arbeit in Forschungsverbünden kennenzulernen sowie gemeinsam kreative Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Durch die dezentralen Strukturen gelingt es, einer Vielzahl von Schülerinnen und Schülern, in nächster Nähe zu ihrem Schul- oder Wohnort und unabhängig von der Schulart, Zugang zu naturwissenschaftlicher Forschung zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit exzellenter Wissenschaft wird so das Interesse an den MINT-Fächern im Flächenland Schleswig-Holstein intensiv gefördert. Darüber hinaus erhalten Jugendliche eine umfangreiche Talentförderung, wie man sie beispielsweise aus den Bereichen Musik oder Sport kennt. Dieser Aspekt liege auch der Joachim Herz Stiftung (JHS) am Herzen. Über die finanzielle Unterstützung von insgesamt 1,9 Millionen Euro hinaus bringe die Stiftung als engagierte Partnerin fachliche Expertise in das Projekt ein: „In Sport und Musik ist eine über den Unterricht hinausgehende Talentförderung seit langem gut etabliert. Was bisher fehlt, sind Orte, an denen naturwissenschaftlich interessierte Schülerinnen und Schüler Gleichgesinnte treffen und sich gemeinsam weiter entwickeln können. Solche Orte wollen wir mit den Schülerforschungszentren schaffen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und auf viele spannende Forschungsideen der Nachwuchsforscherinnen und -forscher“, sagte Ulrich Müller, Vorstandsmitglied der Stiftung.

Auch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (MBWK) ist als Projektpartner in das Netzwerk eingebunden. Wissenschaftsstaatssekretär Dr. Oliver Grundei hofft darauf, dass die MINT-Fächer stärker in den Fokus der Jugendlichen rücken, wenn in den Schülerforschungszentren ein realistisches und attraktives Bild vom naturwissenschaftlichen Arbeiten und Forschen erlebbar wird. „Die fundierte Stärkung von MINT im Nachwuchsbereich ist von zentraler Bedeutung für den Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein, um einem zukünftigen Fachkräftemangel in diesem Bereich vorzubeugen“, so Grundei.

Das lPN übernimmt als überregionale Bildungseinrichtung die Koordination des Netzwerkes. Zudem stellt es seine Expertise für die Konzeption des Netzwerkes und die Begleitforschung bereit. „Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist an unserem Institut fest verankert“, so der Geschäftsführende Wissenschaftliche Direktor des IPN Professor Olaf Köller. „Mit dem Netzwerk Schülerforschungszentren Schleswig-Holstein bauen wir auf bestehenden Strukturen auf und entwickeln diese weiter. Bereits der Erfolg der Kieler Forschungswerkstatt, die als gemeinsame Einrichtung von Leibniz-Institut und Hochschule die fachliche Forschungsexzellenz der CAU mit der Lehr-Lern-Forschungsexpertise des lPN verbindet, zeigt, dass wir in diesem Bereich auf einem sehr guten Weg sind.“

Ein Foto steht zum Download bereit:

Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kieler Forschungswerkstatt stoßen gemeinsam auf das Jubiläum des Schülerlabors von CAU und IPN an. Foto: Heike Stumpenhorst, IPN

Weitere Fotos von der Jubiläums- und Eröffnungsveranstaltung:


Über die Kieler Forschungswerkstatt
In den thematischen Laboren der Kieler Forschungswerkstatt beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und Lehramtsstudierende mit wissenschaftlichen Fragestellungen aus den Meeres- und Nanowissenschaften, erfahren mehr über die gesellschaftlichen Aspekte von Energie, erhalten Zugang zu aktuellen Themen aus der humanmedizinischen und biologischen Forschung oder lernen, warum Boden mehr als nur Dreck ist. Die geisteswissenschaftlichen Werkstätten bieten Angebote aus dem Bereich Sprache oder zu historisch-politischen Themen. Zentrale Aufgaben der Kieler Forschungswerkstatt sind die Breiten- und Spitzenförderung junger Menschen ab dem Grundschulalter sowie die Lehreraus- und -weiterbildung.
Träger der Kieler Forschungswerkstatt sind das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) sowie das Forschungsforum Schleswig-Holstein.
Darüber hinaus wird die Kieler Forschungswerkstatt gefördert von Bingo! Die Umweltlotterie, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Deutsche Telekom Stiftung, den Exzellenzclustern „Entzündungsforschung“ und „Ozean der Zukunft“ der CAU, der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ (GHDL), der Industrie- und Handelskammer Kiel (IHK), den CAU-Forschungsschwerpunkten „Kiel Life Science (KLS)“ und „Kiel Nano, Surface and Interface Science“ (KINSIS), dem „Kiel Science Outreach Campus“ (KISOC), der Landeshauptstadt Kiel, dem BMBF-Projekt „Lehramt mit Perspektive an der CAU zu Kiel“ (LeaP@CAU), der Lighthouse Foundation, der EU im Programm Horizon 2020 „Marine Mammals“, der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät (CAU), dem Förderverein der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät (CAU), dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein (MBWK), dem Sonderforschungsbereich 677, den Stadtwerken Kiel, der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) und der Technischen Fakultät (CAU).
Kooperationspartner der Kieler Forschungswerkstatt sind der Bayer-Leibniz-Forschungsexpress, das Besucherlabor des Instituts für Experimentelle und Angewandte Physik der CAU und Klassenzimmer unter Segeln. Zudem ist die Kieler Forschungswerkstatt Einsatzstelle des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ).


Kontakt:
Dr. Katrin Knickmeier
Am Botanischen Garten 14f
24118 Kiel
+49 (0)431-880 5916
Über das Netzwerk Schülerforschungszentren Schleswig-Holstein
Neben den bestehenden Angeboten der Kieler Forschungswerkstatt sowie verschiedenen Enrichmentangeboten an Schulen und Hochschulen, stehen Jugendlichen künftig an fünf Standorten in Schleswig-Holstein Schülerforschungszentren (SFZ) offen. Das Programm wird von elf ausgewählten Schulen gemeinsam mit dem IPN und weiteren Partnern gestaltet. Darüber hinaus sind Hochschulen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Unternehmen regional in die Angebote der Zentren eingebunden. Durch diese dezentralen Strukturen gelingt es, allen Schülerinnen und Schülern in Schleswig-Holstein, in nächster Nähe zu ihrem Schul- oder Wohnort und unabhängig von der Schulart, Zugang zu naturwissenschaftlicher Forschung zu ermöglichen.
Die Projektträger sind die Joachim Herz Stiftung (JHS), das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein (MBWK).
Weitere Informationen unter:

Kontakt:
Netzwerk Schülerforschungszentren in Schleswig-Holstein
Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik
Dr. Christine Köhler
+49 (0)431-880 1247
koehler@ipn.uni-kiel.de

Standorte „Netzwerk Schülerforschungszentren Schleswig-Holstein“
Übergeordneter Standort Kiel: Kieler Forschungswerkstatt
Standort Dithmarschen Nord: Gemeinschaftsschule Meldorf, Werner-Heisenberg-Gymnasium, Heide
Standort Dithmarschen Süd: Gymnasium Brunsbüttel, Gymnasium Marne
Standort Nordfriesland: Theodor-Storm-Schule, Hermann-Tast-Schule, Husum
Standort Schleswig-Flensburg: Dannewerkschule, Lornsenschule, Schleswig
Standort Stormarn: Anne-Frank-Schule, Kopernikus Gymnasium, Bargteheide, Gymnasium Trittau

Weitere Informationen:
- http://www.uni-kiel.de/pressemeldungen/index.php?pmid=2017-300-forschungswerkstatt

Quelle: idw


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