Topfit mit Spenderorgan

16.07.2013, 17:10 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Am Freitag, den 12. Juli 2013, endete am Würzburger Universitätsklinikum die Radtour-pro-Organspende 2013. Mit der Aktion wollen die Veranstalter unter anderem auf den aktuellen Mangel an Organspendern aufmerksam machen.

Nach sechs Tagen auf dem Rad und gut 440 km quer durch Bayern hat am 12. Juli 2013 das Fahrerfeld der Radtour-pro-Organspende 2013 das Doppelzentrum für Innere und Operative Medizin (ZIM/ZOM) des Universitätsklinikums Würzburg erreicht. Die Kerngruppe aus 22 Radlerinnen und Radlern lebt entweder mit einem Spenderorgan oder ist dialysepflichtig. Veranstaltet wurde die Tour vom Verein TransDia – Sport für Transplantierte und Dialysepatienten. Ziel des Vereins ist es, zu demonstrieren, wie gut körperliche Aktivität für Dialysepatienten und Organtransplantierte ist. Beispielsweise werden dadurch Blutdruck, Körpergewicht und Selbstbewusstsein günstig beeinflusst. Darüber hinaus will der Verein die Öffentlichkeit für den aktuell besonders prekären Mangel an Organspenden sensibilisieren und so dazu beitragen, dass in Deutschland wieder mehr Patienten durch eine Organtransplantation geholfen werden kann.
Die Radtour-pro-Organspende findet seit dem Jahr 2007 jedes Jahr in einer anderen Region Deutschlands statt. Auf der Strecke werden gezielt Transplantationszentren und Spenderkrankenhäuser angesteuert. Den dortigen Engagierten soll so gedankt und der Erfolg ihrer Arbeit demonstriert werden.
Start der Tour 2013 war am 7. Juli in Tegernsee. Weitere Stationen waren München, Freising, Landshut, Rottenburg, Regensburg, Parsberg, Neumarkt, Nürnberg, Fürth, Erlangen, Höchstadt und Kitzingen.

Beeindruckende Leistungsfähigkeit nach Transplantation
Auf der letzten Etappe von Kitzingen nach Würzburg hat sich eine Gruppe von 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) den Transplantierten und Dialysepflichtigen angeschlossen. Viele der radelnden Unterstützer sind in der einen oder anderen Form beruflich unmittelbar mit dem Thema Transplantation und seinen Patienten verbunden, wie zum Beispiel Prof. Ingo Klein und Prof. Andreas Geier vom Leberzentrum des UKW. Beide zeigten sich von der Leistungsfähigkeit der Radler mit Spenderorganen beindruckt. „Es ist schon faszinierend, neben einem Menschen einen Berg hochzustrampeln, dem erst vor 13 Monaten eine komplette Spenderlunge implantiert wurde und der zuvor kaum mehr eine Treppe steigen konnte“, berichtet Prof. Geier.

Gegen Spenderorganmangel ankämpfen
Am ZIM/ZOM begrüßte Prof. Norbert Roewer, der Stellvertretende Ärztliche Direktor des UKW, die Sportler. In seiner Ansprache wies er auf die Tatsache hin, dass aktuell rund 12 000 Menschen deutschlandweit auf ein Spenderorgan warten und statistisch gesehen täglich drei von ihnen versterben, weil für sie nicht rechtzeitig ein passendes Organ verfügbar ist. „Im Zusammenhang mit den Organspendeskandalen des letzten Jahres wurden zwei Transplantationszentren in Bayern geschlossen. Außerdem ist die Organspendebereitschaft der Bevölkerung massiv eingebrochen. Dem Universitätsklinikum Würzburg ist es eine Herzensangelegenheit, gegen diesen Missstand anzukämpfen“, so Prof. Roewer. Nicht zuletzt deshalb unterstütze das Würzburger Großkrankenhaus eine so medienwirksame und positive Veranstaltung wie die Radtour-pro-Organspende gerne.

Über 40 Nierentransplantationen pro Jahr am UKW
Zu den seit Jahren etablierten Angeboten im Transplantationsprogramm des UKW zählt die Nierentransplantation. „In diesem Jahr haben wir bislang 17 Nierentransplantationen durchgeführt, Zielwert sind jährlich 40 bis 50 Eingriffe. Momentan warten bei uns rund 240 Patienten auf eine Spenderniere“, nennt Privatdozent Dr. Kai Lopau von der Medizinischen Klinik I, Abteilung Nephrologie einige Kennzahlen.

Vorbildliches Lebertransplantationsprogramm
Das Würzburger Leber-Transplantationsprogramm wurde in den letzten zwei Jahren reaktiviert. Seitdem wurden 18 Lebern transplantiert, fünf davon im Jahr 2013. „Erst vor Kurzen haben uns die bayerischen Ministerien für Wirtschaft und Gesundheit in einem Prüfbericht bescheinigt, dass das Würzburger Lebertransplantationszentrum neben einer weit überdurchschnittlichen Ergebnisqualität als einziges bayerisches Transplantationszentrum keinen einzigen Richtlinienverstoß bei seinen Lebertransplantationen zu verzeichnen hat“, berichtet Prof. Ingo Klein. Aktuell befinden sich in Würzburg rund 30 Patienten auf der Warteliste zur Lebertransplantation.

Trend hin zu Kunstherzsystemen
Weiterhin wurden am UKW in diesem Jahr bislang drei Spenderherzen erfolgreich implantiert. Durch den Mangel an Spenderorganen sind die Ärzte gezwungen, mehr und mehr Kunstherzsysteme einzusetzen. Am Würzburger Großkrankenhaus erhielten in diesem Jahr schon neun Patienten ein solches System. Trotz der fortschreitenden technologischen Weiterentwicklung der Kunstherzen ist diese Therapie laut Prof. Ivan Aleksic von der Klinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie allerdings kein Königsweg zum Ersatz fehlender Spenderherzen, da die Transplantation von Spenderherzen deutlich bessere Langzeitüberlebensraten liefere als der Einsatz von Kunstherzsystemen.

Jährlich etwa 5 500 Dialysen am Uniklinikum Würzburg
Am Universitätsklinikum Würzburg werden pro Jahr 5 500 Dialysen durchgeführt. Dahinter stehen insgesamt etwa 800 bis 1 000 Betroffene. „Wir bieten innerhalb der Dialyse eine Vielfalt von teils hoch speziellen Therapien an, die in einem weiten Umkreis – bis Erlangen, Frankfurt, Fulda und Heidelberg kein anderes Haus leisten kann. Das Einzugsgebiet des Würzburger Großkrankenhauses umfasst hierbei rund eine Million Menschen“, schildert Prof. Christoph Wanner, Oberarzt der Medizinischen Klinik und Poliklinik I und Leiter der Abteilung Nephrologie.

Quelle: idw


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