Suizid – bei Männern ein Phänomen aller Altersgruppen

10.05.2013, 13:10 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Die Stiftung Männergesundheit stellte Ende April den „Männergesundheitsbericht 2013 – im Fokus: Psychische Gesundheit“ vor. Der Bericht weist nicht nur auf Defizite in der Diagnostik und Versorgung psychischer Erkrankungen bei Männern hin, sondern liefert auch aufschlussreiche Erkenntnisse zu Hintergründen und Risikofaktoren, aus denen sich berufs- und gesundheitspolitische Forderungen zu deren Prävention ableiten lassen. Beispiel Depression und Suizid: Männer nehmen sich dreimal häufiger das Leben als Frauen und das hohe Suizidrisiko bei Männern ist nicht auf eine bestimmte Altersgruppe begrenzt. Diese Tatsachen sollten moderne Präventionsprogramme berücksichtigen.

Das „Modell Werther“ hat ausgedient: Der männliche Suizid ist längst kein alleiniges Jugendphänomen mehr: Männer aller Altersklassen sind betroffen und die Gründe liegen in der Regel tiefer als eine romantisch-überhöhte Liebensenttäuschung. Dem Freitod geht meistens eine längere Phase einer schweren Depression voraus, die in vielen Fällen nicht diagnostiziert und behandelt wurde. Jährlich nehmen sich in Deutschland 7.600 Männer das Leben. Die Suizidrate bei Männern ist zwischen den Jahren 2009 und 2011 um 9% gestiegen, was auf eine steigende Dunkelziffer von Depressionen in der männlichen Bevölkerung schließen lässt.

Wir haben in Deutschland jährlich über 900 Drogentote zu beklagen , 550 Menschen versterben an Aids und 3.900 Männer an Leukämie ; die Zahl der männlichen Suizidtoten macht deutlich, wie viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Präventionsarbeit die Themen „männlicher Suizid“ und „männliche Depression“ erfordern.

Wie der jüngst publizierte Männergesundheitsbericht 2013 zeigt, weist die Suizidkurve bei Männern in drei Altersgruppen besonders hohe Spitzen auf: Bei den 15 bis 24-Jährigen, den 45 bis 59-Jährigen und bei Männern im Rentenalter ab 70 Jahre. Es wird deutlich, dass damit die Motive, Ursachen und Auslöser altersspezifisch unterschiedlich sein müssen.

Die Stiftung Männergesundheit fordert daher differenzierte Präventionsprogramme, die sich speziell an die Bedürfnisse depressiver und suizidaler Männer verschiedener Altersklassen richten. „Als verantwortungsbewusste Gesellschaft müssen wir die unterschiedlichen Motivlagen erforschen, Präventionsprogramme daran ausrichten, aber auch gesellschaftskritische Frage stellen“, so Prof. Dr. med. Lothar Weißbach, medizinischer Vorstand der Stiftung Männergesundheit. „Angesicht der hohen Suizidrate bei den über 70-Jährigen bleibt beispielsweise zu fragen, ob unsere Gesellschaft überhaupt ein Altern in Würde zulässt und ob es nicht elende Lebensumstände und soziale Isolation sind, die vor allem alte Männer in den Freitod treiben.“

Referenzen:
http://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressemitteilungen/2013-01/zahl-der-drogentoten-2012.html
http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Epidemiologie/Daten_und_Berichte/EckdatenDeutschland.pdf?__blob=publicationFile

http://www.rki.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_inhalt.html?nn=2378942

Für Rückfragen:
Pressestelle Stiftung Männergesundheit
Dr. phil. Bettina Albers
c/o albersconcept
Telefon 03643 776423, Telefax 03643 776452
Mobil 0174 2165629
E-Mail albers@albersconcept.de
Internet www.stiftung-maennergesundheit.de

Weitere Informationen:
- http://www.stiftung-maennergesundheit.de

Quelle: idw


Weitere Nachrichten zum Thema
  • BildÜbersetzen als kulturphilosophisches Phänomen (29.04.2013, 12:10)
    Mittler zwischen den Kulturen – die neue Forschungsperspektive„Übersetzen ist in den letzten 20 Jahren zu einem höchst schillernden Leitbegriff der Kulturwissenschaften geworden“, unterstreicht Professor Albrecht Buschmann. Er leitet den Lehrstuhl...
  • BildInternationales Kolloquium zum „Phänomen Tango“ (06.12.2012, 17:10)
    Über das „Phänomen Tango“ diskutieren Wissenschaftler aus Deutschland und Spanien im Rahmen eines öffentlichen Kolloquiums an der Universität Heidelberg. Zu der spanischsprachigen Veranstaltung am 14. Dezember 2012 lädt das Romanische Seminar in...
  • BildDepressionen bei Männern (04.09.2012, 12:10)
    Männer, die exzessiv riskante Sportarten betreiben, risikofreudig schnelle Autos fahren oder regelmäßig trinken, gelten landläufig als männlich. Doch kaum jemand weiß, dass dies auch Anzeichen für eine der häufigsten und tödlichsten Krankheiten...
  • BildImmer häufiger Osteoporose bei Männern (24.08.2011, 11:10)
    Urologen empfehlen frühzeitige Risikoabklärung und PräventionWer bei Osteoporose immer noch von einer typischen Frauenkrankheit nach der Menopause ausgeht, muss umdenken: Von den mehr als acht Millionen Deutschen, die an Osteoporose leiden, sind...
  • BildDas Phänomen der Oper (05.08.2010, 11:00)
    Kulturelle Angebote steigern Wirtschaftswachstum - Klamme Haushaltskassen verleiten die Verantwortlichen schnell dazu, am Kulturetat zu sparen. Das könnte sich als kontraproduktiv erweisen. Wie eine Forschergruppe um den Wirtschaftswissenschaftler...
  • BildWas ist eigentlich ein Phänomen? (02.09.2008, 13:00)
    Interdisziplinäres Symposion am Internationalen Wissenschaftsforum der Universität Heidelberg erforscht zentralen wissenschaftlichen Begriff - Hochkarätige Forscherrunde diskutiert über den Begriff des Phänomens in den Wissenschaften - 11. bis 13....
  • BildDas Phänomen kollektiver Emotionen (02.09.2008, 11:00)
    Sportwissenschaftler Torsten Schlesinger von der TU Chemnitz untersuchte emotionale Prozesse im Kontext sportbezogener Marketing-EventsTausende Zuschauer drängen sich dicht an dicht, einander fremde Menschen jubeln gemeinsam, immer wieder...
  • BildPhänomen Gravitationswellen (17.07.2007, 11:00)
    Bundesweite Lehrerfortbildung Astronomie vom 19.-21. Juli an der Universität Jena Jena (17.07.07) Dass Gravitationswellen existieren, gilt seit der 1916 veröffentlichten Allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins als unausweichliche Folge...
  • BildChancengleichheit von Frauen und Männern (15.11.2006, 13:00)
    Expertin der TU Darmstadt steht für Anfragen zur VerfügungTrotz aller geschlechterdemokratischer Vorstellungen und Forderungen unterliegen Frauen heute immer noch der Doppelbelastung von Familie und Berufstätigkeit. Anlässlich der Tagung...
  • BildKindheit als kulturelles Phänomen (04.07.2005, 14:00)
    Die Schriftstellerin Mirjam Pressler ist am morgigen Dienstag (5. Juli 2005) auf Einladung des Fachgebiets Grundschulpädagogik und Kindheitsforschung an der Universität Erfurt zu Gast. Sie liest zunächst um 15.00 Uhr in der Kinder- und...

Ähnliche Themen in den JuraForen


Kommentar schreiben

80 + S,ie ben =

Bisherige Kommentare zur Nachricht (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.

JuraForum-Newsletter

Kostenlose aktuelle Urteile und Rechtstipps per E-Mail:

Top 10 Orte in der Anwaltssuche

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.