Lebensmittel im globalen Handel

23.07.2013, 14:10 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Start des Forschungsvorhabens „Zoonosen und Lebensmittelsicherheit entlang globaler Warenketten“

Nicht nur exotische Früchte oder Gewürze haben eine lange
Reise hinter sich, wenn sie im Supermarkt zum Verkauf angeboten werden. Durch Wettbewerbs- und Kostendruck in den Lebensmittelmärkten, sind mittlerweile auch für Produkte wie Fleischwaren internationale Handelswege selbstverständlich. Durch den freien Warenverkehr in Europa und zunehmende Importe aus Drittländern sind neue Herausforderungen für die Lebensmittelsicherheit entstanden. „Die Überwachungssysteme für Lebensmittel sind in den Produktionsländern sehr unterschiedlich“, sagt BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel. „Die Hersteller und Importeure müssen auch die Sicherheit von importierten Lebensmitteln gewährleisten.“ Insbesondere Krankheiten, die durch Erreger in Lebensmitteln auf den Menschen übertragen werden, können neben gesundheitlichen Folgen für Verbraucher auch weitreichende wirtschaftliche Bedeutung haben. Vor diesem Hintergrund hat im Juli das Forschungsvorhaben „Zoonosen und Lebensmittelsicherheit entlang globaler Warenketten“ (ZooGloW) seine Arbeit aufgenommen. Am Beispiel der Warenströme für Schweine- und Geflügelfleischerzeugnisse werden mögliche Schadenszenarien durch die zufällige Verunreinigung von Lebensmitteln mit Krankheitserregern analysiert. Darauf aufbauend sollen Strategien zur Vermeidung von Krankheitsausbrüchen sowie zum Handeln und zur Risikokommunikation im Fall eines Ausbruchs erarbeitet werden. Der Forschungsverbund hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) koordiniert. Projektpartner sind die Charité, das Institut für Public Management, das Thünen-Institut und die Tierärztliche Hochschule Hannover. Gefördert wird das Verbundprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms der Bundesregierung.

Im Fokus des Forschungsvorhabens ZooGloW stehen Schweine- und Geflügelfleischprodukte, deren Warenströme sich grundlegend unterscheiden. Entsprechend variabel sind auch die Risiken für den unbeabsichtigten Eintrag von krankmachenden Viren, Bakterien und Parasiten (Zoonoseerreger) über diese Lebensmittelketten.

Zunächst werden mögliche Bedrohungen durch den Eintrag von Zoonoseerregern in die Lebensmittelketten identifiziert. Betrachtet werden dazu die Wege der Lebensmittel vom Ausgangsstoff über die Produktion und den Transport bis hin zur Nutzung durch den Verbraucher. Zudem wird geprüft, inwieweit die bestehenden Überwachungssysteme und die entsprechenden Rechtsvorschriften geeignet sind, lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche zu verhindern.

Aufbauend auf dieser Bestandsaufnahme werden Schadenszenarien modelliert sowie neue Testmethoden und verbesserte Untersuchungsstrategien entwickelt.

Im Rahmen einer ökonomischen Analyse werden Kosten und Nutzen einer erweiterten Lebensmittelüberwachung den volkswirtschaftlichen Kosten im Krisenfall gegenübergestellt. Bestandteil der ökonomischen Betrachtung ist auch das veränderte Konsumverhalten der Bevölkerung im Fall eines Krankheitsausbruchs, der auf Lebensmittel zurückgeht.

Verbraucher haben im Fall einer Lebensmittelkrise ein besonderes Informationsbedürfnis. Vor diesem Hintergrund ist es ein weiteres Projektziel, Leitlinien für eine zielgruppengerechte Risikokommunikation zu erarbeiten.

Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens sollen den Verantwortlichen helfen, Krankheitsausbrüche durch Erreger in Lebensmitteln zu vermeiden und im Fall eines Ausbruchs geeignete Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher zu treffen.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

19/2013

Quelle: idw


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