"Heritage Science": Aus der Vergangenheit in die Zukunft

14.06.2018, 13:13 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Themenheft der Fachzeitschrift "Angewandte Chemie"

Sind Handy-Photos von jedermann eine nützliche Datenquelle für die Analyse historischer Objekte? Lässt sich die Zersetzung von Plastik-Kunstwerken in Museen anhand ihres Geruchs verfolgen? Wie wirken sich Konservierungsverfahren auf Kanonenkugeln aus Schiffswracks aus? Antworten auf alle diese Fragen gibt ein Themenheft der Zeitschrift Angewandte Chemie über technisch-naturwissenschaftliche Forschung an Kulturgütern, kurz "Heritage Science".

Als ein interdisziplinäres Wissenschaftsgebiet mit enger Beziehung zur Chemie, das Konservierungswissenschaft, Archäologie und Bauingenieurwesen einschließt, beschreibt Matija Strlič vom University College London die "Heritage Science" in seinem Editorial. Dabei geht es nicht nur um Fragen der Konservierung und Analyse, sondern auch um die Sammlung weiterer Informationen und die Präsentation für Besucher.

Das Themenheft kann mit 20 Forschungsartikeln über Aspekte der "Heritage Science" und mit fünf längeren Übersichtsartikeln aufwarten. Sein Titelbild gehört zu einer Studie von Ian Freestone, Eleanor Schofield und einer Gruppe von Mitarbeitern des Mary Rose Trust, University College London, und der Diamond Light Source (UK), die eiserne Kanonenkugeln aus der Mary Rose, dem Flaggschiff der Flotte König Heinrichs VIII., mit Röntgen-Strahlung untersuchten. So konnten sie nachvollziehen, wie diese Objekte durch Konservierungsbehandlungen korrodieren, was für die Entwicklung neuer Schutztechniken von Interesse ist. Unter den Beiträgen, die sich mit der Analyse von Gemälden beschäftigen, ist eine Studie zu Van Goghs Sonnenblumen von Frederik Vanmeert in Zusammenarbeit mit Gruppen in Antwerpen und Delft, in der Bereiche des Gemäldes identifiziert werden, die anfällig für Zerfallsprozesse sind: Für gelbe Bereiche ist eine Verfärbung wahrscheinlicher als für orangefarbene. In einer anderen Arbeit entdeckten Wissenschaftler aus Polen und Italien versteckte Änderungen bei einer früheren Restaurierung einer Version der Madonna mit der Spindel, einem Ölgemälde, dessen Ursprünge auf die Werkstatt Leonardo da Vincis zurückgehen.

Weitere Beiträge befassen sich mit Glasgerät aus den Laboratorien von Alchemisten und beleuchten so den Alltag dieser frühen Chemiker, mit der Rekonstruktion ägyptischer Grabbeigaben sowie mit Plastik-Kunstwerken aus den Tate-Sammlungen und deren Ausdünstungen. Wie Strlič betont, erhält die "Heritage Science" sowohl der Gesellschaft als auch jedem Einzelnen, heute und in Zukunft, die Möglichkeit, das Recht auf ein Kulturerbe auszuüben, und sie hilft uns bei der Suche nach unserer Identität. Dadurch ist sie zutiefst sozial. Und er fügt an: "Die Forschung von heute ist unser Vermächtnis für die Zukunft."

Angewandte Chemie: Presseinfo 22/2018

Autor: Matija Strlič, University College London (UK), https://iris.ucl.ac.uk/iris/browse/profile?upi=MSTRL90

Link zum Originalbeitrag: https://doi.org/10.1002/ange.201804246

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany.

Weitere Informationen:
- http://presse.angewandte.de

Quelle: idw


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