Forschungsfeld soziale Ungleichheit: Führender Soziologe wechselt von "Sciences Po" nach Luxemburg

10.07.2012, 13:10 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Seit diesem Monat verstärkt der weltweit angesehene Soziologe Prof. Dr. Louis Chauvel das Team von Wissenschaftlern der Universität Luxemburg, das im Rahmen des mit 4,5 Millionen Euro ausgestatteten Forschungsprogramms PEARL die soziale Ungleichheit im luxemburgischen, europäischen und internationalen Umfeld erforscht.

Das vom Luxemburger Fonds National de la Recherche Luxembourg (FNR) finanzierte „Excellence Programme for Research in Luxembourg“ (PEARL) bietet eine wettbewerbsorientierte Förderung, die es ermöglicht, hochkarätige Forscher auf strategisch wichtigen Forschungsgebieten nach Luxemburg zu locken. Dr. Louis Chauvel war Professor für Soziologie am Institut d’Etudes Politiques (Sciences Po), Paris, und Leiter des Graduiertenstudiums in Soziologie. Er bewarb sich erfolgreich bei der Universität Luxemburg um entsprechende Fördermittel, um seine Forschung auf dem Gebiet der sozialen Ungleichheit in Luxemburg durchführen zu können.
Die Gutachterkommission des FNR erklärte anerkennend: „Professor Chauvel ist wegen seiner exzellenten bisherigen Forschung und seiner beeindruckenden intellektuellen Energie der perfekte Kandidat. Er ist ein herausragender Experte auf seinem Gebiet und seine Schriften zeugen von einem brillanten Intellekt und einem weiten Interessens-, Wissens- und Kompetenzhorizont.“

„Ich bin nicht der typische französische Soziologe“, erklärt Louis Chauvel. „Ich führe keinen Diskurs; ich bin mehr an Ergebnissen und Entdeckungen interessiert und sehe mich selbst als eine Art Futurologen, als Epidemiologen, der gesellschaftliche Problemstellungen untersucht, um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft und die Risiken für einen Kollaps abschätzen zu können. Ich habe vor, die Perspektiven der Soziologie, Ökonomie und Politischen Soziologie zu verknüpfen, um die Ungleichheit, die uns heute in Luxemburg und der ganzen Welt begegnet, besser verstehen zu können. Auch wenn Luxemburg noch eine äußerst komfortable, vor Risiken und Erschütterungen gut geschützte Mittelstandsgesellschaft darstellt, so werden das Europäische und das außereuropäische Umfeld zunehmend unsicher.“

Professor Chauvel versucht die sozialen Vor- und Nachteile verschiedener Generationen zu ergründen, und sieht dabei in der Regel junge Menschen als die ersten Opfer einer Krise. „Die vergleichende Soziologie der Krisen zeigt, dass es für die Zukunft einer Gesellschaft am schwierigsten ist, die Massenarbeitslosigkeit der heutigen Jugend hinzunehmen, denn die junge Generation wird für unsere gegenwärtige Verantwortungslosigkeit für immer bezahlen müssen.“ Wird sich die EU-Krise auf die sozialen Realitäten der Ungleichheit auswirken? Welche Folgen hat das für die soziale Sicherheit? „Ich bin nach Luxemburg gekommen, weil hier die Mitte Europas ist und sich mir ein echter globaler Kontext für meine Forschung bietet: Luxemburg ist wie das Krähennest, der Ausguck des Schiffes ‚Europa‘“,so Chauvel.

Die entsprechenden Projekte greifen speziell auf die von der Luxembourg Income Study (LIS) erhobenen Daten zurück. Dabei handelt es sich um eine seit 25 Jahren bestehende, länderübergreifende Databank, die Steuer-, Ausgaben- und Einkommenssituation von Haushalten aus 40 Ländern weltweit erfasst.Die Daten werden ausschließlich Forschern zu nichtkommerziellen Zwecken zur Verfügung gestellt; im Rahmen des PEARL-Forschungsprogrammes erhält die Universität Luxemburg einen privilegierten Zugang auf alle Daten.

„Luxemburg hat ein klares Interesse an der Forschung auf diesem Gebiet. Die Erforschung der sozialen Ungleichheit ist ein Muss, da sie sich auf die Marktstabilität und den sozialen Zusammenhalt auswirkt“, erklärt Prof. Dr. Dieter Ferring, Leiter der Forschungsabteilung INSIDE, zu der nun auch Louis Chauvel gehört. „Wir freuen uns sehr, Professor Chauvel bei uns zu haben, und legen damit künftig möglicherweise den Grundstein für ein internationales Forschungskompetenzzentrum für soziale Ungleichheit hier in Luxemburg“, so Ferring weiter.

Weitere Informationen:
- http://www.uni.lu - Homepage der Universität Luxemburg
- http://www.uni.lu/research/flshase/inside - Homepage der Forschungseinheit INSIDE
- http://www.fnr.lu & www.fnr.lu/pearl - Information über das PEARL-Programm des Luxemburger Forschungsfonds FNR

Quelle: idw


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