Flechten leiden unter dramatischen Verlusten

19.12.2012, 11:10 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Viele Flechtenarten reagieren sehr sensibel auf Luftschadstoffe und klimatische Veränderungen und gelten daher als sogenannte Bioindikatoren. Ein Rückgang des Artenreichtums dieser Organismen lässt auf eine negative Veränderung der Umweltbedingungen schließen. Wissenschaftler der Universität Göttingen konnten nun nachweisen, dass es in den vergangenen 150 Jahren zu dramatischen Verlusten des Artenreichtums bei epiphytischen Flechten kam. Ihre Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen.

Pressemitteilung
Nr. 248/2012

Flechten leiden unter dramatischen Verlusten
Göttinger Forscher untersuchen Artenrückgang – Ursachen sind Holzeinschlag und Trockenlegung

Flechten sind symbiotische Lebensgemeinschaften, die aus einem Pilz- und einem oder mehreren Algenpartnern bestehen und wesentlich zur Biodiversität von Wäldern beitragen. Die meisten der in Wäldern vorkommenden Flechtenarten sind sogenannte Epiphyten, das bedeutet sie wachsen auf einer anderen Pflanze, Baumrinde oder Totholz. Viele Flechtenarten reagieren sehr sensibel auf Luftschadstoffe und klimatische Veränderungen und gelten daher als sogenannte Bioindikatoren. Ein Rückgang des Artenreichtums dieser Organismen lässt auf eine negative Veränderung der Umweltbedingungen schließen. Wissenschaftler der Universität Göttingen konnten nun nachweisen, dass es in den vergangenen 150 Jahren zu dramatischen Verlusten des Artenreichtums bei epiphytischen Flechten kam. Ihre Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen.

Die Wissenschaftler verglichen historische Daten mit aktuellen Studien. Dabei fanden sie etwa 30 Prozent der ursprünglich in Waldgebieten des Nordwestdeutschen Tieflandes und im Solling vorkommenden epiphytischen Flechtenarten nicht mehr vor. Diese müssen daher in den untersuchten Gebieten als ausgestorben gelten, schließen die Forscher. Darüber hinaus kam es zu starken Veränderungen in der Artenzusammensetzung und Häufigkeit der vorkommenden Flechtenarten. So war ein besonders starker Rückgang bei Arten zu beobachten, die sich auf Standorte wie regengeschützte Furchen in der Baumrinde, Aushöhlungen in alten Bäumen oder feuchtes Totholz spezialisiert haben. Nur wenige Flechtenarten konnten von erhöhten Schadstoffeinträgen oder Klimaänderungen profitieren und breiteten sich aus.

Die Abholzung von Altbäumen, die Entfernung von Totholz oder die Trockenlegung von Waldbeständen während der Industrialisierung gelten als Hauptursache für den starken Artenrückgang der epiphytischen Flechten. „Um einem weiteren Artenrückgang entgegenzuwirken, benötigen wir strukturreiche Wälder mit einem höheren Anteil von Altbäumen und Totholz“, sagt Prof. Dr. Christoph Leuschner von der Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung und Leiter der Studie. Daneben tragen Luftschadstoffe zum Rückgang der Flechten bei.

Die Studie wurde im „Biochange-Projekt“ im Rahmen des Exzellenzclusters „Functional Biodiversity Research“ der Universität Göttingen durchgeführt. Im Exzellenzcluster arbeiten Forscher der Fakultät für Forstwissenschaft und Waldökologie, der Fakultät für Biologie und Psychologie und der Fakultät für Agrarwissenschaften zusammen. Das Projekt wird seit 2008 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit insgesamt 3,7 Millionen Euro gefördert.

Originalveröffentlichung: Markus Hauck et al. (2013): Dramatic diversity losses in epiphytic lichens in temperate broad-leaved forest during the last 150 years. Biological Conservation 157: 136-145.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Christoph Leuschner / Prof. Dr. Markus Hauck
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Biologie und Psychologie – Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften
Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung
Untere Karspüle 2, 37073 Göttingen, Telefon (0551) 39-5722
E-Mail: cleusch@gwdg.de

Weitere Informationen:
- http://www.plantecology.uni-goettingen.de - Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung der Fakultät für Biologie und Psychologie

Quelle: idw


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