Mieterschaden muss nicht über 50 Jahre von der Steuer abgesetzt werden

05.10.2017, 16:52 | Wirtschaft & Steuern | Jetzt kommentieren


Mieterschaden muss nicht über 50 Jahre von der Steuer abgesetzt werden
München (jur). Hinterlässt ein zahlungsunfähiger Mieter nach der Wohnungskündigung eine zerstörte Wohnung, kann der Vermieter die hohen Kosten für die Schadensbeseitigung in seiner Steuererklärung sofort in voller Höhe absetzen, entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem am Mittwoch, 4. Oktober 2017, veröffentlichten Urteil (Az.: IX R 6/16). In solch einem Fall kann das Finanzamt nicht verlangen, dass die Instandhaltungskosten über einen Zeitraum von 50 Jahren steuerlich geltend gemacht werden.
Im konkreten Fall hatte die aus Nordrhein-Westfalen stammende Klägerin 2007 eine bereits vermietete Eigentumswohnung gekauft. Da die Mieterin in Zahlungsrückstand geriet, kündigte die Klägerin das Mietverhältnis.

Bei der Übergabe der Wohnung fiel die Vermieterin aus allen Wolken. Die Scheiben an den Türen waren eingeschlagen, an den Wänden befand sich Schimmel, Bodenfliesen waren zerstört und im Badezimmer befand sich ein Rohrbruch, den die Mieterin nicht gemeldet hatte.

Da die Mieterin kein Geld hatte, konnte sie für die Schäden in Höhe von rund 20.000 Euro nicht aufkommen. Die Vermieterin musste die Reparaturen aus eigener Tasche bezahlen.

Finanzamt lehnte volle Absetzbarkeit ab

Die Kosten hierfür wollte sie in voller Höhe sofort in ihrer Steuererklärung geltend machen.

Dies lehnte das Finanzamt jedoch ab. Das Immobilienobjekt habe 104.000 Euro gekostet. Die nun geltend gemachten Aufwendungen überschreiten 15 Prozent dieser Anschaffungskosten, erklärte das Finanzamt. Damit handele es sich um sogenannte „anschaffungsnahe Herstellungskosten“. Nach den gesetzlichen Regelungen könnten solche Schadenbeseitigungskosten dann nur anteilig mit zwei Prozent über einen Zeitraum von 50 Jahren steuerlich geltend gemacht werden.

BFH stimmt Vermieterin zu

In seinem Urteil vom 9. Mai 2017 gab der BFH der Vermieterin jedoch recht. Zu den vom Finanzamt angeführten Herstellungskosten gehörten „sämtliche Aufwendungen für bauliche Maßnahmen, die im Rahmen einer im Zusammenhang mit der Anschaffung des Gebäudes vorngenommenen Instandsetzung und Modernisierung anfallen“. Dazu zählten Schöhneitsreparaturen oder auch Kosten für die Herstellung der Betriebsbereitschaft. Selbst die Beseitigung zum Zeitpunkt des Kaufs vorhandener Mängel oder die erst nach dem Erwerb auftretenden „altersüblichen Mängel und Defekte“ fielen darunter.

Hier habe es sich aber um Instandsetzungskosten eines Schadens gehandelt, der beim Kauf der Eigentumswohnung noch gar nicht vorhanden oder „angelegt“ war, sondern nachweislich durch das schuldhafte Verhalten der Mieterin verursacht wurde. Solche Aufwendungen könnten als sogenannter „Erhaltungsaufwand“ sofort als Werbungskosten abgezogen werden, befand der BFH.


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