Unfallrisiko wird bei Falschparken in der Dunkelheit mitgetragen

09.04.2018, 09:30 | Verkehrsrecht | Jetzt kommentieren


Unfallrisiko wird bei Falschparken in der Dunkelheit mitgetragen
Frankfurt/Main (jur). Wer sein Auto im Parkverbot abstellt, bekommt bei einem Auffahrunfall gegebenenfalls nicht den vollen eigenen Schaden ersetzt. Fährt in einem ohnehin gefährdeten Bereich bei Dunkelheit ein anderes Auto auf, muss der Falschparker ein Viertel seines Schadens selbst tragen, wie das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main in einem am Freitag, 6. April 2018, bekanntgegebenen Urteil entschied (Az.: 16 U 212/17).

Im entschiedenen Fall hatte ein Autofahrer seinen Wagen rechts am Straßenrand geparkt, direkt hinter einer die Fahrbahn verengenden Verkehrsinsel im Wohngebiet Frankfurt-Eschersheim. Schon zwei davor parkende Fahrer hatten das dort bestehende Parkverbot missachtet. Bei Dunkelheit übersah ein anderer Autofahrer das Hindernis und konnte hinter der Verkehrsinsel nicht mehr rechtzeitig nach links ausweichen. Er fuhr ungebremst hinten links auf das hinterste Auto auf und schob dies gegen den Wagen davor und diesen wiederum gegen den Vordersten.

OLG Frankfurt: Falschparker ist mitverantwortlich für den Auffahrunfall

In dem Streit um die Regulierung des Schadens betonte nun das OLG Frankfurt, dass zwar regelmäßig „der Verursachungsanteil des aktiv fahrenden Verkehrsteilnehmers“ überwiege. In der Regel erhalte auch ein verbotswidrig parkender Fahrer sogar vollen Schadenersatz.

Hier habe der Falschparker sein Auto aber „in einem gefährdeten Bereich“ direkt hinter der Verkehrsinsel abgestellt. Sein Wagen sei „eine nicht unerhebliche Erschwerung für den fließenden Verkehr“ gewesen. Bei Dunkelheit sei das Auto zudem schlecht zu sehen gewesen. Der Falschparker sei daher mitverantwortlich für die Gefahr gewesen, dass der Fahrer eines vorbeifahrenden Wagens das falsch parkende Auto zu spät sieht und daher nicht mehr rechtzeitig nach links lenken kann.

Falschparker bekommt nur 75 Prozent seines Schadens ersetzt


Unter diesen Voraussetzungen trage zwar immer noch der „aktive“ Fahrer die größere Verantwortung. Dieser müsse dem Falschparker aber nur 75 Prozent von dessen Schaden ersetzen, entschied das OLG Frankfurt in seinem jetzt bekanntgegebenen Urteil vom 15. März 2018.

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