Fußgängerin haftet bei grob verkehrswidrigem Verhalten selbst

03.07.2018, 12:12 | Verkehrsrecht | Autor: | Jetzt kommentieren


Fußgängerin haftet bei grob verkehrswidrigem Verhalten selbst
Nürnberg (jur). Wenn sich Fußgänger grob verkehrswidrig verhalten, müssen sie gegebenenfalls alleine für die Folgen haften. Die üblich angenommene zumindest teilweise Mithaftung des Autofahrers kann dann komplett entfallen, wie das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg in einem am Montag, 2. Juli 2018, bekanntgegebenen Urteil entschied (Az.: 4 U 1386/17).

Verkehrswidriges Verhalten

Im Streitfall wurde eine Fußgängerin auf einer siebenspurigen Straße in Fürth schwer verletzt. Sie wollte auf dem mittleren Grünstreifen ein mannshohes Plakat aufstellen. Hierfür parkte sie am Straßenrand, lud das Plakat aus und wollte damit über die ersten vier Spuren zu dem Grünstreifen gehen. Nur 15 Meter weiter wäre eine Fußgängerampel gewesen. Ein Autofahrer auf der zweiten Spur erfasste die Frau; sie wurde schwer verletzt.

Mit ihrer Klage forderte die Krankenkasse der Fußgängerin von der Versicherung des Autofahrers jedenfalls anteiligen Schadenersatz für die Behandlungskosten.

Übliche Mithaftung durch "Betriebsgefahr"

Bei Unfällen zwischen Auto und Fußgänger wird eine solche Mithaftung üblich auch dann angenommen, wenn sich der Fußgänger fehlerhaft verhalten hat. Grund ist die allgemeine „Betriebsgefahr“, die von einem Auto allein dadurch ausgeht, dass es sich im öffentlichen Raum bewegt. Entsprechend hatte hier das Landgericht Nürnberg-Fürth dem Autofahrer ein Drittel der Haftung zugeschrieben.

Mit seinem jetzt bekanntgegebenen Urteil vom 31. Januar 2018 hob das OLG Nürnberg dieses Urteil nun auf und wies der Fußgängerin die volle Haftung alleine zu. Diese habe sich „grob verkehrswidrig verhalten“. Der Autofahrer habe nicht damit rechnen müssen, dass die Frau mit ihrem Plakat versuchen würde, vier Fahrspuren am Stück zu überqueren, obwohl nur 15 Meter entfernt eine Fußgängerampel war. Zudem habe die Fußgängerin das Auto sehen und daher vor der zweiten Spur stehen bleiben müssen. Dessen Fahrer hätte selbst mit einer Vollbremsung den Unfall nicht mehr vermeiden können. Eine Mithaftung scheide daher aus.

Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage

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