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Ist die Bezahlart Überweisung für einen Verkäufer risikofrei? (Bitcoins)

Frage gestellt am: 09.10.2017 um 21:41:43 in der Kategorie: Allgemeines Recht
Einsatz 45,00 € (inkl. 19% MwSt.)
Status Beantwortet

Hallo,

ich verkaufe die digitale Währung Bitcoin, wo der Käufer sehr anonym sein kann, da es keine echte Wohnadresse zum Versenden braucht und ich natürlich auch keinen Scan von einem Ausweis oder Ähnliches verlange. Das lockt Betrüger. Ich war erst vor Kurzem in einen Dreiecksbetrug verwickelt, indem ich anscheinend im Recht bin und der "Dreiecksbetrogene Käufer" hat nach aktuellem Stand kein Recht auf Geldrückgabe. Nun habe ich gelesen, dass das Recht auf eine Rückgabe des Geldes besteht, wenn es keinen Grund für eine Zahlung gab. Als Beispiel wurde ein Zahlendreher in der IBAN und ein gehacktes Konto angegeben. Dagegen, dass der Käufer sagen kann, er hätte die Überweisung ausversehen getätigt schütze ich mich durch den Verwendungszweck, da ich nur Überweisungen mit entsprechendem Verwendungszweck akzeptiere. Aber wenn ein Hacker Zugriff auf das Konto einer Privatperson hat, Überweisungen tätigen kann und so bei mir Bitcoins kauft, wer ist dann der Geschädigte? Der Gehackte, die Bank oder ich? Ich kann anhand der sogenannten "Blockchain" (eine Datenbank, die alle Transaktionen von Bitcoins für jeden offen legt) nachweisen, dass die Bitcoins gesendet wurden und ich die Ware geliefert habe. Falls ein Risiko für mich besteht, gibt es eine Möglichkeit dieses für mich aus der Welt zu schaffen?

Vielen Dank und viele Grüße!

Antwort zur Frage (09.10.2017 um 23:39:04)

Rechtsanwalt Marcus Schröter
Rechtsanwaltskanzlei Schröter
Tel: 069/209737530
Fax: 069/209737539
Anschrift: Pestalozzistraße 15 A, 61231 Bad Nauheim, Deutschland
Schwerpunkte: Allgemeines Recht, Bankrecht / Kapitalmarktrecht, Gesellschaftsrecht, Grundstücksrecht, Immobilienrecht, Insolvenzrecht, Vertragsrecht, Wirtschaftsrecht
AW: Ist die Bezahlart Überweisung für einen Verkäufer risikofrei? (Bitcoins)

Sehr geehrter Ratsuchender,

 

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Angaben nachfolgend beantworte:

 

1. Eine Überweisung für die kein Rechtsgrund besteht, kann in der Tat nach den bereicherungsrechtlichen Vorgaben zurückgefordert werden. Ein solcher Anspruch besteht, wenn die Überweisung beispielsweise auf ein falsches Konto erfolgt ist.

 

2. Erfolgte die Überweisung auf ein manipuliertes Konto, hat der Kontoinhaber Anspruch gegen den Schädiger. Die Überweisung ist aber grundsätzlich wirksam, wenn der Zahlende keine Anhaltspunkte hatte, dass die Zahlung auf ein gehacktes Konto erfolgte.

 

Gleiches gilt für den Fall, dass eine Zahlung von einem manipuliertem Konto aus erfolgte. Hat der Zahlungsempfänger keine Anhaltspunkte, dass mit der Überweisung etwas nicht in Ordnung ist, besteht kein Rückzahlungsanspruch des Kontoinhabers. Schließlich ist der Kontoinhaber für die Sicherheit seines Kontos verantwortlich.

 

3. Ein Vorteil der Überweisung ist, dass wenn diese gutgeschrieben wurde, durch die Bank des Auftraggebers nicht rückgängig gemacht werden kann. Dem Auftraggeber bleibt dann nur der Rechtsweg um seine vermeintliche Forderung zurückzuverlangen.

 

4. Das Argument eine Überweisung aus versehen getätigt zu haben, setzt aufgrund des zu verwendenden Tan-Verfahrens hohe Hürden. Alleine der Verweis auf einen Zahlendreher, Ihre Angaben im Verwednungszweck schließen eine versehentliche Überweisung nahezu aus.

 

Im Ergebnis sehe ich die Möglichkeit des Auftraggebers für die Zahlung als gering an, eine Zahlung zurückzufordern.

 

Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen und einen ersten hilfreichen Überblick vermitteln.

 

Mit besten Grüßen

 

Marcus Schröter

Rechtsanwalt




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