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Frage zu Medizinrecht - falsche Diagnose im Arztbrief

Frage gestellt am: 11.01.2018 um 16:06:56 in der Kategorie: Allgemeines Recht
Einsatz 49,00 € (inkl. 19% MwSt.)
Status Beantwortet

Guten Tag,

es geht um eine Frage, die das Medizinrecht betrifft, genauer gesagt möchte ich meinen Arztbrief anfechten. - wegen einer falschen Diagnose. Mein Fall sieht folgendermaßen aus: Ich hatte schon immer, mal mehr und mal weniger stark ausgeprägte, ADS-Symptome. Vor ein paar Jahren habe ich mir dann wegen einer Depression ein Antidepressivum verschreiben lassen. Das erste habe ich auch noch gut vertragen, beim zweiten jedoch habe ich die doppelte von der empfohlenen Menge genommen - daraufhin haben sich psychotische bzw. psychedelische Symptome entwickelt, was aber die Nebenwirkungen des Antidepressivums gewesen sein müssen, da ich dazu auch entsprechende Informationen im Internet gefunden habe. Es kam dann auch zu einer Einweisung in die psychiatrische Klinik. Dort wurde mir eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert, da ich angab, Stimmen gehört zu haben - was aber nicht genau stimmt, da es sich nur um eine Art akustische Halluzination gehandelt hat - damals wollte oder konnte es nicht so gut beschreiben. Aber es sollen ja sogar manchmal gesunde Leute Stimmen hören, wenn sie zum Beispiel überlastet sind. Nun bin ich mit der Diagnose paranoide Schizophrenie überhaupt nicht einverstanden, da das ja implizieren würde, dass ich ein starkes soziales Defizit hätte, was auf gar keinen Fall zutrifft, wofür ich auch sehr viele Beispiele aus meinem Leben aufzählen könnte - ich würde mich sogar als überdurchschnittlich empathisch bezeichnen. Wenn dann hatte ich höchstens eine substanzinduzierte Psychose, da ich ja, wie oben schon beschrieben, eine zu hohe Dosis Antidepressiva zu mir genommen hatte, was psychotische Symptome auslösen kann. Wie müsste ich da genau vorgehen, um die Diagnose in meinem Arztbrief nachträglich ändern zu lassen? Lohnt es sich, die damaligen Ärzte, die mit meinem Fall betraut waren, aufzusuchen, oder geht der Weg nur über einen Anwalt für Medizinrecht? Wie wäre die Vorgehensweise, wenn ich mit der nachträglichen Änderung der Diagnose im Arztbrief keinen Erfolg hätte? Würde es ausreichen einen neuen Psychiater aufzusuchen, der mir bescheinigt, dass die Symptome von damals nicht mehr zutreffen und mir eine neue Diagnose bestätigt? Ich habe nämlich gelesen, dass es mit der Diagnose Schizophrenie zu erheblichen Nachteilen im öffentlichen Leben kommen kann - dann nämlich, wenn man zum Beispiel einen tätlichen Angriff erlebt und sich eine Gehirnverletzung zugezogen hat - dann würde nämlich die Versicherung behaupten, der Gehirnschaden hat schon vorher bestanden und würde nicht zahlen, oder wenn es zu einem Wohnungsbrand kommen sollte - dann würde unter Umständen behauptet werden, man hätte den Wohnungsbrand aufgrund der Erkrankung selber absichtlich verursacht- stimmen diese Informationen zu versicherungsrechtlichen Angelegenheiten? Oder welche Nachteile hat man genau bei öffentlich-rechtlichen oder privatrechtlichen Angelegenheiten? Vielen Dank!

Antwort zur Frage (11.01.2018 um 18:10:41)

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AW: Frage zu Medizinrecht - falsche Diagnose im Arztbrief

Sehr geehrte(r) Mandant(in),

vielen Dank für Ihre Anfrage und das damit verbunden in mich gesetzte Vertrauen. Gerne möchte ich Ihren Sachverhalt wie folgt bewerten:

1. Grundsätzlich ist das Ergebnis einer ärztlichen Feststellung zunächst einmal hinzunehmen und zu akzeptieren, da es sich hierbei um eine fachliche Einschätzung des Mediziners auf Basis seines Erfahrungshorizonts handelt. Selbstverständlich ist es jedoch denkbar, dass auch ein Arzt einen sachlichen Bewertungsfehler macht, der nicht bloß damit begründet werden kann, dass man die eine oder andere Meinung vertritt. Sollte ein solcher Fall vorliegen, hätten Sie einen Anspruch auf Änderung des Arztbriefes und damit auch der Diagnose.

2. Da Sie in einem solchen Fall der Anspruchsteller wären, sind Sie auch in der Beweispflicht. Sie müssten diese Fehldiagnose also fachlich beweisen können. Um dies zu erreichen, wäre es in jedem Fall empfehlenswert, einen anderen Arzt damit zu beauftragen, Sie zu untersuchen und gegebenenfalls die Krankenakte neu zu bewerten. Sollten darüber fachliche Fehler nachweisbar sein, könnten Sie sich an den erstbegutachtenden Mediziner wenden und um Änderung des Arztbriefes bitten.

3. Was Ihre privat- und öffentlichrechtliche Situation angeht, so lässt sich Ihre Situation keineswegs pauschalisieren. Es stimmt zwar, dass es unter Umständen zu den genannten Einschränkungen kommen kann. Dies setzt allerdings voraus, dass Sie in dem Zeitpunkt, in dem ein besonderes Ereignis auftritt, auch nicht "Herr Ihrer Sinne" gewesen wären. Sie sind keinem Betreuungsverfahren unterstellt, also auch geschäftsfähig. Sofern ein Anspruchsgegner sich also darauf berufen möchte, dass Sie in einer bestimmten Situation gerade eben nicht "zurechnungsfähig" gewesen sein sollten, muss er Ihnen dies nachweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniela Désirée Fritsch                                                                                                             Rechtsanwältin




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