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Endrechnung und Auftragsbestätigung weichen voneinander ab

Frage gestellt am: 02.12.2017 um 10:48:02 in der Kategorie: Baurecht / Architektenrecht
Einsatz 59,00 € (inkl. 19% MwSt.)
Status Beantwortet
Handwerkerrechnung weicht von Auftragsbestätigung ab Hallo, angenommen ein Dachdecker erstellt eine Auftragsbestätigung (mit vorangenangenem Angebot) in der detailiiert aufgelistet wird (in qm und preis / einheit) was an der Dachneueindeckung alles zu erledigen ist. fiktiver Endpreis 60000.- Die Dachdeckerarbeiten wurden durchgeführt; jedoch gibt es in der Abschlussrechnung einen Mehrbetrag von zb 6000 euro den der Auftraggeber aus folgenden Gründen nicht bezahlen möchte: 1. In der AB gibt es einen Posten "Ausbau, Entsorgung von Mineralwolle" ohne Betrag dh Posten aufgeführt aber kein Preis gelistet. Der Handwerker führt die o.g. arbeiten aus und stellt diese in Rechnung. Ist das Rechtens? Wenn in der AB keine Menge und auch kein Einzelpreis genannt ist? 2. Es wurde eine Folie verbaut die gar nicht im Angebot gelistet ist. 3. Lt AB war ein holz von 120lfm notwendig; verrechnet und verbaut wurden aber 240m. Darf man sich im Angebot so grob verschätzen? Es gab eine Vor ort Besichtigung des handwerkers und des Bauherren. Wie sieht es mit meinem Recht aus? Kann der Auftraggeber die Zahlung der Mehrkosten verweigern? Der Bauherr wurde zu keinem Zeitpunkt des Baufortschritts über etwaige Mehrkosten (die oben gelisteten) informiert. in der Auftragsbestätigung des Dachdecker heisst es: " Unsere Liefer und Verkaufsbedingungen sowie unser Leistungsverzeichnis werden Vertragsgrundlage." Leider sind diese Bedingungen niemandem zugänglich. Dankeschön :)

Antwort zur Frage (02.12.2017 um 13:28:18)

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AW: Endrechnung und Auftragsbestätigung weichen voneinander ab

Sehr geehrter Ratsuchender,

 

gern beantworte ich Ihre Frage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

 

Eine wesentliche Frage ist… Was wurde vereinbart?

 

Hat Ihnen der Handwerker ein Pauschalangebot unterbreitet oder wurde wie es scheint nach Arbeitsaufwand angeboten und vereinbart?

 

Im letzteren Fall darf der Handwerker sich durchaus in seinem Angebot um gut 20% verschätzen und soweit entsprechend tatsächlich Mehraufwand angefallen ist, diesen Ihnen auch in Rechnung stellen.

Selbst vergessene Positionen, die aber nach dem derzeitigen Stand der Technik zu dem maßgeblichen Gewerk dazu gehören, sind abrechenbar. Hier würde sich der Handwerker einer schlechten Arbeitsweise und entsprechend nachträglichen Sachmängelhaftungen aussetzen.

 

Zu 1) Ja, darf er. Letztlich war für den Handwerker der konkrete Aufwand für die aufgeführte Position nicht abschätzbar, so dass er den Preis nicht kalkulieren konnte.
Ohne den Ausbau der Mineralwolle, hätte er Ihnen kein neues Dach verbauen können. Auch die Entsorgung des ausgebauten Materials hätte hier durch Sie selbst erfolgen können.

 

Zu 2) grundsätzlich siehe oben – Wenn die fachgerechte Ausführung eine Folie vorsieht, werden die Kosten hier auf von Ihnen hierfür zu tragen sein. Man könnte darüber diskutieren, ob über die Materialkosten auch die Arbeitsleistung übernommen werden muss oder diese nur anteilig getragen wird.

 

Zu 3) Das ist schon ganz ordentlich verschätzt. Ggf. aber wegen vorher nicht einschätzbarer Baugrundlage notwendig. Eine diesbezügliche Ansprache hätte erwartet werden dürfen, ABER soweit dies für die Errichtung des Gewerks fachlich notwendig war, werden Sie sich nicht erfolgreich dagegen zur Wehr setzen können.

 

Ob Sie die Zahlung grundsätzlich verweigern sollten/können, möchte ich einmal Ihrem Urteil überlassen.

Dass Sie darüber, insbesondere über deren Entstehung, mit dem Unternehmer sprechen sollten, steht außer Frage. Seien Sie in dem Gespräch ruhig kritisch mit den fragwürdigen Positionen und wie es dazu gekommen ist.

Seien Sie sich darüber bewusst, dass jeder Euro über den Sie sich ohne Anwalt und Gericht Geld auf beiden Seiten erspart. Nur selten hat der Schuldner einen Ersatzanspruch gegen den anspruchstellenden Gläubiger, jedoch dieser über den Verzug, so denn einer vorliegt, eine Grundlage zu Ersatz von Rechtverfolgungs-, sprich Anwalts- und Gerichtskosten.

Bei Streitwerten ab 5.000,50 Euro ist sachlich das Landgericht anzurufen, hier besteht Anwaltszwang.

 

Insgesamt möchte ich Ihre Position hier nicht derartig sicher einstufen, als dass Sie zu einhundert Prozent in einem Rechtsstreit obsiegen.

 

Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben, wünsche viel Erfolg bei Ihren Gesprächen und verbleibe mit

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Andreas Wehle

Rechtsanwalt /Aachen

 

 




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