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Beweisbarkeit leichter sexueller Missbrauch

Frage gestellt am: 04.03.2018 um 23:30:12 in der Kategorie: Strafrecht
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Status Beantwortet
Sehr geehrte Damen und Herren, leider frage ich mich, wie oft ein Kind nach außen sexualusiertes Verhalten zeigen muss, damit das Jugendamt aufmerksam wird, damit mal jemand hinschaut, jemand zur Rechenschaft gezogen wird. Fakten: eine Frau trennt sich vom Mann, trotz zwei gemeinsamer Kinder, einem Stiefkind (Ihre Tochter). Vater narzisstisch schwer gestört. Kinder 2 & 3 Jahre berichten über Missbrauch seitens Vater, Tochter, 8 (der Mutter Tochter, sein Stiefkind) ebenso. Missbrauch liegt im „leichten“Bereich, anfassen u Küssen des Intimbereichs, Filmen etc. Alles nur Berichte der Kinder, kaum nachweisbar. Sohn fliegt wegen sexueller Übergriffigkeit aus Kita. Redet sexualisiert. Eltern wird AFT per JA „ veroednet“ sonst passiert nichts. JA droht der Mutter, Rauswurf ja nicht mit den Vorwürfen der Kinder in Verbindung zu bringen, da 2 Jahre dazwischen lägen. Was muss noch alles passieren? Wie kann man diesem Missbrauch Einhalt gebieten. Erhoffe mir Hilfe. Gruß U.

Antwort zur Frage (05.03.2018 um 08:40:14)

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AW: Beweisbarkeit leichter sexueller Missbrauch

Sehr geehrte Fragestellerin,

meiner Erfahrung nach sollte der Weg einer Strafanzeige gegangen werden, damit auch für das JA ein deutliches Zeichen Ihrerseits gesetzt wird. Über eine solche kann auch das JA, gerade natürlich bei "positivem" Verlauf nicht hinwegsehen. Sofern Sie sich sicher sind, dass es sich um sexuelle Übergriffe handelt, spielt es aus meiner Sicht und auch auch, was viel entscheidender ist, aus der Sicht des Gesetzgebers keine Rolle ob dies nur "leicht", denn Sexuelle Übergriffe haben gegenüber niemandem stattzufinden, schon gar nicht gegenüber Schutzbefohlenen.

Hier ein Einblick in die Gesetzeslage:

§ 176 Sexueller Mißbrauch von Kindern

(1) Wer sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen läßt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer ein Kind dazu bestimmt, daß es sexuelle Handlungen an einem Dritten vornimmt oder von einem Dritten an sich vornehmen läßt.

(3) In besonders schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr zu erkennen.

(4) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer

1.sexuelle Handlungen vor einem Kind vornimmt,

2.ein Kind dazu bestimmt, dass es sexuelle Handlungen vornimmt, soweit die Tat nicht nach Absatz 1 oder Absatz 2 mit Strafe bedroht ist,

3.auf ein Kind mittels Schriften (§ 11 Absatz 3) oder mittels Informations- oder Kommunikationstechnologie einwirkt, um

a)das Kind zu sexuellen Handlungen zu bringen, die es an oder vor dem Täter oder einer dritten Person vornehmen oder von dem Täter oder einer dritten Person an sich vornehmen lassen soll, oder

b)um eine Tat nach § 184b Absatz 1 Nummer 3 oder nach § 184b Absatz 3 zu begehen, oder

4.auf ein Kind durch Vorzeigen pornographischer Abbildungen oder Darstellungen, durch Abspielen von Tonträgern pornographischen Inhalts, durch Zugänglichmachen pornographischer Inhalte mittels Informations- und Kommunikationstechnologie oder durch entsprechende Reden einwirkt.

(5) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer ein Kind für eine Tat nach den Absätzen 1 bis 4 anbietet oder nachzuweisen verspricht oder wer sich mit einem anderen zu einer solchen Tat verabredet.

(6) Der Versuch ist strafbar; dies gilt nicht für Taten nach Absatz 4 Nr. 3 und 4 und Absatz 5.

Den Intimbereich zu küssen und dies zu filmen oder dergleichen anderes zu tun ist eine sexuelle Handlung.

Empfehlen würde ich, die Anzeige direkt bei der Polizei zu erstatten. Das ist deswegen von Vorteil, weil Sie mit geschulten Beamten sprechen, die wissen auf welche Fragen es ankommt. Außerdem können Sie sicher sein, dass eine solche Anzeige meist direkte Bearbeitung im ensprechenden Komissariat findet. Sie sollten sich hierfür zu Hause stichpunkte machen, damit Sie nicht im Nachhinein das Gefühl haben, etwas wichtiges vergessen zu haben. Die Polizei und die Staatsbehörden haben andere Mittel und Möglichkeiten zu ermitteln als Sie. Das bedeutet, gerade wenn Sie sagen dass es spezielle Aufnahmen geben könnte, dann ist es den Beamten mit einem Beschluss möglich, die mediale Technik zu überprüfen. Außerdem ist es sehr wahrscheinlich, dass ein pschologisches Gutachten bzgl der Kinder gefertigt wird, um deren Angaben zu bewerten. Dies ist ein Punkt, an dem Sie auch bereits vorwirken können, indem Sie einen Psychologen aufsuchen und diesen ins Gespräch holen indem Sie Ihren Verdacht äußern. Ein geschulter Fachmann wird feststellen können ob dies missbrauchstypisch ist, von was ich ausgehe, oder nicht. Sie dürfen nicht vergessen, Ihre Kinder, sind Sie auch noch so klein, sind Zeugen.

Ist ein solches Verfahren durchlaufen worden und hat es Erfolg gehabt, so stehen den entsprechenden Wegen im Familiengerichtlichen Sinne bzgl. des Sorgerechts oder Umgangsrechts nichts mehr im Weg. Bei einem tatsächlichen sexuellen Übergriff ist das meist zu Recht ein Selbstläufer. Sie können sich natürlich für dieses gesamte Procedere einen Anwalt an die Seite nehmen, der die rechtlichen Schritte mit Ihnen geht. Hierfür gibt es spezielle "Opferanwälte".

Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen. Ich sehe die Möglichkeit des Erfolgs leider nur dann, wenn auch der Weg der Anzeige gegangen wird. Durch diese können die nicht unbedingt Aussagekräftigen Äußerungen der Kinder durch weitere Beweise gefesteigt werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

V. Neubert




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