Verspäteter Ersatzflug führt zu Fluggastentschädigung

11.10.2017, 11:40 | Recht & Gesetz | Jetzt kommentieren


Verspäteter Ersatzflug führt zu Fluggastentschädigung
Karlsruhe (jur). Ein Ersatzflug kann Fluggesellschaften zwar von der Pflicht zu Entschädigungszahlungen befreien – aber nicht, wenn der Ersatz dann erheblich verspätet ist, wie am Dienstag, 10. Oktober 2017, der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschied (Az.: X ZR 73/16). Denn nach den EU-rechtlichen Vorgaben komme es letztlich auf die Verspätung am Endziel an.

Damit sprach der BGH drei Reisenden von Frankfurt am Main nach Sydney eine sogenannte Ausgleichszahlung von jeweils 600 Euro zu. Sie hatten bei Singapore Airlines gebucht und sollten in Singapur umsteigen. Wenige Tage vor Abflug strich die Fluglinie den Flug von Frankfurt nach Singapur, bot aber Ersatz bei einer anderen Fluglinie an. Mit diesem sollten sie den ursprünglichen Anschlussflug nach Sydney ebenfalls erreichen.

16-stündige Verspätung des Ersatzfluges


Doch der Ersatzflug setzte mit 16-stündiger Verspätung in Singapur auf. Der Anschluss nach Sydney war längst weg. So kamen die Reisenden letztendlich 23 Stunden später als geplant in Australien an.

Von Singapore Airlines forderten sie daher eine Ausgleichszahlung. Diese ist nach EU-Recht bei Verspätungen über drei Stunden sowie bei einer Annullierung vorgeschrieben, wenn diese nicht mindestens zwei Wochen vor Abflug angekündigt wurden. Bei einer Annullierung können Fluglinien allerdings Ersatz anbieten. Geschieht dies mindestens eine Woche vor Abflug, darf der Ersatz vier Stunden später ankommen, bei kurzfristigeren Informationen wie hier höchstens zwei Stunden.

Ersatzflug befreit nicht von Ausgleichszahlungen

Danach befreit hier der Ersatzflug Singapore Airlines nicht von der Ausgleichspflicht, urteilte der BGH. Denn die Verspätung am Endziel habe 23 Stunden betragen – weitaus mehr als die hier maßgeblichen zwei Stunden.

Dass die Flugpassagiere ihre Entschädigung auch bei der Ersatzfluglinie geltend machen könnten, sei egal. Singapore Airlines habe den ursprünglich gebuchten Flug gestrichen und bleibe daher verantwortlich. Ein Anspruch gegen die Ersatzlinie sei auch gar nicht immer gegeben. Denn bei Verspätungen liege die maßgebliche Grenze nicht wie hier bei zwei, sondern erst bei drei Stunden, und es könne auch sein, dass die Fluglinie gar nicht dem EU-Recht unterliegt.


Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage

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