Update: Unternehmer muss zum Wehrdienst trotz Insolvenzmöglichkeit

13.02.2008, 09:59 | Recht & Gesetz |1 Kommentar


Update: Unternehmer muss zum Wehrdienst trotz Insolvenzmöglichkeit
Das VG Koblenz lehnte den erneuten Eilantrag mit der Begründung ab, dass sich nichts am Sachverhalt geändert habe und der Antragsteller bei Firmengründung Vorkehrungen zur Weiterführung seines Betreibs während seiner Wehrpflicht hätte treffen können.

Das Bundesamt für Zivildienst bleibt nach dem VG Koblenz nach wie vor berechtigt, einen jungen Unternehmer einzuberufen. Dessen Antrag auf Abänderung einer gerichtlichen Eilentscheidung wurde vom Verwaltungsgericht Koblenz abschlägig beschieden.

Der Antragsteller wurde bereits im Mai 2004 als Kriegsdienstverweigerer anerkannt. Seit August 2004 betreibt er ein selbständiges Gewerbe. Einen ersten Zurückstellungsantrag lehnte das Bundesamt für den Zivildienst ab, die hiergegen erhobene Klage nahm der Antragsteller im Laufe des Verfahrens zurück. Nach dem Tod seines Vaters beantragte er erneut, vom Dienst zurückgestellt zu werden. Zur Begründung trug er vor, er sei für seinen Betrieb unabkömmlich, eine Einberufung hätte dessen Insolvenz und damit die Mittellosigkeit seiner Familie zur Folge. Das Bundesamt für Zivildienst lehnte den Antrag ab und berief den Antragsteller ein. Hiergegen setzte er sich mit einem Eilantrag zur Wehr, der erfolglos blieb (vgl. hierzu die Juraforum-Meldung vom 14.12.2007). Das Verfahren war Gegenstand der Berichterstattung in Fernsehen und Presse. Nunmehr hat der Antragsteller unter erneutem Hinweis auf die Nachteile für sein Unternehmen und seine Mutter beantragt, diese gerichtliche Entscheidung abzuändern.

Auch den erneuten Antrag lehnte das Gericht ab. Zunächst sei, so die Richter, schon nicht zu erkennen, dass sich die Sachlage verändert habe. Der Antragsteller habe bereits in seinem ersten Verfahren auf die wirtschaftliche Situation seines Unternehmens und seiner Mutter hingewiesen. Die vom Antragsteller ins Feld geführten Nachteile für seinen Gewerbebetrieb stellten nach wie vor eine unzulässige Rechtsausübung dar und blieben unbeachtlich. Der Antragsteller habe zum Zeitpunkt der Betriebsanmeldung seine Dienstverpflichtung gekannt und hätte sie in seine betrieblichen Dispositionen einbeziehen müssen. So hätte er schon bei Gründung seines Betriebs Vorkehrungen dafür treffen können und müssen, dass dieser während seiner Dienstzeit weitergeführt oder vorübergehend stillgelegt werden könne.

Der Beschluss ist unanfechtbar.

(Verwaltungsgericht Koblenz, Beschluss vom 5. Februar 2008, 7 L 54/08.KO)

Quelle: Pressemitteilung des VG Koblenz; Foto: (c)istockphoto.com


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Dego  (15.02.2008 13:04 Uhr):
...Die vom Antragsteller ins Feld geführten Nachteile für seinen Gewerbebetrieb stellten nach wie vor eine unzulässige Rechtsausübung dar und blieben unbeachtlich. Der Antragsteller habe zum Zeitpunkt der Betriebsanmeldung seine Dienstverpflichtung gekannt und hätte sie in seine betrieblichen Dispositionen einbeziehen müssen. So hätte er schon bei Gründung seines Betriebs Vorkehrungen dafür treffen können und müssen, dass dieser während seiner Dienstzeit weitergeführt oder vorübergehend stillgelegt werden könne...Als ob das mal eben so möglich wäre... Mit Verlaub, auf mich wirkt die Begründung leicht zynisch. Wie sehen das andere? LG, D



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