Nachträglich erstelltes Fahrtenbuch ist nicht ordnungsgemäß

04.12.2017, 15:13 | Recht & Gesetz | Jetzt kommentieren


Nachträglich erstelltes Fahrtenbuch ist nicht ordnungsgemäß
Neustadt/Weinstraße (jur). Eintragungen in ein Fahrtenbuch müssen „zeitnah“ erfolgen. Wer ein Formularbuch verwendet, das erst nach dem betreffenden Jahr in den Handel gekommen ist, legt daher kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch vor, wie das Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz in Neustadt an der Weinstraße in einem am Montag, 4. Dezember 2017, bekanntgegebenen Urteil entschied (Az.: 5 K 1391/15). Danach muss sich ein Arbeitnehmer bis über 10.000 Euro monatlich als Einkommen für die private Nutzung eines Maserati anrechnen lassen.

Der Edelflitzer war ihm von der GmbH als Dienstwagen überlassen worden, den er auch privat nutzen durfte. Den privaten Nutzungsanteil bewertet das Finanzamt allerdings als zusätzliches Einkommen. Steuerpflichtige können den Privatanteil mit einem Fahrtenbuch nachweisen. Liegt kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch vor, berechnet das Finanzamt die Privatnutzung nach der sogenannten Ein-Prozent-Regelung: Ein Prozent des Listenpreises pro Monat gilt als privat. Dies gilt auch für Selbstständige, die ein betriebliches Fahrzeug auch privat fahren.

Finanzamt deckelt den Privatanteil auf 10.440 Euro pro Jahr

Bei dem 116.000 Euro teuren Maserati wären das 1.160 Euro pro Monat, also 13.920 Euro pro Jahr. Weil das über den von der GmbH tatsächlich gezahlten Leasingraten lag, deckelte hier das Finanzamt den Privatanteil entsprechend – auf immer noch bis zu 10.440 Euro pro Jahr.

Arbeitnehmer hat Fahrtenbuch vorgelegt

Der Arbeitnehmer meinte, er habe doch ein Fahrtenbuch vorgelegt. Danach habe der private Nutzungsanteil in den Streitjahren 2003 bis 2006 nur zwischen 640 und 5.779 Euro gelegen.

Formularbuch war erst nach den streitigen Steuerjahren auf den Markt gekommen

Doch auf die Idee mit dem Fahrtenbuch war der Maserati-Fahrer offenbar zu spät gekommen. Denn für seine Einträge hatte er sich ein Formularbuch gekauft, das erst nach den streitigen Steuerjahren auf den Markt gekommen war.

Finanzgericht hat Fahrtenbuch nicht anerkannt

Ganz offenkundig seien die Einträge daher nicht „zeitnah“ erfolgt, und das Fahrtenbuch erst nachträglich erstellt worden, rügte das FG Neustadt. Wie schon das Finanzamt erkannte es daher das Fahrtenbuch nicht als ordnungsgemäß an.

Berechnung des privaten Nutzungsanteils ist grundsätzlich richtig

Die Berechnung des privaten Nutzungsanteils für den Maserati nach der Ein-Prozent-Regelung sei daher grundsätzlich richtig, ebenso die Deckelung auf die tatsächlichen Kosten, so das FG Neustadt in seinem Urteil vom 13. November 2017.


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