Keine Entschädigung für Reitunfälle durch Kleinkindlärm

16.05.2018, 08:31 | Recht & Gesetz | Jetzt kommentieren


Keine Entschädigung für Reitunfälle durch Kleinkindlärm
Nürnberg (jur). Scheut ein Pferd in einer Reithalle wegen eines lärmenden Kleinkindes, kann die Pferdehalterin für erlittene Verletzungen grundsätzlich keine Entschädigung von der beaufsichtigenden Großmutter verlangen. Dies gilt zumindest dann, wenn der Besuch der Reithalle erlaubt und der Ablauf des Unfalls für die Großmutter nicht vorhersehbar war, so das Landgericht Nürnberg-Fürth in einem am Montag, 14. Mai 2018, bekanntgegebenen Hinweisbeschluss (Az.: 16 S 5049/17). Das Gericht hielt darin das vorher ergangene Urteil des Amtsgerichts Nürnberg für rechtmäßig.

Im Oktober 2016 hatte die beklagte Großmutter mit ihren damals drei und fünf Jahre alten Enkelkindern eine Reithalle in Nürnberg besucht. Damit auch der Dreijährige die Pferde besser sehen konnte, setzte seine Oma ihn im Zuschauerbereich auf die Holzbande.

Pferdehalterin ist verantwortlich für das Verhalten des Pferdes


Doch als der Enkel mit seinen Füßen gegen die Bande schlug, entstand ein Poltergeräusch. Daraufhin scheute ein am Zügel gehaltenes Pferd und lief plötzlich rückwärts. Die Hand der Pferdehalterin wurde nach hinten gerissen, es kam zu einer Schulterverletzung.

Hierfür verlangte die Pferdehalterin von der Großmutter ein Schmerzensgeld von 3.000 Euro sowie Ersatz des Haushaltsführungsschadens in Höhe von 1.879 Euro. Die Großmutter hätte das Kind nicht auf die Holzbande setzen dürfen.

Doch die Großmutter muss nicht für den Vorfall haften, entschied in erster Instanz das Amtsgericht Nürnberg. Zwar habe das Verhalten der Großmutter ursächlich zu den Verletzungen der Pferdehalterin beigetragen. Maßgeblich sei aber das Verhalten des Pferdes gewesen, für das die Pferdehalterin verantwortlich ist.

Tiergefahr hat sich verwirklicht

Für die beklagte Großmutter sei es nicht vorhersehbar gewesen, dass das Pferd auf das Poltergeräusch so schreckhaft reagieren würde. Die Frau habe sich auch „sozialadäquat“ verhalten, indem sie ihrem Enkel ermöglichen wollte, den Reitern zuzusehen.

Die gegen das Urteil eingelegte Berufung nahm die Pferdehalterin nach dem Hinweisbeschluss des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom 16. Oktober 2017 nun zurück. Die rechtliche Einschätzung des Amtsgerichts, dass sich hier letztlich eine Tiergefahr verwirklicht hatte, sei nicht zu beanstanden, so das Landgericht. Die Großmutter sei vor dem Betreten der Reithalle auch nicht darauf hingewiesen worden, dass man sich geräuscharm verhalten müsse und Pferde selbst bei Alltagsgeräuschen erschrecken können. Für die Großmutter sei der Ablauf daher nicht vorhersehbar gewesen. Eine Haftungspflicht bestehe nicht.

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