Händler dürfen Unsicherheit über Herkunft eines Kunstwerks nicht verbergen

17.05.2018, 08:18 | Recht & Gesetz | Jetzt kommentieren


Händler dürfen Unsicherheit über Herkunft eines Kunstwerks nicht verbergen
Frankfurt/Main (jur). Kunsthändler, die sich über die Echtheit eines Kunstwerks nicht sicher sind, dürfen dies dann auch nicht vorgeben. Andernfalls müssen sie das Werk zurücknehmen, wenn sich später berechtigte Zweifel an der Urheberschaft ergeben, wie das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main in einem am Dienstag, 15. Mai 2018, veröffentlichten Urteil entschied (Az.: 19 U 188/15).

Danach kann ein Kunstliebhaber und -sammler eine Tuschfederzeichnung „Die Schwalbe zu Neckarsteinach“ zurückgeben. Die beklagte Kunsthändlerin hatte sie in ihrem Katalog Carl Philipp Fohr zugeschrieben, einem bedeutenden Landschaftsmaler der deutschen Romantik. „Fälschlich“ sei das Bild zuvor Fohrs weniger bedeutenden Zeitgenossen Friedrich Rottmann zugeschrieben worden, hieß es im Katalog der Händlerin.

Käufer fordert Rückabwicklung des Kaufvertrags

Andere Kunstfreunde, denen der Sammler später seine Erwerbung zeigte, äußerten und begründeten später deutliche Zweifel an Fohrs Urheberschaft. Der verunsicherte Kunstliebhaber forderte daraufhin die Rückabwicklung des Kaufvertrags.

Während das Landgericht Frankfurt am Main seine Klage noch abwies, hatte er nun vor dem OLG Erfolg. Danach war die Zeichnung „mangelhaft“.

Zur Begründung erklärte das OLG, entgegen der Angabe im Katalog könne die Tuschfederzeichnung dem genannten Künstler nicht zugeschrieben werden. Ein vom OLG beauftragter Sachverständiger habe stattdessen überzeugend festgestellt, dass die Zeichnung nicht von Fohr sei, sondern vermutlich „der Schülerschaft von (sehr) jungen Nachwuchskräften bei Friedrich Rottmann entstammt“.

Wegen Arglist muss Kunsthändler Zeichnung zurücknehmen


„Die Echtheit eines Kunstwerks im Sinne seiner Herkunft aus der Hand eines konkreten Künstlers bestimmt maßgeblich die Eignung eines Kunstwerks als Sammlerstück und Wertanlage“, betonte das OLG. Wegen der vermeintlich sicheren Zuschreibung im Katalog müsse sich hier die Händlerin „arglistiges Handeln vorhalten lassen“.

Zwar sei es Kunsthändlern oft kaum möglich, Sicherheit über die Echtheit eines Kunstwerks zu erlangen. Entscheidend sei dann jedoch, dass wer „keine hinlängliche Gewissheit haben kann, eine solche Gewissheit gegenüber seinen Kaufinteressenten auch nicht vorgeben darf“. Das habe hier die Kunsthändlerin aber getan, rügte das OLG in seinem Urteil vom 03.05.2018.

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