„Geisterradfahrer“ haften bei einem Unfall auf dem Radweg

31.08.2017, 09:27 | Recht & Gesetz | Jetzt kommentieren


„Geisterradfahrer“ haften bei einem Unfall auf dem Radweg
Hamm (jur). Fahren Radfahrer auf dem Fahrradweg in der entgegengesetzten Fahrtrichtung, müssen sie bei einem Zusammenstoß mit einem Auto mit haften. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat in einem am Mittwoch, 30. August 2017, bekanntgegebenen Urteil den Mitverschuldensanteil auf ein Drittel festgelegt (Az.: 9 U 173/16). Dass der Radfahrer keinen Schutzhelm getragen hatte, erhöhe den Eigenhaftungsanteil dagegen nicht.

Im konkreten Fall war die klagende Radfahrerin aus Marl im November 2013 auf einem Radweg in die falsche Fahrtrichtung gefahren. Dabei kollidierte sie mit einem aus einer Straße abbiegenden Auto. Die Frau stürzte zunächst auf die Motorhaube des Mercedes und dann mit dem Kopf auf die Straße. Dabei erlitt sei ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Schädel-Basis-Bruch und einen Bruch am Knie.

Von dem Haftpflichtversicherer des Autohalters verlangte sie unter anderem ein Schmerzensgeld in Höhe von 40.000 Euro, eine monatliche Schmerzensgeldrente von 300 Euro sowie rund 16.000 Euro Schadenersatz.

Missachtung der Vorfahrt

In seinem Urteil vom 4. August 2017 stellte das OLG fest, dass der Autofahrer die Vorfahrt der Radfahrerin missachtet hatte. Dieses Vorfahrtsrecht habe die Klägerin nicht verloren, auch wenn sie auf dem Radweg in entgegengesetzter Richtung gefahren sei.

Allerdings habe die Radfahrerin im Zuge ihres verkehrswidrigen Fahrens in entgegengesetzter Richtung nicht darauf vertrauen können, dass andere Verkehrsteilnehmer sie auch rechtzeitig wahrnehmen. Ihr sei daher ein Mitverschulden in Höhe von einem Drittel anzulasten, so das OLG.

Dass die Frau keinen Schutzhelm getragen und deshalb unter Umständen schwerere Verletzungen erlitten hatte, sei nicht zu berücksichtigen. Eine gesetzliche Helmpflicht bestehe nicht. Auch entspreche das Tragen von Fahrradhelmen – zumindest bislang – nicht dem allgemeinen Verkehrsbewusstsein.

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