Entschädigung wegen drei stündiger Flugverspätung

05.07.2018, 08:21 | Recht & Gesetz | Jetzt kommentieren


Entschädigung wegen drei stündiger Flugverspätung
Luxemburg (jur). Mietet eine Fluggesellschaft zur Durchführung eines Fluges ein Flugzeug samt Besatzung von einer anderen Fluglinie, muss sie bei einer Flugverspätung dennoch für Entschädigungszahlungen geradestehen. Entscheidend ist, dass die Fluggesellschaft, die das Flugzeug gemietet hat, die „operationelle Verantwortung“ trägt und auch die Flugroute festgelegt hat, urteilte am Mittwoch, 4. Juli 2018, der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg (Az.: C-532/17).

Nach EU-Recht können Reisende bei Flugverspätungen von der „ausführenden Fluggesellschaft“ eine Entschädigungszahlung erhalten. Diese wird bei kurzfristigen Annullierungen oder Verspätungen von mehr als drei Stunden fällig. Die Entschädigungshöhe hängt von der Flugentfernung ab und beträgt, 250, 400 oder 600 Euro. Kein Anspruch besteht, wenn „außergewöhnliche Umstände“ zu dem Ausfall oder der Verspätung geführt haben, für die die Fluggesellschaft nicht verantwortlich ist.

Thomson Airways lehnt Entschädigung ab


Im jetzt entschiedenen Fall hatten mehrere Reisende über die Fluggesellschaft TUIfly einen Flug von Hamburg nach Cancún in Mexiko gebucht. Für die Durchführung des Fluges hatte TUIfly ein Flugzeug samt Besatzung von der Fluggesellschaft Thomson Airways angemietet. Auf der Buchungsbestätigung fand sich als Flugnummer der Code von TUIfly und der Hinweis, „ausgeführt von Thomson Airways“.

Da der Flug mit mehr als drei Stunden Verspätung ans Ziel ankam, verlangten die Kläger von Thomson Airways eine Entschädigung in Höhe von jeweils 600 Euro. Die Fluglinie lehnte mit der Begründung ab, dass sie gar nicht das verantwortliche „ausführende Flugunternehmen“ war. Die operationelle Verantwortung habe bei TUIfly gelegen.

TUIfly ist verantwortlich für gemietetes Flugzeug

Dem folgte auch der EuGH in seinem Urteil. TUIfly habe das Flugzeug samt Besatzung gemietet (sogenanntes wet lease) und für den Flug inklusive der Festlegung der Flugroute die operationelle Verantwortung getragen. Damit gelte TUIfly als „ausführendes Luftfahrtunternehmen“, welches auch für Entschädigungszahlungen zuständig ist. Insoweit sei es unerheblich, dass Thomson Airways auf der Buchungsbestätigung als ausführende Fluglinie genannt wird.

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