Tickets: Darf man Eintrittskarten weiterverkaufen?

Autor: , verfasst am 16.03.2015, 07:56| 1 Kommentar

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass man sich Tickets für eine weit in der Ferne liegende Veranstaltung kauft und dann irgendwann feststellt, dass man doch nicht hingehen kann. Nun ist es meistens so, dass Eintrittskarten für Sportereignisse, Konzerte und Ähnliches sehr teuer sind, so dass es schade wäre, sie einfach verfallen zu lassen. Wenn aus dem Bekanntenkreis auch niemand Interesse daran hat, die betreffende Veranstaltung zu besuchen, bleibt nur eines: die Karten zu verkaufen. Doch ist das legal? Darf man Eintrittskarten weiterverkaufen?

Ticketverkauf (© traveldia - Fotolia)
Ticketverkauf
(© traveldia - Fotolia)

Auf den Verkäufertyp kommt es an!

Ob der Weiterverkauf von Tickets legal ist oder nicht, hängt in erster Linie davon ab, ob es sich bei dem Verkäufer um einen gewerblichen oder einen privaten handelt. Als privater Verkäufer im Sinne des Gesetzes wird jemand angesehen, der das eine oder andere Mal eine Eintrittskarte verkauft, weil er es aus privaten, beruflichen, gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht schafft, die betreffende Veranstaltung zu besuchen.

Der gewerbliche Verkauf hingegen legt vor, wenn eine Person häufig Tickets kauft und weiterverkauft, große Mengen Eintrittskarten veräußert und dies regelmäßig tut. In derartigen Fällen ist nicht anzunehmen, dass dies aus privaten Gründen geschieht.

Achtung: wenn ein privater Verkäufer dadurch auffällt, dass er sehr oft Tickets gewinnbringend weiterverkauft, gerät er schnell in den gewerblichen Bereich.

Privater Weiterverkauf von Tickets

Grundsätzlich ist es Privatpersonen gestattet, eine nicht benötigte Eintrittskarte im Internet oder direkt am Veranstaltungsort zu verkaufen. Es ist ihm sogar gestattet, dies gewinnbringend zu tun. Dies bedeutet, dass er für seine Eintrittskarte wesentlich mehr Geld verlangen darf, als er eigentlich bezahlt hatte.

Insbesondere Bundesligavereine sehen dieses Procedere nicht gerne. Um es zu unterbinden, haben sie in ihren AGB Klauseln eingebaut, gemäß derer ein Weiterkauf nicht gestattet ist. Wer es dennoch tut, muss mit Vertragsstrafen rechnen, die bis zu 2.500,- € hoch sein können. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Verhängung weiterer Sanktionen wie beispielsweise Stadionverbot. Derartige Klauseln sind jedoch unwirksam, da gemäß der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gegenüber privaten Weiterverkäufen kein generelles Widerverkaufsverbot besteht. Demzufolge sind auch die angedrohten Sanktionen unwirksam [BGH, 11.09.2008, I ZR 74/06].

Gewerblicher Weiterverkauf von Tickets

Nun denkt sich manch einer, er könnte sich eine goldene Nase mit dem Kaufen und gewinnbringenden Weiterverkaufen von Tickets verdienen. Geeignete Plattformen und willige Käufer gibt es wie Sand am Meer, sei es in Online-Auktionsseiten, normalen Internet-Verkaufsplattformen, per Zeitungsanzeige oder direkt vor dem Stadion, der Konzerthalle oder der Rennbahn. Für jene Menschen haben die AGB der Veranstalter, gemäß derer ein Weiterverkauf nicht gestattet ist, Gültigkeit. Es stellt gemäß der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs keine unangemessene Härte dar, wenn dieses Weiterverkaufsverbot umgesetzt werden muss [BGH, 11.09.2008, I ZR 74/06]. Vielmehr wird ein derartiges Vorgehen als ein Schleichbezug angesehen, gegen den ein Veranstalter auch gerichtlich vorgehen kann.

Die gewerblichen Verkäufer argumentieren in solchen Fällen gerne dahingehend, dass sie die Tickets nur deswegen weiterverkaufen, damit sie ihre Verkehrsfähigkeit behalten. Derartige Einwendungen sind sinnlos, da es sich bei einem gewerblichen Weiterverkauf definitiv um einen Verstoß gegen die AGB handelt.

Ein Veranstalter darf einem offensichtlich gewerblichen Verkäufer Karten verweigern. So urteilte das Landgericht Mainz in einem Fall, in dem ein gewerblicher Verkäufer Dauerkarten des Fußballbundesligisten FSV Mainz 05 erwerben und sie anschließend auf eBay weiterverkaufen wollte [LG Mainz, 20.06.2007, 3 S 220/06].

Wie ist die Rechtslage bei personalisierten Tickets?

Rechtlich werden personalisierte Tickets – also Eintrittskarten, die auf den Namen einer bestimmten Person ausgestellt sind – anders eingestuft als normale Tickets: die normalen Eintrittskarten gelten als kleines Inhaberpapier. Dies bedeutet, dass jeder, der solch eine Karte vorweisen kann, die Veranstaltung besuchen darf. Die personalisierte Eintrittskarte hingegen ist ein qualifiziertes Legitimationspapier. Nur derjenige, dessen Name auf dieser Karte steht, ist zum Besuch der betreffenden Veranstaltung berechtigt.

Einem Dritten darf der Veranstalter den Zutritt zu der Veranstaltung verweigern. Schon aus diesem Grund ist es nicht besonders sinnvoll, eine derartige Karte weiterzuverkaufen – egal, ob privat oder gewerblich. Es ist allerdings möglich, das Ticket auf eine andere Person umzuschreiben. Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese Umschreibung immer nur vom Veranstalter selbst durchgeführt werden darf und somit sein Einverständnis benötigt.

Fazit: Man darf Eintrittskarten weiterverkaufen, solange man ein privater Verkäufer ist. Sobald man aber in den gewerblichen Bereich fällt, ist ein Weiterverkauf von Tickets gemäß einem Urteil des Bundesgerichtshofs nicht gestattet.

Schlagwörter: Eintrittskarten, Verkaufen Eintrittskarten, privater Weiterverkauf


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

mickjagger1  (21.06.2017 15:47 Uhr):
Wie sieht es denn bei personalisierten Tickets aus, auf denen der Name selbst einzutragen ist ? In den Bedingungen für die Rolling Stones Tour heißt es: "Ich akzeptiere hiermit die nachfolgenden spezifischen Bedingungen des Veranstalters: Die Karte/ n ist / sind personalisiert. Der Name des Zugangsberechtigten ist in die auf der Karte befindliche Leerzeile einzutragen. Die Zugangsberechtigung wird nicht erworben, wenn ein gewerblicher Vermittler oder Vertreter eingeschaltet wird. Auf einen Dritten ist die Zugangsberechtigung nur übertragbar, wenn der Dritte keinen höheren Preis als den auf der Karte ausgewiesenen Preis zahlt. Zulässig ist maximal ein Nebenkosten-Aufschlag i.H.v. 25% z. B. für Porto- und Vermittlungskosten. " Wer ist "Dritte", wenn ich als Käufer meinen Namen noch nicht eingetragen habe und die Karte verkaufen möchte ?





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