Kündigung vom Fitnessstudio/Fitnessvertrag wegen Krankheit?

Autor: , verfasst am 15.01.2015, 07:54| 2 Kommentare

Schließt ein Sportbegeisterter einen Vertrag mit einem Fitnessstudio ab, so ist er an diesen für die Dauer der Laufzeit gebunden. Hat er keine Lust mehr, sich sportlich zu betätigen, oder schafft er dies aus zeitlichen Gründen nicht, so werden ihm derartige Gründe kaum helfen, den Fitnessvertrag vorzeitig zu kündigen. Es müssen schon triftige Gründe vorliegen, welche eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. Ein Wohnortwechsel wird beispielsweise als ein solcher angesehen. Doch wie sieht es mit Krankheiten aus?  Gerechtfertigen sie eine Kündigung vom Fitnessstudio?

Fitness (© Kzenon - Fotolia.com)
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Grundsätzlich ist es möglich, einen Fitnessvertrag aus gesundheitlichen Gründen fristlos zu kündigen [BGH, 08.02.2012, XII ZR 42/10]. Hierfür ist es allerdings notwendig, im Fitnessstudio ein ärztliches Attest vorzuweisen, aus dem hervorgeht, warum die betreffende Person keinen Sport mehr treiben darf. Derartige Angaben haben in einer konkreten Form zu erfolgen: es ist gemäß der Rechtsprechung vieler Gerichte absolut notwendig, genauestes mitzuteilen, welcher Art die körperlichen Einschränkungen sind; der Betreiber des Fitnessstudios muss in der Lage sein, diese Erkrankungen anhand des Attestes zu erkennen. Unzureichende oder schwammige Formulierungen wie beispielsweise „dem Patienten XY ist es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, sich weiterhin sportlich zu betätigen“ werden nicht als ein außerordentlicher Kündigungsgrund anerkannt. Wer also eine Erkrankung hat, aufgrund derer es nicht möglich ist, ins Fitnessstudio zu gehen, der sollte seinen Arzt bitten, in dem Attest ganz konkrete Formulierungen zu verwenden. Aus diesen muss ersichtlich sein, dass es für den Patienten unzumutbar ist, seine vertraglichen Pflichten zu erfüllen [AG Lichtenberg, 28.09.2006, 12 C 215/06].

Psychische Erkrankungen, wie beispielsweise Klaustrophobie oder chronische Depressionen, begründen grundsätzlich ein Sonderkündigungsrecht [AG Freiburg, 20.05.2009, 55 C 3255/08].

Nun gibt es aber auch Fälle, in denen das Fitnessstudiomitglied bereits bei Vertragsschluss bekanntermaßen an einer Krankheit gelitten hat, welche sich im Laufe der Zeit verschlimmert hat. Solch eine Verschlimmerung ist kein Grund für eine außerordentliche fristlose Kündigung, selbst dann nicht, wenn der Betreffende komplett sportunfähig ist. So urteilte das Amtsgericht Hamburg in einem Fall, bei dem das Mitglied bereits unter Rückenschmerzen gelitten hatte, als es den Fitnessvertrag unterzeichnete. Dass diese sich verschlimmerten, „läge im Risikobereich des Kunden“ – ein außerordentlicher Kündigungsgrund ist somit nicht gegeben [AG Hamburg, 05.02.1998, 20 b 367/97].

Auch Krankheiten, welche sportliche Betätigung nicht grundsätzlich ausschließen, werden nicht als außerordentlicher Kündigungsgrund des Fitnessvertrags anerkannt. Dies ist beispielsweise bei Meniskusschäden der Fall: da selbst Profisportler mit derartigen Beschwerden Sport treiben, weisen die Gerichte regelmäßig Klagen Meniskuskranker Fitnessstudiomitglieder zurück, welche ein Sonderkündigungsrecht erstreiten wollen. Es sei erwiesen, dass sportliche Betätigung in derartigen Krankheitsfällen nicht nur nicht schade, sondern den Betroffenen sogar helfe. Bandscheibenvorfälle hingegen sind durch sportliche Betätigung weder reparabel noch zu verbessern: erleidet ein Fitnessstudiomitglied einen Bandscheibenvorfall, so berechtigt ihn diese Erkrankung zu einer außerordentlichen Kündigung seines Vertrags [AG Rastatt, 25.04.2002, 1 C 398/01].

In Fällen, in denen ein Mitglied eines Fitnessstudios nur vorübergehend nicht in der Lage ist, Sport zu treiben – beispielsweise nach einer OP - , muss das Studio keine Kündigung akzeptieren. Möchte es dies aus Kulanzgründen tun, so steht ihm dies frei; eine gesetzliche diesbezügliche Regelung existiert jedoch nicht. In der Regel wird das Fitnessstudio gemeinsam mit seinem erkrankten Nutzer eine gemeinsame Lösung finden. Diese kann beispielsweise in Form einer vorübergehenden Befreiung von der Zahlung der Mitgliedsbeiträge für die Dauer der Sportunfähigkeit erfolgen. Hierfür ist es ebenfalls notwendig, ein ärztliches Attest für diese Dauer vorzulegen. Wichtig bei dieser Vereinbarung ist es, bei etwaiger Verlängerung der zunächst angenommenen Sportunfähigkeit ein erneutes ärztliches Attest im Fitnessstudio vorzulegen. Zu beachten ist, dass das Fitnessstudiomitglied aber keinerlei Ansprüche auf derlei Vereinbarungen hat; weigert sich das betreffende Fitnesscenter, den Fitnessvertrag für die Dauer der Krankheit ruhen zu lassen, so hat der Nutzer dies zu akzeptieren.

Schlagwörter: Kündigung Fitnessvertrag, Kündigung Fitnessstudio, Fitnessvertrag wegen Krankheit


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (2)

lotus  (22.04.2015 11:20 Uhr):
Hallo, ich habe Depressionen und deshalb vor einem halben Jahr meinen Vertrag mit dem Fitnesstudio über ein Attest von meiner Neurologin gekündigt. Dann bin ich fuer 6 Monate nach Indien gereist in der Hoffnung mich dort erholen zu können. Ich bin sehr unorganisiert durch die Krankheit, das meiste bleibt bei mir liegen. Ich habe nun nach meiner Rückkehr erleben muessen dass das Studio die Kündigung nicht anerkannt hat. Es stand darin nicht dass ich an Depressionen leide. Ich möchte nicht dass es öffentlich wird dass ich diese Krankheit habe. Kann ich nach 6 Monaten meine Gebühr der letzten 6 Monate noch zurückfordern? Was muss ich tun? Das Attest war von Neurologen. Danke fuer jede Hilfe!!!!
13  (15.01.2015 14:00 Uhr):
Wohnortwechsel ist kein Grund für eine außerordentliche Kündigung mehr nach der aktuellen Rechtsprechung.





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