Kündigung des Fitnessvertrages bei einem Umzug

Autor: , verfasst am 22.09.2014, 07:59| Jetzt kommentieren

Viele Personen schließen gerade im Winter einen Vertrag mit einem Fitness- oder Sportstudio ab, um sich körperlich fit zu halten. Oft sind in solchen Verträgen Klauseln zu finden, die einen Umzug als Kündigungsgrund ausschließen. Doch sind diese Klauseln wirksam? Wie ist es bei einem Umzug des Fitnessstudios?

Fitness (© Kzenon-Fotolia.com)
Fitness
(© Kzenon-Fotolia.com)

Es gibt keine gesetzliche Regelung für eine Kündigung des Fitnessvertrages bei einem Umzug. Ein Umzug in eine andere Stadt oder einen weiter entfernt gelegenen Ortsteil, kann allerdings ein Kündigungsgrund für eine außerordentliche Kündigung sein. Dies ist dann gegeben, wenn durch den Umzug keine Möglichkeit der Nutzung des Fitnessstudios mehr besteht. Dann darf das Festhalten am Vertrag dem Kunden nicht zugemutet werden.

Vertrag mit einer Fitnesskette

Wenn es sich jedoch um einen Vertrag mit einer Fitnesskette handelt, die auch am neuen Wohnort ein Fitnessstudio betreibt, kann der Anbieter auf dieses Fitnessstudio verweisen. In diesen Fällen besteht kein Sonderkündigungsrecht. Falls durch den Umzug die Möglichkeit der Nutzung allerdings noch möglich ist, aber nur durch einen besonders langen und zeitaufwendigen Anfahrtsweg, kann ein Sonderkündigungsrecht für den Vertrag durchaus bestehen. Dabei ist jedoch der individuelle Einzelfall zu berücksichtigen. Die Interessen beider Parteien müssen gegeneinander abgewägt werden. Meistens sind die größeren Fitnessstudios und Fitnessketten in diesen Fällen kulant und kundenfreundlich und akzeptieren die außerordentliche Kündigung. Ein Grund hierfür ist, dass die Firmen gerade im Kampf um neue Kunden keine negative Werbung haben wollen, die Ihnen einen schlechten Ruf vermittelt.

Umzug des Studios

Zieht das Fitnessstudio selbst um, besteht selbstverständlich ein sofortiges außerordentliches Kündigungsrecht, wenn der Vertrag aufgrund der örtlichen Lage abgeschlossen wurde. Wenn es sich jedoch um eine Fitnesskette handelt, kann der Anbieter auch hier wieder auf ein anderes Studio in der Nähe verweisen. Ein Versuch ist es in jedem Fall wert, da auch hier die meisten großen Studios und Ketten kulant reagieren.

Kündigungsfrist

Der Vertrag mit einem Fitnessstudio kann sogar fristlos gekündigt werden. Bei einem Umzug in eine andere Stadt (OLG Hamm Az.: 17 U 109/91) und auch bei einem Umzug des Fitnessstudios selbst (AG München Az.: AZ 212 C 15699/08), ist dies nach Rechtsprechung möglich.

Ausschlussklauseln in AGB

Kündigungsausschließende Klauseln in den AGB eines Fitnessvertrages sind dann unwirksam, wenn sie den Kunden unangemessen benachteiligen. Dies ist dann der Fall, wenn die Nutzung des Fitnessstudios durch die räumliche Entfernung unzumutbar und nicht mehr möglich ist. Dabei ist eine Entfernung von mindestens 50 km keine Voraussetzung für ein Sonderkündigungsrecht. AGB Klauseln die dies voraussetzen sind ebenfalls unwirksam (LG Düsseldorf Az.: 12 O 190/90). Auch Klauseln, die ein Sonderkündigungsrecht bei einem Umzug des Fitnessstudios selbst ausschließen sind unwirksam (OLG Hamm Az.: 17 U 109/91).

Fazit

Damit ist festzuhalten, dass man den Vertrag mit einem Fitnessstudio bei einem Umzug und auch bei einem Umzug des Studios selbst außerordentlich und sogar fristlos kündigen kann.

Schlagwörter: Fitnessvertrag, Kündigung, Umzug, Fitnessstudio, Fitnesskette


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