Kontoauszüge prüfen: Müssen Bank-Auszüge regelmäßig geprüft werden?

Autor: , verfasst am 09.05.2016, 08:48| Jetzt kommentieren

Wenn Kunden nicht häufig genug die Kontoauszüge ihrer Bank oder Sparkasse überprüfen, kann das ärgerliche Folgen haben. Welche das sind, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Prüfung der Kontoauszüge (© Patrizier-Design / fotolia.com)
Prüfung der Kontoauszüge
(© Patrizier-Design / fotolia.com)

Aufpassen bei Gutschriften auf dem Konto

Kunden sollten Kontoauszügen ihrer Bank oder Sparkasse nicht blind vertrauen. Dies gilt auch, wenn sie seit vielen Jahren keinen Ärger gehabt haben. Denn es kommt immer mal wieder vor, dass sich hier ein Fehler einschleicht. Dies kann einmal dadurch geschehen, dass aus Versehen eine Gutschrift auf Ihr Konto gebucht wird, die Ihnen nicht zusteht. Dies kann beispielsweise dadurch passieren, dass einer Ihrer Auftraggeber irrtümlich ein zu hohes Honorar überweist oder der Überweisende einen Zahlendreher bei dem Ausfüllen der Überweisung macht und das Geld daher auf dem falschen Konto gutgeschrieben wird. Oder Ihrer Bank unterläuft ein Buchungsfehler. Hier brauchen Sie zwar nicht selbst aktiv werden, müssen aber unter Umständen das Geld bei einer Rückforderung zurückzahlen.

Auf Einwendungsausschluss nach Rechnungsabschluss achten

Darüber hinaus sollten Sie unbedingt darauf achten, ob Ihre Bank auf dem Konto unzutreffende Buchungen zu Ihren Lasten vorgenommen hat. In dieser Situation ist von großer Bedeutung, dass Kunden Einwendungen gewöhnlich innerhalb von sechs Wochen nach Rechnungsabschluss gegenüber ihrer Bank vorbringen müssen. Ansonsten müssen sie damit rechnen, dass die Geltendmachung der Einwendungen nach den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ausgeschlossen ist. Denn nach Ablauf dieser Frist sehen diese in der Regel vor, dass der Rechnungsabschluss als genehmigt gilt. Normalerweise erstellen die Banken oder auch Sparkassen den Rechnungsabschluss zum Ende des jeweiligen Quartals.

Kontoauszüge prüfen auf unzutreffende Lastschriften

Besonders sollten Kunden bei der Durchsicht ihrer Kontoauszüge darauf achten, ob diese unzutreffende Lastschriften enthalten. Beispielsweise kann es vorkommen, dass ein Unternehmen dem sie eine SEPA Lastschrift erteilt haben, aus Versehen einen Beitrag doppelt abbucht. Oder aber die Buchung wurde schlimmstenfalls durch Betrüger veranlasst, der sie gar keinen Lastschriftenauftrag erteilt haben.

In dieser Situation müssen Kunden so schnell wie möglich tätig werden. Denn sie können normalerweise nur innerhalb von 8 Wochen nach der Belastung des Kontos gegenüber Ihrem Kreditinstitut die Erstattung dieses Betrages fordern. Dies ergibt sich aus der Vorschrift von § 675 X Abs. 3 BGB.

Der Gesetzgeber ist hier nur dann großzügiger, wenn Kunden gar keine Ermächtigung zur Lastschrift erteilt haben. Hier haben sie 13 Monate ab dem Tag der Belastung ihres Kontos Zeit, um den Erstattungsanspruch geltend zu machen. Dies ergibt sich aus § 676b Abs. 2 BGB.

Trotzdem sollte die Prüfung der Kontoauszüge häufiger erfolgen. Denn in bestehenden Geschäftsbeziehungen - beispielsweise mit dem Vermieter oder dem Stromanbieter - muss häufig erst mal abgeklärt werden, inwieweit die vorgenommene Buchung berechtigt gewesen ist. Wenn Kunden hier vorschnell von ihrer Bank eine Erstattung verlangen, ist das für den Gläubiger der Lastschrift ärgerlich. Denn die Banken oder Sparkassen verlangen hier oft von ihm eine Rücklastschriftgebühr. Darüber hinaus geht eine Rücklastschriftgebühr für den Gläubiger mit einem erheblichen Zeitaufwand einher. Kunden müssen in dieser Situation damit rechnen, dass der jeweilige Gläubiger an sie herantritt und Ersatz der ihm dadurch entstandenen Kosten verlangt.

Wenn Kunden diese Fristen versäumt haben, ist das für sie ein erheblicher Nachteil. Denn ihre Bank muss hier gewöhnlich keine Erstattung des abgebuchten Betrages vornehmen. Hier verbleibt normalerweise nur noch die Möglichkeit, dass sie sich mit dem Empfänger der unrechtmäßig erhaltenen Zahlung in Verbindung setzen. Gegen diesen besteht dann einen Anspruch auf Rückzahlung, bis die jeweilige Forderung verjährt ist. Dies ist meistens nach drei Jahren der Fall. Hier besteht allerdings das Problem darin, dass die Durchsetzung dieses Anspruchs oft schwierig ist. Dies gilt vor allem gegenüber Betrügern, die etwa mit Scheinfirmen im Ausland fungieren. Schließlich können sich Zahlungsempfänger die nicht bösgläubig sind eventuell auf den Wegfall der Bereicherung berufen.

Kontoauszüge auf Fehlüberweisungen kontrollieren

Ärgerlich ist für Kunden auch, wenn sie aus Versehen eine Fehlüberweisung gemacht haben. Hier müssen sie normalerweise an den Inhaber dieses Kontos herantreten und die Rückzahlung verlangen. Am besten setzen Sie sich mit ihrer Bank in Verbindung und lassen sich die Daten der Überweisung mitteilen. Dann müssen Sie sich mit der Empfängerbank in Verbindung setzen, um den Kontoinhaber herauszufinden.

Fazit

Auch wenn Kunden gerade auch bei Fehlern im Lastschriftverfahren schon etwas Zeit haben, so sollten Sie ihre Kontoauszüge möglichst häufig kontrollieren. Am besten empfiehlt sich ein Zeitraum von zwei Wochen oder mindestens einmal im Monat.

Darüber sollten Sie Ihre Kontoauszüge sorgfältig aufbewahren. Zwar sind hierzu Privatleute generell nicht verpflichtet. Es macht aber dann Sinn, wenn Gläubiger behaupten, dass Sie eine Rechnung angeblich nicht bezahlt haben. Dann können Sie nachweisen, dass Sie die jeweilige Zahlung getätigt haben. Die Verjährungsfrist für alltägliche Ansprüche beträgt gewöhnlich drei Jahre.

Wichtig ist schließlich, dass Sie Ihren Vertragspartnern keine Abbuchungsermächtigung erteilen. Denn hier besteht kein Erstattungsanspruch gegenüber Ihrer Bank wie bei einer herkömmlichen Einzugsermächtigung. Allerdings dürfen Firmen mittlerweile dieses Verfahren nicht mehr durchführen, wenn es sich bei dem Geschäftspartner um einen Verbraucher handelt.

Autor: Harald Büring (Juraforum.de)


Nachrichten zum Thema
  • BildWeinkellerei ist keine Bank (21.03.2013, 10:12)
    BGH: Nach Pleite haften Geschäftsführer für „Einlagen“ der Winzer Karlsruhe (jur). Eine Weinkellerei oder andere Agrarbetriebe dürfen keine Bankgeschäfte mit den Geldern ihrer Lieferanten machen. Tun sie es doch, haften im Fall einer Pleite die...
  • BildKontopfändung führt zur Offenlegung der Kontoauszüge (21.03.2012, 15:02)
    Karlsruhe (jur). Schuldner müssen ihren Gläubigern sämtliche Kontoauszüge offenlegen. Vollstreckungsgerichte, die über eine Kontopfändung befinden, müssen dies entsprechend in ihre Entscheidung aufnehmen, heißt es in einem am Dienstag, 20. März...
  • BildBank & Zukunft 2012 (16.12.2011, 10:10)
    Die erfolgreiche Trendstudienreihe »Bank & Zukunft« des Fraunhofer IAO geht in die nächste Erhebungsrunde. Bis 17. Februar 2012 sind Bankmanager aus ganz Europa dazu aufgerufen, an der Trendumfrage 2012 teilzunehmen. Im Fokus stehen die Bereiche...
  • BildTrendstudie »Bank & Zukunft 2011« (21.07.2011, 11:10)
    Enge Kundenbeziehungen durch neue Wege zum Kunden erschließenDie neueste Auflage der erfolgreichen Studienreihe »Bank & Zukunft« zeigt neue Lösungsansätze für das Kundenmanagement von Banken auf. Im Mittelpunkt stehen dabei die Neugestaltung von...
  • BildTrendstudie "Bank & Zukunft 2008" (07.07.2008, 14:00)
    "Die Banken erwarten für die Zukunft drastische Veränderungen, auf die sich derzeit allerdings nur jede vierte bereits vorbereitet sieht", so eine Kernaussage der aktuellen Trendstudie des Fraunhofer IAO. Eine kostenlose Zusammenfassung der...
  • BildTrendumfrage "Bank & Zukunft 2006" (03.11.2005, 15:00)
    Wie könnten Banken in der Zukunft aussehen? High-Tech-Gebäude mit viel Technik, wo der Kunde alles am Computer erledigen kann? Gemütliche Café-Atmosphäre, wo man Leute trifft und nebenher auch noch seine Bankgeschäfte erledigt? Oder sehr...

Kommentar schreiben

71 + F,ünf =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)





Weitere Zivilrecht-Ratgeber


Anwalt für Zivilrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.