Grillen im Freien – was ist erlaubt?

Autor: , verfasst am 02.06.2014, 09:40| Jetzt kommentieren

Der Sommer rückt in großen Schritten näher und verspricht mehr Tage im Grünen. An sonnigen Tagen wird gerne der Grill angemacht – was unbewusst gleich mehrere rechtliche Bereiche berührt. Neben Nachbarrecht, Immissionsschutzrecht und vielen anderen ist so z.B. auch das Strafrecht betroffen.

Grillen (© LianeM-Fotolia.com)
Grillen
(© LianeM-Fotolia.com)

Wie sieht es rechtlich mit dem Grillen innerhalb und außerhalb des eigenen Gartens aus?

Grillen im Wald

In der Regel ist das Zünden eines Feuers im Wald gesetzlich verboten. Doch wie bei jeder Regel gibt es auch hier einige Ausnahmen, welche sich in dem jeweiligen Landeswaldgesetz finden lassen. So ist beispielsweise nach § 47 des Landesforstgesetzes Nordrhein-Westfalen eine Genehmigung der Forstbehörde möglich. Sollte diese nicht vorliegen, muss mindestens 100 Meter Abstand von den angrenzenden Bäumen eines Waldes gehalten werden, wenn man grillen möchte. Dies soll dem mit einem offenen Feuer einhergehenden Funkenflug, der gerade in regenlosen Tagen einen Großbrand auslösen kann, vorbeugen. Wer trotz dieser Verbote einen Brand auslöst, den erwarten erhebliche Geldbußen und möglicherweise sogar eine Freiheitsstrafe.

Grillen im Park

Auch hierfür gibt es von Stadt zu Stadt unterschiedliche Regelungen. Hier sollte, um ganz sicher gehen zu können, in die jeweilige Verordnung der Stadt geschaut werden. Im Falle eines Grillverbots können Verstöße mehrere hundert Euro teuer werden.

Grillen zu Hause

Grundsätzlich darf jeder in seinen eigenen vier Wänden tun und lassen was er will. Dies unterliegt jedoch, ähnlich wie die Nachtruhe von 22:00 bis 06:00 Uhr, einigen Einschränkungen. Denn Grillen ist nur insoweit zulässig, als dass es z.B. keine anderen Mieter des Hauses beeinträchtigt (AG Wedding 10 C 476/89). Somit lässt sich eine allgemein Aussage nicht treffen. In einigen Fällen haben sich jedoch die Gerichte bereits mit dem Grillen auseinander gesetzt. Geht es nach dem Oberlandesgericht in Oldenburg, müssen Nachbarn den Rauch von Grillkohle und -fleisch mindestens viermal im Jahr über sich ergehen lassen (Az.: 13 U 53/02). Nach Ansicht des LG München ist Grillen sogar 16-mal innerhalb von vier Monaten noch in Ordnung. Nach einem Urteil des LG Stuttgart (Az.: 10 T 359/96) darf dreimal im Jahr bzw. sechs Stunden im Jahr auf der Terrasse gegrillt werden, denn beim Grillen handele es sich um eine „multikulturelle Freizeitgesellschaft, die von einer zunehmenden Rückbesinnung auf die Natur geprägt ist“.

Für Grillen auf dem Balkon in einem Mehrfamilienhaus kann wiederum anderes gelten. Hier darf die Eigentümergemeinschaft per Hausordnung das Grillen ganz untersagen. Ein solches Verbot findet sich teilweise auch direkt im Mietvertrag.

Das Grillen darf zudem wegen den Regelungen des Immissionsschutzgesetzes keine erheblichen Rauchschwaden hervorbringen, die konzentriert in die Wohnräume der Nachbarn ziehen könnten.

Schlagwörter: Grillen, Grillen im Wald, Grillen in der Wohnung, Grillen im Park

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