Gibt es ein Sonderkündigungsrecht beim Fitnessstudiovertrag wegen Schwangerschaft?

Autor: , verfasst am 27.02.2015, 07:35| Jetzt kommentieren

Ein Fitnessstudiovertrag ist meistens mit einer bestimmten Laufzeit versehen. Diese verpflichtet das Mitglied, für eine vertraglich vereinbarte Dauer in dem betreffenden Sportstudio zu verbleiben, und zwar ungeachtet dessen, ob und wie oft er es besucht. Nun gibt es allerdings Ausnahmen, welche eine vorzeitige Kündigung dieser Mitgliedschaft gestattet, beispielsweise der Umzug in eine weit entfernte Stadt. Doch wie ist es, wenn ein Sportbegeistere schwanger wird? Gibt es ein Sonderkündigungsrecht beim Fitnessstudiovertrag wegen Schwangerschaft?

Fitnessstudio  (© Kzenon-Fotolia.com)
Fitnessstudio
(© Kzenon-Fotolia.com)

Fitnessstudiovertrag außerordentlich kündigen: wichtiger Grund muss vorhanden sein

Für eine vorzeitige Kündigung des Fitnessstudiovertrages bedarf es eines wichtigen Grundes im Sinne von § 626 Abs.1 BGB: „Das Dienstverhältnis kann von jedem Vertragsteil aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn Tatsachen vorliegen, auf Grund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet werden kann.“

Berechtigt eine Schwangerschaft zur außerordentlichen Kündigung eines Fitnessstudiovertrages?

Doch ist eine Schwangerschaft ein derart wichtiger Grund, welcher ein Sonderkündigungsrecht bewirkt? Allgemein besteht die Annahme, dass auch während einer Schwangerschaft nichts gegen sportliche Betätigung einzuwenden wäre. Dennoch kann eine Schwangerschaft als ein außerordentlicher Kündigungsgrund vom Fitnessstudiovertrag angesehen werden [AG München, 09.06.2014, 251 C 26718/09]. Eine ärztliche Bestätigung der Schwangerschaft sollte sie allerdings dem Studiobetreiber vorlegen. Dennoch ist er nicht verpflichtet, die Kündigung anzunehmen. Vielmehr kann er die beitragsfreie Aussetzung des Vertrages für die Dauer der Schwangerschaft verlangen – oder sogar eine Erfüllung des Vertrages. Dies ist in jenen Fällen möglich, in denen bei Vertragsschluss die Möglichkeit bestanden hat, eine kürzere Laufzeit oder eine Aussetzung zu vereinbaren. Machte die Kundin von diesen Optionen keinen Gebrauch, so kann sie ihre Schwangerschaft nicht als einen wichtigen Kündigungsgrund angeben [AG Hannover, 28.05.2009, 568 C 15608/08]; [AG Tettnang, 06.06.1986, 3 C 393/86]. Zu beachten ist, dass ein Aussetzen des Vertrages für die Dauer der Schwangerschaft nicht zu einer Verlängerung der Laufzeit führt [AG Itzehoe, 26.11.1999, 56 C 1402/99].

Kündigung Fitnessstudiovertrag: Sonderkündigungsrecht?

Doch manchmal ist es überhaupt nicht nötig, es auf einen Rechtstreit ankommen zu lassen: einige Fitnessstudios haben bereits in ihren Verträgen eine Klausel, gemäß derer ein Sonderkündigungsrecht bei Schwangerschaft besteht. Ist dies der Fall, so kann die betreffende Sportlerin in der Regel mit Ablauf des Monats, in dem ihre Schwangerschaft bekannt geworden ist, ihren Vertrag außerordentlich kündigen. Doch auch hierbei kann der Studiobetreiber die Vorlage eines ärztlichen Attests verlangen.

Kein Sonderkündigungsrecht: auf Kulanz des Fitnessstudios hoffen

Ist kein Sonderkündigungsrecht für werdende Mütter vorgesehen, so kann die Betroffene nur auf die Kulanz des Fitnesscenters hoffen. Einige Betreiber sind entgegenkommend genug, um dem Wunsch nach einer außerordentlichen Kündigung zu entsprechen. Tun sie es jedoch nicht, müssen die werdenden Mütter so lange Mitglied im betreffenden Studio bleiben, bis sie ihren Vertrag fristgerecht kündigen können.

Fazit: Eine generelle gesetzliche Regelung bezüglich einem Sonderkündigungsrecht aufgrund einer Schwangerschaft besteht nicht; einige Fitnessverträge sehen aber ein solches vor. In der Regel wird aber eine Aussetzung des Vertrages während der Schwangerschaft angeboten. Wer dennoch nicht mehr Mitglied in dem Fitnessstudio sein möchte, kann nur versuchen, auf Kulanz des Betreibers zu hoffen. Ansonsten stehen die Chancen sehr schlecht, den bestehenden Vertrag vorzeitig kündigen zu können.

Schlagwörter: Fitnessstudiovertrag, Kündigungm Schwangerschaft


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