Fundkatze: Darf man eine zugelaufene Katze behalten?

Autor: , verfasst am 09.01.2015, 07:02| 8 Kommentare

Es klingt wie der wahrgewordene Traum für all diejenigen, die sich zwar schon immer ein Haustier gewünscht haben, aber wegen den damit verbundenen Kosten oder anderen Umständen bisher davon abgesehen haben. Gemeint ist die zugelaufene Katze (oder auch der zugelaufene Hund), die sich darüber hinaus auch als wohl erzogen erweist. Wenn die Katze bzw. der Kater frei herumläuft, fast schon herrenlos erscheint und auch nicht mehr vom neuen Besitzer weg möchte, kann man auf die Idee kommen, dass niemand das Tier vermissen wird und sich der Wunsch nach einem eigenen Haustier nun von selbst erfüllt. Darf man zugelaufene Tiere aber einfach so behalten?

Katze (© Peter Maszlen – Fotolia.com)
Katze
(© Peter Maszlen – Fotolia.com)

Die Rechtslage

Wer ein zugelaufenes Tier findet, wird zum Finder im Sinne des § 965 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Der Finder steht in der Anzeigepflicht, d.h. er muss dem Verlierer oder dem Eigentümer – oder bei Nichtkenntnis ihrer Person, der zuständigen Behörde (also den Ordnungsbehörden) – unverzüglich seinen Fund melden. Macht er dies nicht, macht er sich wegen Diebstahls nach

§ 242 des Strafgesetzbuches (StGB) strafbar, denn das vermeintlich herrenlose Tier ist rechtlich eben nicht herrenlos (d.h. ohne Eigentümer), sondern wie sich aus § 965 BGB ergibt, weiterhin Hab und Gut des ursprünglichen Halters des Tieres.

Der Finder ist darüber hinaus nach § 966 I BGB verpflichtet das Tier solange zu verwahren, bis sich der rechtmäßige Eigentümer meldet und das Tier abholt. Verwahrung meint in diesem Sinne eine tiergerechte Haltung, insbesondere das Füttern des Tieres. Allerdings darf der Finder das Tier der zuständigen Behörde gem. § 967 BGB übergeben, wenn er sich nicht um das Tier kümmern möchte. Wenn die Ordnungsbehörde eine solche Übergabe jedoch verlangt, ist der Finder hierzu sogar verpflichtet.

Der Finder kann allerdings nach § 973 I BGB Eigentümer des Tieres werden, wenn sich der ursprüngliche Eigentümer nicht bis zum Ablauf einer sechsmonatigen Frist ab Anzeige des Fundes bei der zuständigen Stelle gemeldet hat. Ein solcher Eigentumserwerb ist allerdings dann ausgeschlossen, wenn der Finder Kenntnis vom rechtmäßigen Eigentümer erhält.

Wie verhalte ich mich, wenn ich eine vermeintlich herrenlose Katze gefunden habe?

  • Ist Ihnen eine Katze zugelaufen, finden Sie zunächst heraus, ob die Katze nur vorübergehend bei Ihnen zu Besuch ist, gegebenenfalls nur Hunger hat oder ähnliches. Sollte dies der Fall sein, so halten Sie die Katze auf keinen Fall fest, sondern lassen Sie sie dann wieder in die Freiheit zurück. Anderenfalls riskieren Sie eine Strafbarkeit wegen Diebstahls nach § 242 StGB (s.o.).
  • Sollte die Katze von sich selbst aus bei Ihnen bleiben, überprüfen Sie ob die Katze ein Halsband mit Adresse trägt oder ob an ihren Ohren ein Code tätowiert ist. Werden Katzen nämlich kastriert, bekommen sie entweder eine solche Tätowierung oder einen Chip ins Ohr.
  • Fragen Sie in Ihrem Wohngebiet nach, ob jemandem seine Katze entlaufen ist.
  • Kontaktieren Sie verschiedene Tierschutzorganisationen oder das Tierheim und fragen Sie nach, ob die Katze dort registriert oder zumindest als vermisst gemeldet wurde.
  • Sollten die vorangegangenen Versuche ohne Erfolg geblieben sein, machen Sie eine Anzeige bei der entsprechenden Behörde.
  • Gehen Sie zum Tierarzt, um die Katze gründlich durchchecken zu lassen, da nicht ausgeschlossen ist, dass sie Träger von Krankheiten ist.
  • Verteilen Sie Flyer oder suchen Sie online nach dem rechtmäßigen Eigentümer, bspw. auf Facebook. Beachten Sie dabei bitte, dass Sie den im Ohr tätowierten Code unter keinen Umständen mit angeben. Bedauerlicherweise gibt es Menschen, die sich als rechtmäßige Eigentümer ausgeben, obwohl sie es nicht sind. Die rechtmäßigen Halter hingegen werden den Code kennen und können somit ihre Eigentümerschaft beweisen.

 

Darf ich Aufwendungen vom Eigentümer zurückverlangen?

Sollte die Katze länger im eigenen Besitz sein, so ist – wie bereits dargelegt – ein Besuch beim Tierarzt unausweichlich. Daneben werden für eine tiergerechte Haltung zumindest Katzenfutter, ein Katzenklo und das ein oder andere Spielzeug gebraucht. Die Kosten für solche – erforderlichen – Aufwendungen dürfen nach § 970 BGB vom Eigentümer zurückverlangt werden.

 

Quelle: Juraforum.de (sk)

Schlagwörter: zugelaufene Katze, Haustier, Hund, Finder, Verlierer


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (8)

Freddy  (03.08.2017 12:24 Uhr):
Uns sind zwei junge Frettchen zugelaufen. Das Tierheim ist informiert. Frettchen soll man unbedingt kastireren lassen, da sie sonst schnell in eine Dauerranz kommen können, die sehr gesundheitsschädlich ist. Wenn wir die Frettchen nun kastrieren lassen würden, und der Besitzer würde sich doch noch melden (wobei wir damit nicht wirklich rechnen), könnten wir dann die Aufwendungen für die Tierarztkosten (Kastration) vom Eigentümer zurückverlangen?
ME  (30.01.2017 10:36 Uhr):
Die Geschichte von unten dritter Teil die Fundkatze ist im Tierheim verstorben und ich durfte Sie nicht Besuchen. Nähere Informationen gibt es nicht.
ME  (24.01.2017 15:35 Uhr):
Die Geschichte vom unteren Text geht noch weiter am 24.01.2017 mußte ich die Katze wegen einer Verletzung ins Tierheim geben Ihr ging es offensichtlich nicht gut und hat nicht gefressen. Von den Kosten von 5 Euro pro Tag für eine Fundkatze die zu Erstatten sind will hier niemand was Wissen! An die Gemeinde hatte ich mehrere Schreiben und Telefonkontakt bereits seit Anfang Dezember und die haben nur auf das Tierheim verwiesen. Das Tierheim hat wiederum an die Gemeinde verwiesen. Leider kann ich die Tierarzt kosten nicht tragen weil es mir Finanziell wegen schon Mietern die Ihre Miete nicht gezahlt haben gerade nicht so gut geht und die gleichen Menschen bei der Gemeinde wollen noch Geld von mir deswegen. Nach meinen Recherchen hätten die Kosten für den Tierarzt übernommen werden müssen aber was bleibt mir anderes übrig ich kann die Katze ja nicht leiden lassen oder den Tierarzt nicht Bezahlen dann ist der Tierarzt irgendwann Pleite und wer soll sich dann um die Tiere kümmern. Ich habe jedenfalls ein schlechtes Gewissen auch wenn es sich um eine Fundkatze handelt ob Sie jetzt in den richtigen Händen ist, zum Heulen. Wenn die Kosten so hoch sind habe ich selber nichts zu Essen.
ME  (09.12.2016 19:43 Uhr):
Sehr Interessantes Thema eine Schwarze oder Graue Katze die nicht Registriert ist findet man doch immer und kommt so ein Ding warum auch immer weiß man gar nicht was man richtig oder falsch macht. Im Jahr 2016 mit Internet ist man schon schlau, wenn die Katze halb am Verhungern ist es glaube schon besser und einfach ohne Grund kommt die bestimmt nicht. Meine hat sich erst gar nicht in meine Nähe getraut und ich Dachte natürlich die ist vom Nachbarn! So verging der Sommer und ab und an ist Sie mal da gewesen. Bis der Herbst kam, habe ich mir gar nichts dabei gedacht wie Freundschaft schließen. Jetzt ist es ende November und Sie kommt über Nacht zu mir draußen waren es 8 Grad Minus das hätte die nicht Überlebt. Eigentlich habe ich keine Zeit für eine Katze wegen der Arbeit und ich musste jetzt mal nachsehen was ich machen soll meine Eltern haben selber Katen die sind mal weck und später kommen die wieder ganz normal eigentlich von einer Fundkatze habe ich noch nie etwas gehört. Ich Denke man sollte das Tier selber entscheiden lassen wo es bleiben möchte. Bei mir kann Sie das jeden Tag aus Irgendeinen Grund ist Sie ja weck von Zuhause. Sie ist jedenfalls vollkommen verängstigt gewesen und Traut nur mir wenn jemand kommt versteckt Sie sich jedenfalls. Ich würde die Katze nicht einfach jemanden geben wollen die hat mein Vertrauen, dass mit dem Chip werde ich bestimmt machen und zum Tierarzt weiß ich gar nicht wie ich Ihr das Beibringen soll habe weder ein Auto noch eine Transportmöglichkeit. Danke jedenfalls für die Tipps am Ende geht Sie einfach wieder zum Nachbarn heute ist Sie jedenfalls weck gewesen. Jetzt ist Sie aber schon wieder bei mir wenn Sie wenigstens Registriert wäre schon besser wenn Sie Nachhaltig Ihrem Besitzer übergeben werden könnte. Wenn Sie das überhaupt will wer weiß was die mit der Katze gemacht haben das Futter habe ich jedenfalls gekauft bei 8 Grad minus wollte Sie lieber rein!
Lu  (06.04.2016 17:59 Uhr):
Hallo, ich habe eine frage. Wenn ein katzen Verein den Auftrag bekommt, katzen einzufangen und bei den eingefangen katzen ist eine katze dabei, die in der Nachbarschaft wohnt und ein Zuhause hat, muss der Verein diese katze als fundtier melden, wenn die Besitz aufgrund eines nicht vorhanden Chips nicht ermittelt werden können. Darf der Verein eine Besichtigung der Besitzer abwenden wenn diese die vermutung haben, ihre Katze sei mit eingefangen worden?
Nani  (20.10.2015 12:40 Uhr):
Hallo, wie ist das denn, wenn er Besitzer mehrfach informiert wurde, das wir seinen Kater gefunden haben, der sich aber einfach nicht zurück meldet ? Wir warten nun schon 4 Monate. Der Kater trägt auch einen Chip, aber der Besitzer will ihn scheinbar nicht zurück. Kann ich den Chip denn dann umändern lassen und dem Kater bei uns ein bleibendes zu Hause geben ?
CatLover  (05.05.2015 15:43 Uhr):
"Werden Katzen nämlich kastriert, bekommen sie entweder eine solche Tätowierung oder einen Chip ins Ohr." Wäre toll, wenn es tatsächlich so wäre. Aber erstens werden Katzen eben NICHT automatisch gekennzeichnet (Chip oder Tattoo), wenn sie kastriert werden, denn ob das passiert oder nicht bestimmt nach wie vor der Halter. Zweitens wird der Chip nicht ins Ohr, sondern (in Deutschland) in die linke Halsseite implantiert. Und drittens nützt eine Kennzeichnung gar nichts, wenn das Tier vom Halter dann nicht mit den aktuellen Tier- und Halterdaten bei Tasso e.V. oder beim Deutschen Haustierregister registriert wird.
Patti  (27.04.2015 11:23 Uhr):
Was passiert wenn der angebliche eigentümer nicht beweisen kann dass das tier ihm gehört, weil das zugelaufene tier weder chip noch tattoo enthält. Reichen fotos ohne merkmale als beweis aus? Mfg Patrizia





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