Foto vom Essen im Restaurant ins Internet stellen erlaubt?

Autor: , verfasst am 28.06.2016, 11:04| 1 Kommentar

Das Posten von Essen ist für viele Menschen mittlerweile ein Kult, sei es bei sozialen Netzwerken wie Facebook, Google+ oder Instagram oder auf dem eigenen Blog. Der einschlägige Hashtag dafür lautet #Foodporn, zu Deutsch: „Ernährungsporno“. Wie ist es aber rechtlich betrachtet: Darf man ohne weiteres als Restaurantbesucher sein Essen fotografieren, schließlich hat man als Gast dafür bezahlt? Darf man das Bild dann auch im Netz teilen? Hat vielleicht doch der Restaurantbesitzer in solchen Fällen ein „Vetorecht“? Und falls ja, auf welcher Grundlage darf er solche Fotos verbieten? Oder hat gar der Koch ein Recht das Fotografieren seiner Kreationen zu verbieten? Erfahren Sie dies im folgenden Ratgeber:
 

Foto vom Essen im Restaurant ins Internet stellen erlaubt? (© shadowvincent - Fotolia.com)
Foto vom Essen im Restaurant ins Internet stellen erlaubt?
(© shadowvincent - Fotolia.com)

Die Rechtslage: Dem Inhaber eines Restaurants gebührt das Hausrecht

In Deutschland wird die allgemeine Handlungsfreiheit eines jeden Menschen grundgesetzlich in Art. 2 Absatz 1 GG geschützt. Dieses Grundrecht besagt, dass jeder grundsätzlich alles tun kann, was er möchte, soweit er dadurch nicht die Rechte anderer verletzt.

Fraglich ist nun also, inwieweit das Fotografieren von Essen im Restaurant und das damit zusammenhängende Onlinestellen des Fotos ein Eingriff in die Rechte eines anderen darstellt:

  • Allgemein anerkannt ist zunächst, dass in einem solchen Fall nicht das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Inhabers eines Restaurants verletzt ist. Bei der Verbreitung von Bildern, auf denen lediglich Essen zu sehen ist, ist – anders als bei der Veröffentlichung von unberechtigt getätigten Aufnahmen einer Person – gerade nämlich nicht die Persönlichkeit betroffen.
     
  • In Betracht könnte jedoch ein Verstoß gegen das Urheberrecht kommen. Dazu müsste Essen im Allgemeinen ein Werk i.S.d. Urheberrechtsgesetzes [UrhG] darstellen. Dies wird in der Regel jedoch nicht der Fall sein. Etwas anderes kann nur dann gelten, wenn der Koch tatsächlich ein Kunstwerk herstellt, etwa bei besonders exotischen oder schmackhaften bzw. optisch hübsch angerichteten Gerichten. Unter strikten Voraussetzungen kann auch das Rezept unter dem Schutz des Urheberrechts stehen.
    Zu beachten ist jedoch, dass ein angefertigtes Foto hingegen durchaus vom Urheberrecht erfasst ist. Ein Fotograf kann deshalb grundsätzlich darüber bestimmen, ob, wie und wo er seine Fotos veröffentlicht.
     
  • Ein Inhaber eines jeden Restaurants (oder auch einer Kneipe, einer Disko etc.) hat jedoch genauso ein Hausrecht, wie beispielsweise auch der Mieter einer Wohnung bzw. der Hausbesitzer. In diesem Fall gibt das Hausrecht dem Inhaber die Befugnis darüber zu entscheiden, was in seinem Restaurant erlaubt ist und was nicht. Darunter zählt auch die Frage danach, ob ein Gast mit seinem Smartphone das Essen ablichten darf oder nicht bzw. ob der Gast das Foto schließlich ins Internet stellen darf oder nicht.
    Der Gast ist also zwar grundsätzlich in seinem Handeln frei, muss sich allerdings dem Hausrecht beugen.
     

Welche Folgen kann eine Nichtbeachtung des Hausrechts haben?

Macht der Wirt von seinem Hausrecht Gebrauch und verbietet er solche Fotos, muss sich der Gast daran halten – anderenfalls droht ein Rausschmiss und unter Umständen auch ein Hausverbot.
Besteht ausnahmsweise ein Urheberrecht, so kann der Inhaber des Restaurants bzw. der Koch bei einer Zuwiderhandlung zusätzlich einen Anspruch auf Schadensersatz gem. dem UrhG geltend machen. Dieser kann aufgrund der im Urheberrecht hohen Streitwerte durchaus hoch ausfallen.
 

Ich habe ungefragt Bilder von Essen ins Netz gestellt – muss ich nun mit empfindlichen Strafen rechnen?

Im Allgemeinen gilt die Devise „Wo kein Kläger, da kein Richter“. In den seltensten Fällen wird ein der Inhaber eines Restaurants das Posten eines Bildes vom Essen rechtlich verfolgen, insbesondere wenn der Post an ein Lob geknüpft ist – über positive Publicity wird sich nämlich sicherlich niemand beschweren. Wird hingegen schlecht über das Restaurant oder das Essen gesprochen, steigt die Gefahr einer rechtlichen Verfolgung der Zuwiderhandlung.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte also zunächst beim Wirt bzw. den Kellner / die Kellnerin eine entsprechende Erlaubnis einholen, damit das fotografierte Essen nicht doch zu anschließenden Bauchschmerzen führt.
 

Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Foto, Bild, Essen, Gericht, fotografieren, ablichten, Restaurant, Kneipe, Gast, Wirt, Restaurantbesitzer, Inhaber, Internet, soziale Medien, online stellen, posten, Urheberrecht, Hausrecht


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

2much  (28.06.2016 12:10 Uhr):
Ein Urheberrecht sehe ich gar nicht als so unwahrscheinlich an, schließlich werden Speisen angerichtet - zumindest in vielen Restaurants jenseits der XXL-Schnitzel und All-you-can-eat-Buffets. Daher wäre es sehr interessant, ab wann von einer entsprechenden Schöpfungshöhe auszugehen ist. Ein Koch in einem japanischen Restaurant in Düsseldorf schnitzt zum Beispiel aus einer Karotte kunstvoll einen Paradiesvogel. In vielen anderen Restaurants gibt man sich zumindest Mühe, die Speisen besonders schön anzurichten. Aber reicht das schon aus? Die spannende Frage ist dann aber, wie das mit dem Foto dann aussieht. Besteht dann automatisch ein geteiltes Urheberrecht?





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