Dürfen Kellner das Trinkgeld behalten?

Autor: , verfasst am 12.03.2015, 07:56| 1 Kommentar

Wird man als Gast in einem Restaurant oder einer Kneipe gut bedient, so möchte man dem Kellner ein kleines Dankeschön für den guten Service überreichen. Gerade vor dem Hintergrund, dass Angestellte in der Gastronomie nicht gerade viel verdienen, denkt man, damit der Servicekraft etwas Gutes zu tun. Diese nimmt das Bedienungsgeld an und steckt es zusammen mit der Rechnungssumme in ihr Portemonnaie. Nun regt sich bei so manchem Gast der Verdacht, dass das Trinkgeld nicht – wie gewünscht – der Bedienung zugute kommt, sondern in die Kasse des Wirtes wandert. Wie ist die Rechtslage? Dürfen Kellner das Trinkgeld behalten?

Trinkgeld (© Anna Maloverjan - Fotolia.com)
Trinkgeld
(© Anna Maloverjan - Fotolia.com)

Trinkgeld teilen?

In gastronomischen Betrieben ist es in der Regel so, dass jeder Kellner einen bestimmten Bereich hat, in dem er bedient, serviert und kassiert. Ist ein Gast mit der Leistung der Servicekraft zufrieden, zeigt er dies, indem er ihr ein angemessenes Trinkgeld zahlt. Ihr, wohlgemerkt. Die Zahlung bedeutet seitens des Gastes nicht, dass das Geld unter dem gesamten Personal (inklusive Wirt) aufgeteilt werden soll. Dennoch kommt manch ein Chef auf die Idee, genau dies von seiner Bedienung zu verlangen: das Trinkgeld soll abgegeben werden, um am Ende des Monats unter dem gesamten Personal aufgeteilt zu werden. Derartige Regelungen sind nicht rechtens. Trinkgeld wird als regelmäßige Einkünfte einer Servicekraft angesehen, und kein Arbeitgeber hat das Recht, seinen Angestellten diese zu verweigern [LAG Rheinland-Pfalz, 09.12.2010, 10 Sa 483/10].

Anders ist die Situation, wenn mehrere Bedienungen mit demselben Portemonnaie zum kassieren gehen und demzufolge auch ihr Trinkgeld in dieses stecken: da es sich bei diesen Bedienungsgeldern sozusagen um Gemeinschaftseigentum aller Kellner handelt, sollten sie am Ende eines Arbeitstages auch gleichmäßig unter allen Angestellten aufgeteilt werden.

Trinkgeld steuerpflichtig?

Angestellte in der Gastronomie haben meistens keinen besonders hohen Stundenlohn. Demzufolge freuen sie sich sehr, wenn ihr Gehalt durch Trinkgelder aufgestockt wird. Weniger erfreut wären sie, wenn diese Bedienungsgelder steuerpflichtig wären. Zum Glück für die Servicekräfte ist dies gemäß § 3 Nr. 51 EStG nicht der Fall. Es ist nicht notwendig, das Trinkgeld zu versteuern, wenn es

  • anlässlich einer Arbeitsleistung,

  • freiwillig und

  • zusätzlich zu dem Betrag für die Arbeitsleitung

gezahlt worden ist. Gibt ein Gast einem Kellner also ein Trinkgeld, so braucht dieser es in seiner Steuererklärung nicht anzugeben. Dasselbe gilt für Trinkgelder, die beispielsweise Friseuren oder Handwerkern gegeben werden: auch in diesen Fällen wird die Zahlung eines Trinkgeldes als eine freiwillige Leistung zusätzlich zum Betrag für die Arbeitsleistung angesehen.

Ausnahmen bestehen lediglich in jenen Fällen, in denen das Trinkgeld bereits in Form von Bedienungszuschlägen auf der Speisekarte ausgewiesen wird: der Gast ist verpflichtet, diesen Bedienungszuschlag zu zahlen. Demzufolge ist eine derartige Zahlung nicht mehr freiwillig und unterliegt somit nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen des § 3 EStG bezüglich der Steuerfreiheit.

Fazit: Kellner dürfen ihr Trinkgeld immer behalten, da es sich dabei um eine freiwillige Zahlung von Gästen handelt, mit denen sie einen guten Service honorieren möchten. Anweisungen seitens Vorgesetzten, dass die Bedienungsgelder in einen großen Topf wandern müssen, um am Monatsende unter allen Angestellten aufgeteilt zu werden, sind nicht rechtens und müssen demzufolge nicht befolgt werden. Eine Missachtung derartiger Anweisungen ist nicht mit Nachteilen für die Arbeitnehmer verbunden – sie können immer auf das Urteil des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz verweisen.

Schlagwörter: Trinkgeld steuerpflichtig, Trinkgeld


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

pit  (12.03.2015 11:14 Uhr):
ich würde das trinkgeld nicht teilen genau so ist es auch beim taxifahrer , als wenn die das trinkgeld unten uns teilen kämme nie in frage,wir abrbeiten für 8.40 und stehen stundenlange am platz um ein gast zu fahren





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