Bier, Wein & Alkopops ab 16 Jahren erlaubt?

Autor: , verfasst am 05.01.2015, 08:38| Jetzt kommentieren

Alkohol ist in unserer heutigen Gesellschaft weit verbreitet und insbesondere aus vielen gesellschaftlichen Ereignissen und Veranstaltungen nicht mehr wegzudenken. Es ist daher kaum verwunderlich, dass auch Kinder und Jugendliche immer früher in den Genuss von Bier, Wein, Alkopops oder sonstigen (branntweinhaltigen) Spirituosen kommen wollen. Dabei deuten Schlagzeilen, die vom Flaterate- bis zum Komasaufen zeugen, den jugendlichen Übermut und Leichtsinn im Umgang mit Alkohol an. Denn sie lassen nur allzu oft außer Acht, dass übermäßiger Alkoholkonsum nicht nur besonders gesundheitsschädigend sein, sondern auch abhängig machen kann. Mit Blick auf den Jugendschutz hat der Gesetzgeber daher Vorgaben erlassen, die den Umgang mit alkoholischen Getränken regeln, insbesondere hinsichtlich Altersbeschränkungen.

Jugendliche (© pict rider - Fotolia.com)
Jugendliche
(© pict rider - Fotolia.com)

Rechtsgrundlage

§ 9 des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) regelt in Absatz 1, dass sowohl in Gaststätten, Verkaufsstellen (also normaler Verkauf im Supermarkt oder am Kiosk aber auch Versandhandel) oder auch sonst in der Öffentlichkeit „Branntwein, branntweinhaltige Getränke oder Lebensmittel, die Branntwein in nicht nur geringfügiger Menge enthalten, an Kinder und Jugendliche“ (Nr. 1) und „andere alkoholische Getränke an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren“ (Nr. 2) weder abgegeben noch ihr Verzehr gestattet werden darf. Absatz 1 Nr. 2 gilt jedoch nicht, wenn die Jugendlichen von einer personensorgeberechtigten Person – also in der Regel die Eltern, aber auch sonstige gesetzliche Vertreter im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) – begleitet werden (so Absatz 2).

Kinder sind nach § 1 JuSchG Personen, die noch nicht 14 Jahre alt sind, Jugendliche sind Personen, die 14, aber noch nicht 18 Jahre alt sind.

Konkret bedeutet dies, dass der Genuss sämtlicher (branntweinhaltiger) Spirituosen unter 18 Jahren verboten ist. Aus Absatz 4 geht hervor, dass dieses Verbot auch für „alkoholhaltige Süßgetränke“ (also die sog. Alkopops) gilt.

Die sogenannten „anderen alkoholischen Getränke“, deren Alkoholgehalt mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol beträgt, aber keinen Branntwein enthalten (also Bier, Sekt, Wein, Apfelwein oder bier- bzw. weinhaltige oder ähnliche Mischgetränke), dürfen hingegen ab 16 Jahren erworben und konsumiert werden. Sogar Jugendliche unter 16 Jahren dürfen dies, wenn sie von ihren Eltern begleitet werden. Allerdings dürfen Kinder trotz Aufsicht der Eltern keinerlei alkoholische Getränke zu sich nehmen. Heranwachsende (ab 18 Jahren) und Erwachsene dürfen hingegen trinken, wonach ihnen der Sinn steht und so viel sie wollen.

Aufgrund der Bedeutung des Jugendschutzes darf Alkoholwerbung beispielsweise bei öffentlichen Filmveranstaltungen (wie Kinos) erst nach 18 Uhr gezeigt werden.

Folgen eines Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz

Verstöße von Gewerbebetreibenden und Veranstaltern gegen die oben genannten gesetzlichen Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes können Geldbußen bis zu 50.000 Euro nach sich ziehen. In besonders schweren Fällen kann die Schwelle von bloßer Ordnungswidrigkeit hin zur Straftat überschritten werden, also zum Beispiel, wenn der übermäßige Konsum der alkoholischen Getränke zumindest zu einer fahrlässigen Körperverletzung beim Kind bzw. Jugendlichen führt, bis hin zu einer Körperverletzung mit Todesfolge. Die strafrechtliche Folge in solchen Fällen können sodann Geld- oder auch eine Haftstrafe sein.

Fazit:

Kinder (unter 14 Jahren) dürfen unter keinen Umständen Alkohol zu sich nehmen, selbst dann nicht, wenn die Eltern dabei sind oder eine generelle Erlaubnis ausgesprochen haben. Für Jugendlichen ist der Genuss alkoholischer Getränke grundsätzlich möglich, unterliegt allerdings verschiedenen Einschränkungen.

Als Gewerbebetreibender oder Veranstalter ist es daher sinnvoll, in Zweifelsfällen das Alter der Kundinnen und Kunden zu überprüfen. Darüber hinaus sollten die entsprechenden.

Schlagwörter: Alkohol Jugendliche, Altersbeschränkungen, Jugendschutzgesetz


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