Darf man abgelaufene Lebensmittel verkaufen?

Autor: , verfasst am 09.02.2015, 07:43| 7 Kommentare

Beim Einkaufen erleidet so mancher Kunde einen Schock, wenn er feststellt, dass sich in den regalen abgelaufene Ware befindet. Sogleich wittert er eine strafbare Handlung seitens des Geschäftes und rennt mit den betreffenden Produkten in der Hand zu einem Verkäufer. Dieser wimmelt ihn mit der Aussage ab, dass es nicht verboten sei, abgelaufene Ware zu verkaufen. Der Kunde kann es kaum fassen und verlangt, den Marktleiter zu sprechen, der ihm dieselbe Auskunft gibt. Doch ist das tatsächlich so? Darf man abgelaufene Lebensmittel verkaufen?

Lebensmittel (©  Markus Bormann - Fotolia)
Lebensmittel
(© Markus Bormann - Fotolia)

Um diese Frage zu klären, bedarf es zunächst einmal einer Definition von „abgelaufenen Lebensmitteln“. Hierfür müssen die beiden Begriffe „Mindesthaltbarkeitsdatum“ (MHD) und „Verbrauchsdatum“ (VD) genauer betrachtet werden. Beide dienen der Kennzeichnung von Lebensmitteln, jedoch beziehen sie sich – entgegen landläufiger Meinungen – um zwei völlig unterschiedliche Daten: Das Mindesthaltbarkeitsdatum, welches seine gesetzliche Definition aus § 7 LMKV (Lebensmittel-Kontrollverordnung) erhält,  gibt an, wie lange ein Produkt seine spezifischen Eigenschaften beibehält – vorausgesetzt, es wird unter den vom Hersteller angegebenen Lagerbedingungen aufbewahrt. Nach Ablauf des MHD sind derart gekennzeichnete Lebensmittel in der Regel länger haltbar, da sie nicht verdorben sind, und daher noch gut zu verwenden. Die meisten Lebensmittel, die in einem gewöhnlichen Supermarkt erhältlich sind, werden mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen, beispielsweise Konserven, Teebeutel und Mineralwasser. Abgelaufen sind sie zwar laut Datum, aber dennoch gut verzehrbar.

Anders hingegen ist die Lage beim Verbrauchsdatum: wenn auf einem Produkt die Kennzeichnung „zu verbrauchen bis…“ angebracht ist, so handelt es sich bei diesem um ein leicht verderbliches Lebensmittel. Ist das Verbrauchsdatum erreicht, so kann dessen Verzehr gesundheitsschädlich sein. Frischer Fisch zählt unter anderem zu jenen Produkten, ebenso wie Rohmilch und Hackfleisch.

Kurz gesagt: Lebensmittel, welche das MHD erreicht haben, sind unbedenklich zu verzehren, während jene, die das VD überschritten haben, eine Gefährdung für die Gesundheit darstellen: Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum sind also vollkommen unterschiedlich.

Doch was ist, wenn abgelaufene Lebensmittel verkauft werden? Ist das gestattet? Auch hierbei muss wiederum zwischen dem MHD und dem VD differenziert werden: Generell ist es so, dass im Handel ein abgelaufenes MHD nicht dazu führt, dass die betreffende Ware nicht mehr verkauft werden darf. Der Händler ist jedoch dazu verpflichtet, zu kontrollieren, ob die Ware noch einwandfrei ist. Ist dies nicht der Fall, so darf sie nicht im Verkauf verbleiben. Wenn sie jedoch nach Ermessen des Anbieters keinerlei Schäden angenommen hat, so darf sie weiterhin verkauft werden. Eine Frist, wie lange dies geschehen darf, gibt es nicht. Entgegen der weitverbreiteten Meinung ist ein Händler rechtlich auch nicht dazu verpflichtet, die betreffende Ware im Preis zu reduzieren. Viele Anbieter machen dies allerdings von sich aus, um die abgelaufenen Lebensmittel schnellstmöglich abverkaufen zu können. Ein Händler ist jedoch dazu verpflichtet, den Kunden auf die Überschreitung des MHD aufmerksam zu machen. Begründet wird dies damit, dass man als Kunde davon ausgehen kann, in einem Supermarkt nur einwandfreie Waren vorzufinden, wozu abgelaufene Lebensmittel nicht zählen [OLG Hamburg, 01.02.2001, 3 U 187/99]. Ein Kunde, der ohne es zu wissen abgelaufene Ware gekauft hat, hat somit das Recht, diese umzutauschen.

Zu beachten ist, dass generell durch den Kauf eines Lebensmittels, welches sein MHD erreicht oder überschritten hat, der Kunde sein Reklamationsrecht nicht verliert. Dies bedeutet, dass er durchaus auch derartige Waren ins Geschäft zurück bringen darf, wenn diese nicht mehr einwandfrei sind. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass er den Kassenbon noch besitzt und dass die Reklamation zeitnah nach dem Kauf geschieht, da abgelaufene Lebensmittel grundsätzlich nicht mehr lange gelagert werden sollten.

Lebensmittel, die das Verbrauchsdatum überschritten haben, dürfen hingegen nicht mehr zum Verkauf angeboten werden – auch nicht zu reduzierten Preisen. Sie stellen eine Gefahr für die Gesundheit dar und müssen deswegen umgehend entsorgt werden.

Schlagwörter: abgelaufene Lebensmittel, Verkauf Lebensmittel


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (7)

Ayse  (04.08.2017 16:56 Uhr):
Wo kann ich das melden? Beim gesundheitsamt oder welcher behörde? Weil die es in einem supermarkt bei uns bewusst die abgelaufene waren zb auch vom letzten jahr dh 2016!!! Rausverkaufen im nirmalrn preis nicht reduziert oder entsorgt??? Ich möchte da jemanden hinschicken von den behörden!! Es beschweren sich wirklicj viele
xxx  (12.07.2017 21:05 Uhr):
Wie???, Was??? !!!!! Das Mindesthaltbarkeitsdatum, welches seine gesetzliche Definition aus § 7 LMKV (Lebensmittel-Kontrollverordnung) erhält, gibt an, wie lange ein Produkt seine spezifischen Eigenschaften beibehält – vorausgesetzt, es wird unter den vom Hersteller angegebenen Lagerbedingungen aufbewahrt - >>>> RICHTIG Bis zu diesem Zeitpunkt Garantiert der Hersteller das sein Produkt frisch und sicher ist zu verzehren, nach diesem Datum auftreten Chemische und organoleptischen Veränderungen für die der Hersteller nicht mehr Garantiert die Sicherheit und Gesundheit der Verbraucher. Deswegen, nach MHD, ist das Produkt nicht mehr unbedenklich zu verzehren!!!!!
Citaro  (07.12.2016 22:16 Uhr):
Und was ist wenn Penny Markt fertigen Kuchenteig verkauft wo nur noch gebacken werden muss und das MHD oktober 2016 beträgt?? Ist das erlaubt?? Meine Freundin hat im Penny Markt für unser Baby von Bebivita eine Flasche Saft gekauft mit dem MHD 15.09.2016.......... Ich denke mir das man solche Supermärkte Strafrechtlich verfolgen sollte.. Die Lebensmittel die ich in diesem Kommentar erwähnt habe sind zwischen 2 und 3 Monate über dem MHD
nibo1978  (29.09.2016 09:30 Uhr):
@gunny: Wenn ich lese "obwohl ich es bei 4° Celsius im Kühl-schnank aufbewahre" bekomme ich das Grauen! Brot gehört nicht in den Kühlschrank. Wie man es richtig lagert: Möglichkeit 1: Du frierst es ein und nimmst immer soviel raus wie Du essen willst. Möglichkeit 2: Brotkasten kaufen und dort drinnen lagern.
gunny  (27.06.2016 12:00 Uhr):
Guten Tag sehrgeehrte Damen U. Herren, ich kaufe häufiger bei Netto Lebensmittel ein und habe auch nicht immer die Lesebrille dabei. Zu hause stelle ich dann fest das das Ablaufdatum bei Toastbrot genau am Kaufdatum abläuft. Da ich nicht alleine in ein paar Tagen das ganze Brot essen kann fängt es dann natürlich zu schimmeln an, obwohl ich es bei 4° Celsius im Kühl - schnank aufbewahre. Was kann ich in diesen Fall unternehmen? Und das geschieht nicht nur bei Toastbrot, auch bei Käse usw. Ich bitte um eine Klärung. Mit freundlichen Gruß. Günther Teufert.
no-name  (21.10.2015 09:29 Uhr):
Und welches Dienst kontrolliert das? Wo kann ich melden, das im Laden schlechte Waren liegen, und die Verkäufer reagieren nicht?
D. Becker  (23.04.2015 11:09 Uhr):
Hallo und danke für die Ausführungen. Hier habe hierzu eine Frage: Vorbemerkung - ich beziehe mich bei meiner Anfrage lediglich auf Produkte ohne Verbrauchsdatum (zB Fleischwaren). Sie schreiben, daß nach §11 Abs. 2 Nr. 2 LFGB dem Verkäufer von Produkten mit abgelaufenem MHD eine besondere Verantwortung zukommt. Neben der besonderen Kennzeichnung sei er verpflichtet, sich sorgfältig über die Beschaffenheit des Lebensmittels zu vergewissern. Ist es ausreichend, neben der besonderen Kennzeichnung auch eine Kontrolle der Verpackung (zB bei Konservendosen) auf Schäden durchzuführen, oder ist der Verkäufer zusätzlich verpflichtet, zB Stichproben seiner Produkte von einem unabhängigen Institut (auf Lebensmittelanalysen spezialisiert) durchführen zu lassen? Vielen Dank für die Auskunft. Mit freundlichen Grüßen





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