Lebenslanges Wohnrecht: Rechte und Pflichten leicht erklärt

Autor: , verfasst am 04.04.2018, 10:06| Jetzt kommentieren

Was ist ein lebenslanges Wohnrecht und mit welchen rechtlichen Konsequenzen ist es verbunden? Dies erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Was ist ein lebenslanges Wohnrecht? (© Hans Peter Denecke - Fotolia.com)
Was ist ein lebenslanges Wohnrecht?
(© Hans Peter Denecke - Fotolia.com)

Bei einem lebenslangen Wohnrecht im Sinne von § 1093 BGB handelt es sich um eine Grunddienstbarkeit in Form eines dinglichen Wohnrechtes. Dieses lässt sich beispielsweise der frühere Eigentümer einräumen, um z. B. in einem Raum oder Etage seines Hauses wohnen bleiben zu können.

Rechte bei lebenslangem Wohnrecht

Hierdurch wird das Grundstück auf sachenrechtliche Weise belastet. Das bedeutet: Der Berechtigte hat gegenüber dem Eigentümer des Grundstücks eine wesentlich stärkere Stellung als ein Mieter. Er ist ohne Wenn und Aber berechtigt, den jeweiligen Teil des Grundstücks zu bewohnen. Es gibt hier kein Kündigungsrecht, wie bei einem Mietvertrag. Vielmehr darf der Berechtigte dort normalerweise so lange wohnen bleiben, bis er stirbt. Darüber hinaus handelt es sich bei einem Mietvertrag lediglich um eine schuldrechtliche Verpflichtung des Eigentümers, dem Mieter den Besitz an der Wohnsache zu verschaffen.

Allerdings darf ein lebenslanges Wohnrecht nicht mit dem Nießbrauchsrecht verwechselt werden. Denn ein Nießbraucher darf darüber hinaus aus der jeweiligen Sache die Früchte ziehen, indem er sie etwa vermietet. Hierzu ist der Berechtigte eines lebenslanges Wohnrechtes nicht befugt. Er darf dort „nur“ wohnen.

Wichtig: Eintrag ins Grundbuch

Damit der Berechtigte sein lebenslanges Wohnrecht auch ausüben kann, reicht eine vertragliche Regelung wie eine Schenkung nicht aus. Vielmehr muss er dafür sorgen, dass das lebenslange Wohnrecht im Grundbuch eingetragen wird. Wenn es dort mit seiner Zustimmung gelöscht wird, endet das lebenslange Wohnrecht.

Aufnahme von Personen

Der Berechtigte braucht nicht alleine sein lebenslanges Wohnrecht ausüben. Vielmehr darf er seine Familie und seinen Lebensgefährten aufnehmen. Darüber hinaus ist er auch zur Aufnahme weiterer Personen berechtigt. Dies setzt allerdings voraus, dass er diese zur standesgemäßen Bedienung und Pflege benötigt. Dies ergibt sich aus § 1093 Abs. 2 BGB.

Lebenslanges Wohnrecht und Pflichten

Der Berechtigte hat allerdings auch Pflichten. Er braucht zwar nicht wie ein Mieter Miete bezahlen. Er muss jedoch normalerweise für die Nebenkosten aufkommen, die etwa durch Strom und Heizung anfallen. Darüber hinaus muss er kleine Reparaturen selbst durchführen. Für diese ist nicht der Eigentümer zuständig.

Lebenslanges Wohnrecht und Testament

Der Eigentümer eines Grundstücks hat auch die Möglichkeit, ein lebenslanges Wohnrecht im Testament einzuräumen. Dies kann etwa geschehen, damit ein naher Verwandter weiterhin in einem Teil des Haues wohnen bleiben zu können.

Vorsicht: Erbschaftssteuer für Berechtigten

Allerdings sollten Sie bedenken, dass hierdurch normalerweise auch Erbschaftssteuer für den Berechtigten anfällt, die dieser im Falle Ihres Todes zu zahlen hat. Hierzu sollte er auch in der Lage sein. Die Höhe der anfallenden Steuer richtet sich nach dem Kapitalwert des jeweils eingeräumten Wohnrechtes. Dieser Wert sollte durch Fachleute wie einem Rechtsanwalt beziffert werden, damit es keine böse Überraschung gibt.

 

Autor: Harald Büring, Ass. jur. (Juraforum-Redaktion)

Jetzt Rechtsfrage stellen

Nachrichten zum Thema
  • BildFG Düsseldorf: kein lebenslanges Kindergeld für Blinde (14.06.2013, 10:26)
    Hartz-IV-Bezug schließt Behinderten-Kindergeld aber nicht aus Düsseldorf (jur). Blinde beziehungsweise ihre Eltern können nicht generell lebenslang Kindergeld beanspruchen. Trotz ihrer generell angenommenen „Hilflosigkeit“ stehen ihnen...
  • BildRechte nachrangiger Grundpfandgläubiger (22.04.2013, 11:24)
    Der Bundesgerichtshof hat sich heute mit der Schadensersatzpflicht eines vorrangigen Grundpfandgläubigers gegenüber dem Inhaber einer nachrangigen Grundschuld befasst. In dem zu entscheidenden Verfahren war die beklagte Bank Inhaberin von zwei...
  • BildMehr Rechte für Versicherte (31.01.2012, 11:45)
    Zum heute an Länder und Verbände versandten Gesetzentwurf zur Änderung versicherungsrechtlicher Vorschriften erklärt Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Mit dem Gesetzentwurf werden die Rechte von Versicherten in der...
  • BildBei Wohnrecht auch Besuchsrecht (02.07.2009, 11:20)
    Coburg/Berlin (DAV). Nicht selten übertragen Eltern das Eigentum am Familienanwesen auf ein Kind und behalten sich das Wohnrecht an einem Gebäudeteil vor. Dieses Wohnrecht gibt ihnen für den entsprechenden Gebäudeteil das Hausrecht. Das heißt:...
  • BildVerbesserte Rechte für Untersuchungsgefangene (04.11.2008, 11:53)
    Berlin. Der Rechtsschutz für Untersuchungsgefangene soll verbessert werden. Die Verbesserungen sind Teil eines Gesetzentwurfs von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries zur Änderung des Untersuchungshaftrechts, den das Bundeskabinett am kommenden...
  • BildZu den Rechten und Pflichten eines Steuerberaters (01.10.2005, 09:20)
    Der erste Zivilsenat des Oberlandesgerichts Naumburg hat kürzlich in einem Berufungsverfahren (1 U 8/05) ein Urteil des Landgerichts bestätigt, durch das ein Steuerberater verurteilt worden war, an seinen Mandanten Schadensersatz in Höhe von...

Kommentar schreiben

23 + N..eun =
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.
* Pflichtfeld

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)




Jetzt Rechtsfrage stellen

Weitere Wohnungseigentumsrecht-Ratgeber


Anwalt für Wohnungseigentumsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.