Kleiner Waffenschein: Voraussetzungen und Alternativen

Autor: , verfasst am 23.02.2016, 08:46| Jetzt kommentieren

Wie man einen kleinen Waffenschein bekommt, ob man ihn überhaupt braucht und wann eine Waffe eingesetzt werden darf, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Kleiner Waffenschein - Voraussetzungen und Alternativen (© b.neeser / fotolia.com)
Kleiner Waffenschein - Voraussetzungen und Alternativen
(© b.neeser / fotolia.com)

Seit der Silvesternacht in Köln wollen immer mehr Bürger einen sogenannten kleinen Waffenschein erwerben, um sich gegenüber Kriminellen besser schützen zu können. Hierzu sollte man wissen, dass man einen kleinen Waffenschein für das das Mitführen einer Schreckschuss-, Reizstoff-, oder Signalwaffe (mit sogenannter PTB-Kennzeichnung) in der Öffentlichkeit – also außerhalb der eigenen Wohnung - benötigt. Hierzu gehören übrigens auch Elektroschocker (sog. Elektroimpulsgeräte). Dies sollte beachtet werden, weil man sich sonst allein schon durch das Mitnehmen einer solchen Waffe strafbar macht. Und hierzu gehören gewöhnlich auch Elektroschocker. Ein Verstoß kann nicht nur eine Geldstrafe oder eventuell auch Freiheitsstrafe zur Strafe haben. Der Betroffene muss auch damit rechnen, dass die Waffe eingezogen wird. Eine Waffe darf übrigens trotz eines kleinen Waffenscheins nicht auf öffentlichen Veranstaltungen (wie Volksfesten) getragen werden.

Voraussetzungen für den kleinen Waffenschein

Das Interessante an einem kleinen Waffenschein ist, dass die Voraussetzungen für den Erwerb längst nicht so streng sind wie für den großen Waffenschein. Hier braucht insbesondere nicht nachgewiesen werden, dass ein besonderes Bedürfnis wie etwa eine akute Bedrohung besteht. Darüber hinaus muss keine besondere Sachkunde beziehungsweise der Abschluss einer Haftpflichtversicherung unter Beweis gestellt werden. Allerdings sollten keine Einträge ins Vorstrafenregister vorliegen oder eine Abhängigkeit zu Drogen bez. Alkohol bestehen. Ebenso wenig sollte man Mitglied bei einer verbotenen Organisation oder einer als verfassungswidrig erklärten Organisation bestehen.

Wo man einen kleinen Waffenschein erhält

Der kleine Waffenschein wird dadurch erworben, dass Sie einen Antrag bei der zuständigen Behörde stellen. Wenn Ihnen diese nicht bekannt ist, fragen Sie am besten bei Ihrer Gemeinde nach. Denn in jedem Bundesland ist die örtliche Zuständigkeit anders geregelt. Meistens ist dafür die örtliche Gemeindeverwaltung oder die Polizei zuständig.

Pfefferspray

Für das Mitführen von Pfefferspray mit PTB Zeichen wird normalerweise ein kleiner Waffenschein benötigt. Anders sieht die Situation nur aus, wenn das Pfefferspray den Aufdruck „Tierabwehrspray“ beziehungsweise „nur zur Tierabwehr“ enthält und zur Abwehr gegen Tiere mitgenommen wird. Dann unterliegt das Pfefferspray nicht den Vorschriften des Waffengesetzes, so dass kein kleiner Waffenschein zum Mitführen erforderlich ist.

Pfefferspray darf nicht ohne Weiteres gegen Menschen eingesetzt werden. Dies ist nur in engen Ausnahmesituationen erlaubt. Denn durch die Verwendung werden Menschen schnell in ihrer Gesundheit gefährdet. Unter besonders ungünstigen Unfällen wie einer Allergie kann es sogar sein, dass der Besprühte stirbt.

Bei vorschnellem Einsatz drohen hohe Strafen

Vor dem vorschnellen Einsatz von Waffen im Sinne des Waffengesetzes sowie von Pfefferspray sollten Sie sich trotz kleinem Waffenschein hüten. Ansonsten müssen Sie mit einer Bestrafung vor allem wegen gefährlicher Körperverletzung gem. § 224 StGB rechnen. Damit ist nicht zu spaßen. Denn hier droht eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu 10 Jahren.

Einsatz zulässig bei Notwehr

Anders ist das, wenn Sie sich auf den Rechtfertigungsgrund der Notwehr im Sinne von § 32 StGB berufen können. Eine bloße verbale Belästigung reicht hierzu gewöhnlich nicht aus. Vielmehr muss ein Angriff auf das Opfer oder einen Dritten erfolgen bzw. unmittelbar bevorstehen. In diesem Fall darf der Angegriffene oder ein Dritter als Nothelfer normalerweise alles Erforderliche tun, um den Angriff abzuwehren. Was das genau bedeutet, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab (welches Rechtsgut etwa konkret gefährdet ist, ob der Täter körperlich überlegen ist, ob es sich sogar um mehrere Täter handelt). Das bedeutet: Insbesondere wenn es um schwere Kriminalität wie um eine drohende Vergewaltigung, einen sexuellen Missbrauch oder einen Raub geht, muss der Täter damit rechnen, dass sich das Opfer auch heftiger zur Wehr setzt und ihm zur Abwehr schwerste Verletzungen zufügt. Dies ist allerdings nur so lange erlaubt, wie der Angriff noch stattfindet.

Opfer sollten auf jeden Fall Strafanzeige bei der Polizei erstatten, auch wenn der Täter flieht. Denn dann besteht die Möglichkeit, dass dieser notfalls im Nachhinein etwa durch Videoaufnahmen überführt wird. Darüber hinaus sollten sich Opfer am besten in eine spezielle Ambulanz für Gewaltopfer begeben. Kommt es gegen den Täter nach der Ermittlung zu einem Strafverfahren, sollte es sich einen Rechtsanwalt nehmen (am besten einen sogenannten Opferanwalt). Dieser sorgt dann dafür, dass alles Notwendige getan wird (wie z.B. die Zulassung des Opfers als Nebenkläger, Einforderung von Schadensersatz und Schmerzensgeld etc.).

Alternativen zu Waffen/Pfefferspray

Allerdings sollte man sich gut überlegen, ob die Anschaffung einer solchen Waffe bzw. von Pfefferspray wirklich sinnvoll ist. Hier besteht die Gefahr, dass ein skrupelloser Täter sich die Waffe greift und gegen das Opfer richtet. Diesbezüglich sollten Sie sich am besten von der Polizei beraten lassen. Als gefahrlose Alternative kommt etwa ein sogenannter Schrill Alarm und eventuell ein Selbstverteidigungskurs infrage. Wichtig ist auch, dass bei einem Angriff möglichst schnell die Polizei über den Notruf verständigt wird. Dies sollten Opfer - oder auch Zeugen - auf jeden Fall tun. Weitere Tipps erhalten Sie auf dieser Webseite der Polizei, die übrigens auch für Männer gelten.

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