Wieviel Abschleppkosten muss man zahlen?

Autor: , verfasst am 07.01.2015, 07:32| 4 Kommentare

Einmal zu lange falsch geparkt und schon ist das Auto abgeschleppt. Das ist schon ärgerlich. Aber nicht nur das Abschleppen an sich ist ärgerlich, meist kommt auch das böse Erwachen, wenn die Rechnung für das Abschleppen ins Haus flattert. Und ohne Bezahlung der Rechnung bekommt man sein Auto auch nicht wieder.

Abschleppen (© Irina Fischer - Fotolia.com)
Abschleppen
(© Irina Fischer - Fotolia.com)

Dann stellt man sich die Frage: wieviel Abschleppkosten muss man überhaupt zahlen? Muss man den Betrag bezahlen, egal wie hoch er ist?

Grundsatz:

Der Grundsatz ist: wenn man sein Fahrzeug unbefugt auf dem Grundstück eines anderen abstellt oder in dem Bereich eines Parkverbots, haftet man dem Grunde nach auf den Ersatz der mit dem Abschleppen verbundenen Kosten. Die Höhe der Kosten für das Abschleppen bemisst sich nach den ortsüblichen Kosten für das Abschleppen, sowie für die unmittelbar mit der Vorbereitung des Abschleppvorgangs verbundenen Dienstleistungen.

Höhe der Kosten:

Dem Grunde nach muss man also die Kosten erstatten, die bei dem Abschleppen entstehen. Aber muss man auch „überteuerte“ Kosten erstatten? NEIN! Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschied, dass nicht jede Summe von einem Falschparker bezahlt werden muss, um wieder an sein Auto kommen zu können. Die Obergrenze für die Kosten des Abschleppens ist der ortsübliche Preis! Vor allem private Abschleppdienste dürfen nicht mehr Kosten verlangen, als den ortsüblichen Preis! Das heißt, man muss immer schauen, was üblicherweise in der Region für das Abschleppen verlangt wird. Mehr als das, darf nicht in Rechnung gestellt werden.

Dies entschied der Bundesgerichtshof mit seinem Urteil vom 04.07.2014 Az V ZR 229/13. In vorliegendem Fall sollte ein Autofahrer satte 250 Euro an eine Münchner Abschleppfirma zahlen. Das Gericht sah die Kosten als unangemessen hoch an, da diese nicht dem ortsüblichen Preis darstellten. Das Landgericht befand dann in zweiter Instanz 175 Euro Abschleppkosten als angemessen.

Wieviel sind denn die ortsüblichen Kosten?

Diese Frage lässt sich leider nur sehr schwer beantworten, da bis heute keine strikte Tabelle zu den Kosten besteht. Außerdem variieren die Preise für das Abschleppen von Stadt zu Stadt, von Region zu Region von 70 bis 189 Euro.

In Neubrandenburg fallen Kosten für das Abschleppunternehmen in Höhe von 110 Euro an. Im Gegensatz dazu kostet das Abschleppen in Waren an der Müritz zwischen 125 und 189 Euro.

Vorliegend eine kleine Übersicht für die ortsüblichen Abschleppkosten:

 

Wie Sie sehen, sind die Kosten sehr unterschiedlich. Zu Empfehlung ist, sich immer zu informieren, wenn man es mit überteuerten Abschleppdiensten zu tun hat. Hilfreich kann in diesen Fällen eine Nachfrage bei der Stadt sein, um zu sehen was in der eigenen Region üblich ist.

Auf jeden Fall sollten Sie sich aber merken, dass Abschleppkosten über 250 Euro nicht in jedem Fall ortsüblich sind und eine Nachfrage Ihrerseits sich lohnen kann!

Schlagwörter: Abschleppkosten, Kosten, Abschleppdienst


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (4)

dheinel  (07.04.2017 10:39 Uhr):
Liebes juraforum.de Team, gibt es Quellenangaben zu den aufgelisteten ortsüblichen Tarifen? Handelt es sich bei diesen Angaben um Netto oder Brutto Werte? Vielen Dank Mit freundlichen Grüßen D. Heinel
garo  (01.09.2015 12:17 Uhr):
hallo,ich würde gerne fragen wie hoch sind die ortsübliche abschleppkosten für stadt Worms.Ich finde nicht järgendwo. lg,Garo
joggi2002  (23.07.2015 22:41 Uhr):
ich habe da mal eine frage sind 350,-€angemessen für ein abschleppunternehmen abschlepptwagen nicht wenn der samatags kommt und den
3...2...1...  (23.06.2015 23:15 Uhr):
Sehr sehr traurig das auf dieser Seite ein BGH Urteil falsch zitiert wird. Kein Hinweis auf brutto oder netto ! Das LG München sprach von netto. Also 208,25 €. Die Übersicht zeigt wohl brutto Kosten auf. Oder doch netto ?:-) das wären dann in Hamburg Ca 310€ für eine Maßnahme am normalen Tag. An einem Sonntag dann Ca. 400€ Es ist ein Skandal das keiner der Betreiber oder Juristen diesen Artikel Berichtigt. Allein der Punkt 40 des BGH Urteils v. 4.7.14 sagt bereits ganz klar das dieser hier veröffentlichte Bericht nicht ernst zu nehmen ist. Ich gehe davon aus das der Verfasser nach dem ersten Semester sein Studium abgebrochen hat!!!





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