Tantra-Massage – „ganzheitliche Selbsterfahrung“ oder „Entspannung mit erotischem Bezug“?

Autor: , verfasst am 19.08.2014, 08:02| Jetzt kommentieren

Massage ist nicht gleich Massage. Bei einer Tantra-Massage steht nicht nur das Lösen von Verspannungen aus Rücken und Nackenbereich im Mittelpunkt. Vielmehr wird hier auch Wert auf die komplette körperliche Entspannung, also auch in sexueller Hinsicht, gelegt. Viele deutsche Städte erheben beispielsweise für den Bordellbetrieb die sogenannte Vergnügungssteuer (auch: Sexsteuer). Ob diese auch für die Massage-Studios erhoben werden kann, wollte nun eine Frau vom Verwaltungsgerichtshof aus Baden-Württemberg mit Sitz in Mannheim wissen, welcher die Revision jedoch ablehnte. Fraglich war bei dem Prozess:

Tantra-Massage (© Jeanette Dietl - Fotolia.com)
Tantra-Massage
(© Jeanette Dietl - Fotolia.com)

Reicht die Gelegenheit zu sexuellem Vergnügen bei einer Tantra-Massage aus, um Vergnügungssteuer erheben zu können?

In dem angesprochenen Prozess ging es um die Berufung vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart einer Besitzerin eines Massage-Studios gegen die Stadt Stuttgart, welche Vergnügungssteuer von der Frau wegen des Anbietens von Tantra-Massagen unter Einbeziehung des Intim-Bereichs verlangt hatte.

Gezielte „Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen“

Nach Ansicht des Gerichts ist die Erhebung einer Vergnügungssteuer für Massage-Studios mit speziellen Tantra-Massagen im Angebot legitim, da in solchen Studios gezielt „Gelegenheit zu sexuellen Vergnügungen“ angeboten würden. Die umgangssprachliche Sexsteuer wird sonst beispielsweise für Bordells, Swingerclubs oder Laufhäuser erhoben.

Studiobetreiberin: Hauptzweck ist nicht das sexuelle Vergnügen

Die Frau sah nicht ein, die Sondersteuer zu bezahlen und trug bei Gericht vor, dass Hauptzweck der Massage nicht das sexuelle Vergnügen ist, sondern das „ganzheitliche Wohlbefinden und eine ganzheitliche Selbsterfahrung im Sinne der tantrischen Erkenntnislehre“. Dies sah bereits im November 2013 das Verwaltungsgericht Stuttgart anders: Dass die Massagen strikt nach dem Tantra-Ritual ablaufen, sei hierbei nicht entscheidend. Vielmehr geht es darum, dass ein Kunde gegen Entgelt eine Massage des Genitalbereichs erhalten könne.

VGH: Sexsteuer ist nicht auf Rotlichtmilieu beschränkt

Der VGH bestätigte nun die Ansicht des Verwaltungsgerichts und stellte den erotischen Bezug dieser Art der Massage in den Vordergrund. Auch sei die Vergnügungssteuer nicht ausschließlich auf Einrichtungen mit Bezug zum Rotlichtmilieu beschränkt.

In Zukunft muss man also davon ausgehen, dass Tantra-Massagen und andere Angebote von Tantra-Studios teurer werden.

Schlagwörter: Tantra-Massage, Vergnügungssteuer,


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