Kfz-Versicherungswechsel – wann geht das?

Autor: , verfasst am 10.02.2015, 07:27| 1 Kommentar

Im Herbst ist für viele Autofahrer eine arbeitsreiche Jahreszeit: nicht nur, dass das Fahrzeug winterfest gemacht werden muss; auch ist Ende November ein Wechsel der Autoversicherung möglich. Dies bedeutet für viele ein intensives Preisevergleichen der verschiedenen Anbieter, denn schließlich möchte man ja im kommenden Jahr den einen oder anderen Euro sparen… Doch ist ein Kfz-Versicherungswechsel tatsächlich nur zu diesem Zeitpunkt möglich? Oder bestehen auch andere Möglichkeiten einer Kündigung?

Versicherungswechsel (© Birgit Reitz-Hofmann - Fotolia)
Versicherungswechsel
(© Birgit Reitz-Hofmann - Fotolia)

In der Regel ist es so, dass Kfz-Versicherungsverträge zum Jahresende auslaufen und eine Kündigungsfrist von einem Monat besitzen. Stichtag wäre somit der 30. November. Dies bedeutet, dass die Kündigung spätestens an diesem Tage bei der Versicherungsgesellschaft vorliegen muss, damit sie noch für das bestehende Kalenderjahr angenommen werden kann. Wird keine Kündigung ausgesprochen beziehungsweise trifft diese zu spät bei dem Versicherer ein, verlängert sich der Versicherungsvertrag automatisch um ein weiteres Jahr.

Obwohl die meisten Kfz-Versicherungen kalenderjährlich abgeschlossen werden, ist es dennoch ratsam, einen Blick in den eigenen Vertrag zu werfen, denn es bestehen Ausnahmen: so gibt es durchaus Verträge, die in einem ganz anderen Kalendermonat beginnen als angenommen, zum Beispiel am 01. Juni. Ist dies der Fall, so muss die Kündigung spätestens am letzten Tag des vor-vorherigen Monates bei der Versicherungsgesellschaft eingehen; bei dem oben angegebenen Beispiel wäre das somit der 30. April.

Es gibt jedoch Ausnahmen, die eine außerordentliche Kündigung der Kfz-Versicherung begründen. Zu diesen zählen:

  • Beitragserhöhung oder Änderung der Vertragsbedingungen

  • Schadensfall

  • Neuzulassung oder Fahrzeugwechsel

Wenn eine Kfz-Versicherung zum Jahreswechsel ihre Beiträge erhöht, so steht dem Versicherungsnehmer ein Sonderkündigungsrecht von vier Wochen zu. Dies bedeutet, dass er innerhalb von vier Wochen, nachdem er von der Änderung Kenntnis erhalten hat, einen Versicherungswechsel vorzunehmen hat.

Auch eine Änderung der Vertragsbedingungen, beispielsweise bezogen auf die Typen- oder Regionalklasse, begründet eine außerordentliche Kündigung. Dabei müssen sich jedoch die Beiträge erhöhen. Eine Vergünstigung der Typen- oder Regionalklasse aufgrund einer Anpassung führt nicht dazu, dass ein Versicherter außerordentlich kündigen darf. Dasselbe gilt in jenen Fällen, in denen sich die Regionalklasse des Versicherten ändert, weil er umgezogen ist. Ändern sich die Vertragsbedingungen aufgrund neuer gesetzlicher Vorschriften, so bleibt das Sonderkündigungsrecht dennoch bestehen.

Auch ist zu beachten, dass die Beitragserhöhung nicht mit einer angemessenen Erweiterung des Leistungsumfangs einhergehen darf. Ist dies der Fall, so kann das Sonderkündigungsrecht unter Umständen entfallen. Erhöht eine Versicherungsgesellschaft ihre Beiträge und teilt dies ihren Versicherten erst nach Jahreswechsel mit, so dürfen die Betroffenen die Versicherung rückwirkend zum 31. Dezember wechseln.

Hat ein Versicherter mit seinem Fahrzeug einen Schaden versursacht, so steht ihm danach ein vierwöchiges Sonderkündigungsrecht zu, wobei es nicht von Bedeutung ist, ob der betreffende Schaden seitens der Versicherung reguliert worden ist oder nicht.

Ein Sonderkündigungsrecht besteht ebenfalls bei einem Fahrzeugwechsel: wird der vorherige Wagen bei der Zulassungsstelle abgemeldet und ein neues Fahrzeug angemeldet, endet automatisch der Versicherungsschutz. Der Fahrzeughalter hat nun das Recht, seinen neuen Anbieter frei zu wählen.

Anders hingegen ist es in Fällen, in denen ein nicht abgemeldetes Fahrzeug verkauft wird: der Versicherungsnehmer hat kein Sonderkündigungsrecht für die bestehende Versicherung, allerdings geht sie automatisch auf den Käufer über. Dieser hat nun wiederum vier Wochen Zeit, die Versicherung zu wechseln. Geschaffen wurden derartige Regelungen, damit gewährleistet wird, dass generell ein Versicherungsschutz für ein Fahrzeug besteht. Aus demselben Grund ist es auch nicht gestattet, die Kfz-Versicherung zu kündigen, wenn ein Kraftfahrzeug stillgelegt wird. Die Versicherung wird für die Zeit der Stilllegung zu einer beitragsfreien Ruheversicherung, die jedoch sofort wieder aktiviert wird, sobald das betreffende Fahrzeug wieder fahrbereit ist.

Dies Stilllegung ist nicht zu verwechseln mit einer Verschrottung: bei dieser wird das betreffende Fahrzeug entsorgt, somit besteht ein Wagniswegfall, aufgrund dessen die Kfz-Versicherung automatisch beendet wird.

Schlagwörter: Autoversicherung, Versicherungswechsel, Kfz


Nachrichten zum Thema
  • BildWettbewerbswidrige Gutscheine bei Kfz-Reparaturen (06.01.2014, 13:58)
    Gutscheine von Kfz-Werkstätten für Folgeaufträge können bei der Reparatur eines Kaskoschadens mit Selbstbeteiligung des Kunden wettbewerbswidrig sein. Das hat der 4. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm am 12.11.2013 entschieden und damit das...
  • BildHaftungsbefreiung vom KFZ-Mietvertrag (12.10.2011, 09:29)
    Die Klägerin ist eine Kraftfahrzeugvermieterin. Im Juni 2008 verursachte der Beklagte einen Verkehrsunfall mit einem PKW, den die Klägerin an die Arbeitgeberin des Beklagten vermietet hatte. Der Beklagte führte das Fahrzeug nach einem Streit mit...
  • BildUnentgeltliche Überlassung eines Kfz mit Werbeaufdrucken (25.06.2008, 10:30)
    Der BFH hat klargestellt, dass auch die unentgeltliche Überlassung eines mit Werbeaufdrucken versehenen Kfz der Umsatzsteuer unterliegen kann (BFH vom 16.4.2008, Az. XI R 56/06).Im Streitfall ging es um eine Werbeagentur, die Werbeflächen an...
  • BildBundesverfassungsgericht: Kfz-Kennzeichen-Screening verfassungswidrig (11.03.2008, 12:14)
    Hessische und schleswig-holsteinische Vorschriften zur automatisierten Erfassung von Kfz-Kennzeichen nichtig Die Verfassungsbeschwerden mehrerer Kraftfahrzeughalter gegen polizeirechtliche Vorschriften in Hessen und Schleswig-Holstein, die zur...
  • BildKfz-Steuer-Chaos wegen Partikelfilter (10.05.2007, 19:49)
    Computer-Panne in den Zulassungsbehörden / Strafsteuer wird auch für Fahrzeuge mit Rußfilter abgerechnet Aufgrund einer Computer-Panne verschicken deutsche Zulassungsbehörden falsche Fahrzeugdaten zur Erstellung der Kfz-Steuerbescheide an die...
  • BildBFH: Keine Kfz-Steuervergünstigung für schwere Geländewagen (13.09.2006, 18:07)
    Durch die Aufhebung des § 23 Abs. 6a StVZO und damit der Gewichtsbesteuerung von sog. Kombinationsfahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 2,8 t hat sich nichts an der kraftfahrzeugsteuerrechtlichen Maßgeblichkeit des Begriffes...

Kommentar schreiben

11 + A/cht =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Simon  (13.03.2016 10:06 Uhr):
Vielen Dank für den Beitrag! Ich kann den Inhalt von eurem Beitrag nur unterstreichen. Ergänzend lässt sich vielleicht noch sagen, dass man bei einem Versicherungswechsel auf eine Werkstattbindung achten sollte. Ist diese Vorhanden, kann es sein, dass man beim Schadensfall das doppelte oder dreifache der Selbstbeteiligung zahlen muss, wenn das Auto nicht in der Vertragswerkstatt repariert wird. Mit diesem und weiteren Problemen habe ich mich auf meiner website inn meinem eBook befasst. http://lastsimon.de/5-fehler Ich hoffe ich konnte euren Artikel damit noch etwas ergänzen. Liebe Grüße.





Weitere Versicherungsrecht-Ratgeber


Anwalt für Versicherungsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.