Was bedeutet das Schild „Durchgangsverkehr“?

Autor: , verfasst am 18.05.2015, 08:45| 1 Kommentar

Als Fahrzeugführer kommt es immer wieder vor, dass man mit dem Begriff „Durchgangsverkehr“ konfrontiert wird, welcher auf Vorschriftzeichen zu lesen ist. Dieser wird in der Regel auf einem Schild unterhalb und oberhalb von Verkehrsschildern gezeigt, überwiegend mit dem Durchfahrtsverbotsschild sowie einem Schild bezüglich der zulässigen Gesamtmasse eines Kraftfahrzeugs. Doch was bedeutet das Schild „Durchgangsverkehr“ eigentlich? Und für wen gilt dieses Zeichen?

Was ist der Durchgangsverkehr?

Beim Durchgangsverkehr handelt es sich um jenen Verkehr, der eine bestimmte Straße nur deswegen nutzt, um von A nach B zu kommen, ohne dass er an der betreffenden Straße ein eigenes Ziel verfolgen würde. Diese Durchgangsstraßen verlaufen durch eine Ortschaft und sind in der Regel für diejenigen Fahrzeuge gedacht, die von außerhalb dieses Ortes kommen, ihn nur passieren möchten und dann ein Ziel ansteuern, welches wiederum außerhalb des Ortes liegt. Demzufolge werden sie überwiegend von überörtlichem Verkehr genutzt.

Das Schild „Durchgangsverkehr“ gemäß der StVO

Durchgangsverkehr (© jojoo64 - fotolia)
Durchgangsverkehr
(© jojoo64 - fotolia)

In der Straßenverkehrsordnung erscheint dieses Verkehrszeichen im Zusammenhang mit Schild Nummer 253, dem „Verbot für Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 t einschließlich ihrer Anhänger. Erscheint es irgendwo mit einem Zusatzzeichen (beispielsweise „12 t“), so bedeutet dies, dass das Durchgangsverkehrsverbot auf Fahrzeuge beschränkt ist, welche inklusive Anhänger ein zulässiges Gesamtgewicht von dem unten angegebene (in diesem fall 12 t) überschreiten.

Wann liegt kein Durchgangsverkehr vor?

Gemäß § 41 StVO liegt kein Durchgangsverkehr vor, wenn die jeweilige Fahrt

a) dazu dient, ein Grundstück an der vom  Verkehrsverbot betroffenen Straße oder an einer Straße, die durch die vom Verkehrsverbot

betroffene Straßen erschlossen wird, zu erreichen oder zu verlassen,

b) dem Güterkraftverkehr im Sinne des §1 Abs. 1 des Güterkraftverkehrsgesetzes in einem Gebiet innerhalb eines Umkreises von 75 km, gerechnet in der Luftlinie vom Mittelpunkt des zu Beginn einer Fahrt ersten Beladeortes des jeweiligen Fahrzeugs (Ortsmittelpunkt) dient; dabei gehören alle Gemeinden, deren Ortsmittelpunkt innerhalb des Gebietes liegt, zu dem Gebiet, oder

c) mit in §1 Abs. 2 des Autobahnmautgesetzes für schwere Nutzfahrzeuge bezeichneten Fahrzeugen durchgeführt wird.

Dies bedeutet also, dass ein Durchgangsverkehr nur dann gegeben ist, wenn es sich dabei tatsächlich um fließenden Verkehr handelt. In dem Moment, in dem ein Fahrzeugführer auf die Idee kommt, die Durchgangsstraße nur als Abkürzung zu benutzen, um an sein eigentliches Ziel zu gelangen, begeht er eine Ordnungswidrigkeit.

Es bestehen jedoch Ausnahmen: so urteilte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main, dass Fahrten, die dem Erreichen oder Verlassen eines im Verbotsbereich gelegenen Grundstücks dienen, uneingeschränkt privilegiert sind [OLG Frankfurt am Main, 27.11.2009, 2 Ss OWi 164/09].

Fazit: Das Schild „Durchgangsverkehr bezeichnet eine Verkehrssituation, in der eine bestimmte Straße nur zum Durchqueren einer Ortschaft genutzt werden darf. Relevant ist dieses Schild für Lkws, da es sich auf Fahrzeuge bezieht, die ein bestimmtes zulässiges Gesamtgewicht überschreiten.

Schlagwörter: durchgangsverkehr, Verkehrsschild


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Trucker R  (16.02.2017 04:44 Uhr):
Es liegt doch aber eine Durchfahrt auch nur dann vor, wenn man die Strecke vom genau bezeichneten Anfang des Fahrverbotes bis zum genau bezeichneten Ende des Fahrverbotes zurückgelegt hat. Ergo befährt man diese Strecke erst an einem späteren Punkt als das ausgewiesene Fahrverbot anfängt, oder verlässt den Geltungsbereich früher, ist man doch nicht auf der Durchfahrt des gesamten Geltungsbereiches.




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