Wann darf man ein Auto oder LKW rechts überholen?

Autor: , verfasst am 13.06.2017, 08:11| Jetzt kommentieren

Dass Autofahrer in der Regel einen anderen Wagen oder LKW nicht rechts überholen dürfen, ergibt sich aus der Vorschrift von § 5 Abs. 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Darin heißt es: „Es ist links zu überholen“. Trotz dieses Wortlautes handelt es sich hierbei nur um einen Grundsatz, der nicht immer gilt.

Mehrere Fahrstreifen in geschlossenen Ortschaften

Eine wichtige Ausnahme sieht die Regelung des § 7 Abs. 3 StVO für Straßen innerhalb von geschlossenen Ortschaften vor. Hier ist das rechts überholen auf jeden Fall dann für Fahrzeuge bis zu 3,5 Tonnen gestattet, wenn sich auf der Fahrbahn mehrere Fahrstreifen für die jeweilige Fahrtrichtung befinden. Diese müssen allerdings markiert sein.

Abgehende Fahrbahn mit breiter Linie

Darüber hinaus dürfen Sie auch dann an einem vorausfahrenden Fahrzeug rechts vorbeifahren, wenn Sie sich auf einer abgehenden Fahrbahn befinden, die es vor allem bei Autobahnen und Kraftfahrzeugstraßen gibt. Dies gilt dann, wenn dieser mit einer breiten Linie versehen ist. Dies ergibt sich aus § 7a StVO.

Vorsicht beim Ausfädelungsstreifen

Unter einer abgehenden Fahrbahn ist allerdings nicht der Ausfädelungsstreifen zu verstehen, der früher als Verzögerungsstreifen bezeichnet wurde. Hier dürfen Sie normalerweise nicht schneller fahren. Anders ist die Situation nur, wenn der Verkehr neben ihnen stockt oder sogar steht. Hier dürfen Sie mit „mäßiger Geschwindigkeit“ fahren. Dabei müssen Sie jedoch besonders vorsichtig sein. Einen Ausfädelungsstreifen erkennt man daran, dass die gestrichene Linie nur über die übliche Breite verfügt.

Überholen von Autos (© hykoe - Fotolia.com)
Überholen von Autos
(© hykoe - Fotolia.com)

Auf dem Beschleunigungsstreifen

Des Weiteren dürfen Sie auch dann schneller fahren, wenn Sie außerhalb einer geschlossenen Ortschaft etwa auf eine Autobahn fahren möchten und sich noch auf dem Beschleunigungsstreifen (dem sogenannten „Einfädelungsstreifen“) befinden.

Rechts überholen bei Stau oder zähflüssigem Verkehr

Das Verbot rechts zu überholen gilt unter Umständen dann nicht, wenn sich auf der linken Fahrbahn einer mehrspurigen Strecke - wie z.B. einer Autobahn - ein Stau oder zähflüssiger Verkehr befindet. Dies folgt aus § 7 Abs. 2 sowie 2a StVO. Wann diese Voraussetzungen vorliegen, ist nicht genau im Gesetz definiert. Die Fahrzeuge auf der linken Fahrbahn sollten auf jeden Fall weniger schnell als 60 km/h fahren - am besten fast schon im Schritttempo. In diesem Fall müssen Sie sehr vorsichtig sein und dürfen maximal 20 km/h schneller fahren. Dies ergibt sich aus einer Entscheidung des Kammergerichtes Berlin vom 25.11.2002 - 12 U 110/01

Konsequenzen bei unzulässigem rechts überholen

Wenn Sie rechts überholen obwohl dies nicht erlaubt ist, müssen Sie auf jeden Fall mit einem Bußgeld rechnen. Dieses beträgt innerhalb einer geschlossenen Ortschaft mindestens 30 Euro und außerhalb geschlossener Ortschaften wenigstens 100 Euro (vgl. Nr. 16ff. des Bußgeldkataloges BKat).

Darüber hinaus müssen Sie beim verbotenen rechts überholen außerhalb einer geschlossenen Ortschaft mit einem Punkt im Fahreignungsregister des Kraftfahrt-Bundesamtes mit Sitz in Flensburg rechnen.

Kommt es dadurch zu einem Verkehrsunfall oder einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, müssen Sie darüber hinaus mit einer Geldstrafe oder sogar Freiheitsstrafe rechnen. In Betracht kommen etwa die Straftatbestände der Gefährdung des Straßenverkehrs nach § 315c StGB, der fahrlässigen Körperverletzung nach § 229 StGB sowie der fahrlässigen Tötung nach § 222 StGB.

Fazit:

Von daher sollten Sie nur dann rechts überholen, wenn Sie sicher sind, dass Sie das wirklich dürfen. Dabei sollten Sie besonders vorsichtig sein, weil es sonst schnell zu einem Verkehrsunfall kommt.

 

Autor: Harald Büring (Juraforum-Redaktion)


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