Vorgetäuschter Verkehrsunfall: Was dafür spricht

Autor: , verfasst am 22.10.2015, 07:12| Jetzt kommentieren

Welche Indizien sprechen dafür, dass ein Verkehrsunfall nur vorgetäuscht worden ist? Dies ergibt sich aus einer Entscheidung des OLG Hamm.

Ein Autofahrer machte wegen einem erlittenen Verkehrsunfall einen Anspruch auf Schadensersatz geltend. Doch der angebliche Schädiger wehrte sich und berief sich darauf, dass der Unfall nur vorgespielt worden sei. Dafür spreche unter anderem der ungewöhnliche Ablauf des Unfalls, die hohe Laufleistung des Klägers und dass dieser seinen Wagen nach Osteuropa verkauft habe.

Das Oberlandesgericht Hamm verwies mit Hinweisbeschluss vom 11.06.2015 – I-6 U 248/14 und 6 U 248/14 darauf, dass es einen Anspruch auf Schadensersatz nicht für gegeben ansieht. Für einen vorgetäuschten Unfall spricht vor allem, dass der Beklagte mit einer Geschwindigkeit lediglich von 20 bis 30 km/h abgebogen und ohne erklärbaren Grund nach rechts auf den Parkstreifen abgekommen und gegen das Fahrzeug des Klägers gekommen ist. Hinzu kommt, dass diese Kreuzung sehr übersichtlich gewesen ist und es sich bei dem Wagen des Anspruchsstellers um einen älteren Luxuswagen gehandelt hat. Besonders suspekt war den Richtern, dass der Kläger sein Fahrzeug nach Osteuropa veräußert hat. Diese Indizien sah das Gericht als ausreichend an.

Ein vorgetäuschter Verkehrsunfall hat normalerweise zur Folge, dass ein Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld gegenüber dem vermeintlichen Schädiger entfällt. Darüber hinaus entfällt auch ein Anspruch gegenüber der Kfz-Haftpflichtversicherung. Schließlich kommt das Vorliegen von einem Versicherungsbetrug nach § 263 StGB in Betracht. Hierbei handelt es sich um kein Kavaliersdelikt, sondern um eine schwere Straftat. Autofahrer sollten dies daher nicht auf die leichte Schulter nehmen. Autofahrer sollten bei einem Verkehrsunfall besser die Polizei rufen, wenn ihnen etwas merkwürdig erscheint.

vorgetäuschter Verkehrsunfall (© hero - Fotolia.com)
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(© hero - Fotolia.com)

Quelle: Harald Büring (Juraforum.de)

 

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