Verkehrsunfall und Schadensregulierung: darf die Versicherung auf eine günstigere Werkstatt verweisen?

Autor: , verfasst am 02.09.2015, 06:21| 1 Kommentar

Bei einem Verkehrsunfall haben Sie als Geschädigter Schadensersatzansprüche. Diese umfassen die Reparatur des Autos, den Nutzungsausfall sowie die Rechtsanwaltskosten. Gegebenenfalls haben Sie auch Schmerzensgeldansprüche. Eine Besonderheit gibt es bei Verkehrsunfällen: Sie können bezüglich der Reparatur wählen, ob Sie das Geld für die Reparatur erhalten und selber reparieren, oder in eine Fachwerkstatt gehen. Doch wie verhält es sich mit der Höhe der Ansprüche und der Schadensregulierung?

Grundsatz:

Wie bereits gesagt, haben Sie als Geschädigter das Recht, den Schaden am Fahrzeug selber zu beheben und dafür das Geld von der Versicherung zu erhalten. Das Geld das Sie hierfür bekommen, umfasst keine Mehrwertsteuer. Sie erhalten "nur" den Nettobetrag der Reparatur.

Sie können so den Schadensersatz fiktiv auf der Basis der von einem Sachverständigen ermittelten Preise markengebundener Fachwerkstätten abrechnen.

Autounfall (© hero - Fotolia)
Autounfall
(© hero - Fotolia)

Darf die Versicherung auf eine günstigere Reparaturwerkstatt verweisen?

Die gegnerische Versicherung jedoch die Möglichkeit, Sie auf eine preisgünstigere Werkstatt zu verweisen, wenn diese Werkstatt für Sie als Geschädigter mühelos erreichbar ist, und die Qualität der Reparatur in dieser Werkstatt genauso hoch ist, wie die Qualität einer markengebundenen Werkstatt. Das bedeutet, dass die gegnerische Versicherung sich so Geld sparen kann, da sie wegen dem Verweis auf die günstigere Werkstatt Ihre Ansprüche kürzt.

Aber: die Versicherung darf dies nach höchstrichterlicher Rechtssprechnung (BGH, Urteil vom 20.10.2009 – VI ZR 53/09) in den folgenden Fällen nicht:

  • Das Unfallfahrzeug ist nicht älter als drei Jahre
  • Das Unfallfahrzeug ist älter als drei Jahre, wurde aber in der Vergangenheit immer in einer markengebundenen Fachwerkstatt wegen der Scheckheftpflege" gewartet oder wurde bei einem früheren Unfall bereits in einer markengebundenen Fachwerkstatt repariert
  • Die von der gegnerischen Versicherung genannte Werkstatt ist nur deswegen günstiger als eine markengebundene Fachwerkstatt, weil die Preise dieser Werkstatt keine marktüblichen Preise sind, sondern ausgehandelte Sonderkonditionen mit dem Versicherer

In diesen Fällen darf die Versicherung den Geschädigten des Verkehrsunfalls nicht auf eine günstigere Werkstatt verweisen. In allen anderen Fällen dürfen leider der Schädiger und die gegnerische Versicherung auf eine kostengünstigere Reparaturmöglichkeit verweisen.

Praxistipp:

Sollten Sie einen Verkehrsunfall haben gehen Sie am besten zu einem Anwalt. Er kann Ihnen alles zeigen was wichtig ist, und alle Anträge für Sie stellen. In diesen Fällen haben Sie weit weniger Ärger und Zeitverlust mit der Schadensregulierung. Und das Beste dabei ist: es kostet Sie nichts. Die Anwaltskosten gehören zum Schadensersatz, und diesen übernimmt die gegnerische Versicherung.words:

Schlagwörter: Verkehrsunfall, Schadensersatz, Unfallfahrzeug, Schadensersatz, Schadensregulierung


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Name  (25.05.2016 21:47 Uhr):
"wenn diese Werkstatt für Sie als Geschädigter mühelos erreichbar ist, und die Qualität der Reparatur in dieser Werkstatt genauso hoch ist" Was ist denn für die dann nicht mühelos? Für mich bedeutet das, wenn ich in der Straße wo ich wohne eine Werkstatt habe, ist jede andere automatisch nur mühevoll erreichbar, weil ich dann ein Taxi dahin brauche. Und wie soll man die Qualität im Vornherein oder generell abschätzen können?




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