Unfall im Ausland: praktische Tipps für Autofahrer

Autor: , verfasst am 13.01.2015, 07:24| Jetzt kommentieren

Nach einem Verkehrsunfall im Ausland ist für Betroffenen vor allem die schnelle Schadensregulierung besonders wichtig. Ca. 150.000 Deutsche sind jährlich betroffen. Welche Rechte Sie Im Ausland haben und was Sie bei einem Unfall beachten müssen.

Welche Verhaltensregeln sie beachten sollten

Die Erstmaßnahmen bei einem Autounfall im Ausland unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in Deutschland. Nach einem Unfall ist es wichtig Ruhe zu bewahren und Folgendes zu beachten.

Zunächst sollte wie in Deutschland auch die Unfallstelle abgesichert werden. Dazu sollten Sie die Warnblinkanlage einschalten, die Warnweste anziehen ( Pflicht in fast allen europäischen Ländern ), das Warndreieck aufstellen und bei geringfügigen Schäden das Kfz schnellstmöglich aus der Gefahrenzone schaffen. Falls notwendig sollten Rettungsdienst bzw. Feuerwehr verständigt werden, sowie Erste Hilfe geleistet werden.

Autounfall  (© hero - Fotolia)
Autounfall
(© hero - Fotolia)

Unfall richtig dokumentieren

  • lassen Sie sich die Ausweispapiere des Unfallgegners zeigen

  • notieren Sie Kennzeichen, Anschrift Fahrzeughalter, Versicherer, Vertragsnummer des Unfallgegners sowieOrt und Zeit des Unfalls machen Sie Fotos vom Unfall und den beteiligten Fahrzeugen und notieren Sie die Daten von möglichen Unfallzeugen.

Besonders wichtig ist das Ausfüllen des Europäischen Unfallberichts. Dieser sollte gemeinsam mit dem Unfallgegner erstellt werden. Formulare finden Sie meist Online auf der Homepage Ihrer Versicherung. In manchen europäischen Ländern sind die Angaben im Unfallbericht alleinige Beurteilungsgrundlage für die Haftung hinsichtlich der Unfallfolgen und nicht mehr anfechtbar. Unterschreiben Sie daher kein Schriftstück, dass nicht in einer für Sie verständlichen Sprache verfasst ist oder dessen Inhalt Sie nicht voll und ganz verstehen..

Bei jedem Verkehrsunfall im Ausland  sollte zudem die Polizei verständigt werden, insbesondere bei Personenschäden, hohen Sachschäden, streitiger Haftung, fehlendem Versicherungsnachweis des Gegners oder Unfallflucht. In Ungarn, Kroatien, Tschechien, Polen, Rumänien, Slowakei, Bulgarien und Slowenien ist das polizeiliche Unfallprotokoll alleinige Grundlage für die Schadensregulierung. Dort sollte daher auch bei kleineren Blechschäden die Polizei verständigt werden und jeweils eine Durchschrift des Unfallprotokolls verlangt werden. Zuletzt sollte gerade bei Schäden im Ausland die eigene Kfz-Versicherung informiert werden, selbst wenn Sie nicht Schuld am Unfall waren.

Schadenregulierungs-Beauftragter

Wer einen Unfall in den EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz hatte, muss sich nicht direkt mit der ausländischen Versicherung des Unfallgegners in Verbindung setzten, um Ansprüche geltend zu machen. Die Schadenabwicklung erfolgt im Normalfall über einen sog. Schadenregulierungs-Beauftragten der ausländischen Versicherung. Er ist in Deutschland ansässig und Sie können sich in deutsch mit ihm verständigen. Dieser kann über den Zentralruf der Autoversicherer Hamburg unter der kostenfreien Rufnummer (0800) 25 026 00 ermittelt werden. Bei Unfällen in anderen Ländern sollte ein dort ansässiger Anwalt in Anspruch genommen werden um Ihre Ansprüche geltend zu machen.

Haben Sie selbst den Unfall verursacht, ist Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung, die in Deutschland für Ihr eigenes Fahrzeug abgeschlossen wurde, im europäischen Ausland genauso gültig wie daheim und reguliert die Schäden. Die Grüne Versicherungskarte, welche Sie meist mit ihren Versicherungsunterlagen erhalten, dient als Nachweis, dass Ihr Fahrzeug haftpflichtversichert ist.

Welche Schäden ersetzt werden müssen

Der Geschädigte hat grundsätzlich einen Anspruch auf den Ersatz aller materiellen und immateriellen Schäden sowie einen Anspruch auf Zahlung eines angemessenen Schmerzensgeldes bei unfallbedingten Verletzungen.

Zu beachten ist aber, dass nach Artikel 40 I EGBGB das Recht des Staates angewandt wird, in dem sich der Verkehrsunfall ereignet hat. Folge ist, dass anders als nach deutschem Schadensersatzrecht, häufig nur in geringerem Umfang Entschädigungsansprüche bestehen, wenn ausländisches Recht Anwendung findet. Auch ist zu beachten, dass ausländische Haftpflichtversicherungen deutsche ärztliche Atteste häufig nicht anerkennen, weshalb unmittelbar nach dem Unfall ein dort ansässiger Arzt konsultiert werden sollte, sofern Sie verletzt wurden und Schmerzensgeldansprüche geltend machen wollen. Präventiv sollte eine Auslands-Schadenschutzversicherung in Ihre bestehende Kfz-Haftpflichtversicherung aufgenommen werden.Die springt für Forderungen ein, die von der ausländischen Versicherung aufgrund des ausländischen Rechts nicht übernommen werden müssen, Ihnen aber nach deutschem Recht zustehen würden.

Zahlt die ausländische Versicherung nicht, kann die Klage mit Hilfe eines Anwalts in Deutschland erhoben werden. Dies erleichtert die Unfallregulierung wesentlich auch wenn das ausländische Recht dabei weiterhin Anwendung findet.

Fazit

Vor jeder Auslandsreise sollten Sie sich über die jeweiligen Gegebenheiten des Landes für den Fall eines Unfalls informieren um keine bösen Überraschungen zu erleben. Ebenfalls sollten Sie erfragen, in welchem Umfang Ihre eigene Versicherung Schäden ersetzt und für Forderungen einspringt. Verständigen Sie auch bei kleineren Schäden immer die Polizei um den Unfallhergang nachweisbar zu dokumentieren.

Schlagwörter: Unfall Ausland Versicherung, Verkehrsunfall, Europäischer Unfallbericht,


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