Mitschuld bei Verkehrsunfall – So verschenken Sie kein Geld

Autor: , verfasst am 18.07.2017, 08:11| Jetzt kommentieren

Bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall ist der Schaden grundsätzlich durch die gegnerische Haftpflichtversicherung zu bezahlen. Anders ist es, wenn man am Unfall eine Teilschuld trägt. Um nicht auf zu vielen Kosten sitzen zu bleiben, sollte man im Zuge des Quotenvorrechts die Haftpflicht- und Kaskoabrechnung kombinieren. So hat man die Möglichkeit den Schaden fast vollständig bezahlt zu bekommen.

Nach einem Unfall, den Sie mitverschuldet haben, sollten Sie ihre Vollkaskoversicherung zuerst in Anspruch nehmen, denn die Inanspruchnahme der eigenen Vollkaskoversicherung hat viele Vorteile.

Beispielrechnung:

Erstmal muss von einem qualifizierten Anwalt ihre Haftungsquote bestimmt werden. In dieser Rechnung wird davon ausgegangen, dass Sie an dem Verkehrsunfall eine Teilschuld von 40% haben und ihr Gegner demnach zu 60%.

Sie haben einen Schaden am Auto von 10.000 Euro. Die Kosten belaufen sich wie folgt:

Reparaturkosten 8.000€

Wertminderung 500€

Abschleppkosten 400€

Nutzungsausfall 280 €

Sachverständigenkosten 800€

Unkostenpauschale 20€

Gesamtschaden 10.000

 

Ein Fehler den viele machen: Sie melden den Schaden zuerst bei der gegnerischen Haftpflicht

Die gegnerische Haftpflichtversicherung reguliert aufgrund der Haftungsquote 60%. Die beläuft sich auf einen Betrag von 6.000€. Ihre Vollkasko übernimmt nur die Reparaturkosten, die aber bereits zu 60% durch die gegnerische Haftpflichtversicherung reguliert sind. Demnach müsste ihre Kaskoversicherung 3200€ bezahlen. Allerdings kürzt sich dieser Betrag durch eine Selbstbeteiligung von 700€ auf 2500€.

Insgesamt erhalten Sie von beiden Versicherungen einen Gesamtbetrag von 8.500€.

 

Richtiges Verhalten: Melden Sie den Schaden zuerst bei der eignen Kaskoversicherung

Die eigene Vollkaskoversicherung übernimmt die reinen Reparaturkosten in Höhe von 8.000€ abzüglich der Selbstbeteiligung von 700€. Demnach reguliert die Versicherung einen den Schaden mit einem Betrag von 7.300€. Die restlichen Schadenspositionen muss nun aber die gegnerische Haftpflichtversicherung aufgrund des Quotenvorrechts teilweise zu 100% und teilweise zu 60 % aufgrund der Haftungsquote übernehmen.  

100-%-Regulierung für: Selbstbeteiligung, Abschleppkosten, Wertminderung, Sachverständigenkosten und Abschleppkosten.

60-%-Regulierung für: Nutzungsausfall, Unkostenpauschale und Rückstufungsschaden für die Inanspruchnahme der eigenen Kaskoversicherung.

So ergeben sich zu regulierende Kosten für die gegnerische Haftpflicht von:

Reparaturkosten 0€

Wertminderung 600€

Abschleppkosten 400 €

Nutzungsausfall 112€

Sachverständigenkosten 800€

Unkostenpauschale 8€

Selbstbeteiligung 700€

Gesamt 2620€

 

Die gegnerischen Haftpflicht reguliert einen Betrag von 2620€. Mit den 7300€ von ihrer Vollkasko kommen Sie auf einen Betrag von 9920€.  

 

Fazit:

Jeder der sich auskennt weiß, dass die Anwendung des Quotenvorrechts für den Geschädigten Sinn macht, sofern der Unfallgegner eine Mithaftung trägt.

Haben Sie einen ähnlichen Fall. Kontaktieren Sie uns. Unser Anwalt für Verkehrsrecht hilft Ihnen gerne!

 

Schlagwörter: Quotenvorrecht, Teilschuld, Mitschuld, Verkehrsunfall, Haftpflichtversicherung, Vollkasko

Sie wünschen Rechtsberatung zu dem Thema des Artikels?
Nutzen Sie dieses Formular zum Kontakt mit Dominik Gräf:


Sicherheitsfrage:

Datenschutzerklärung gelesen und einverstanden

Nachrichten zum Thema
  • BildKollision mit Transporter – Elfjährige Fußgängerin trifft 70-prozentige Mitschuld (27.05.2010, 14:57)
    Hamburg/Berlin (DAV). Ein elfjähriges Kind, das trotz roter Ampel eine Kreuzung überquert, um seinen Schulbus zu erreichen, kann bei einem Verkehrsunfall eine Mitschuld von bis zu 70 Prozent treffen. Über dieses Urteil des Landgerichts Hamburg vom...
  • BildHaftungsbeteilung für Autofahrer auch bei nur mittelbarer Mitschuld an Unfall (16.10.2008, 15:24)
    Norderstedt/Berlin (DAV). Auch wer eigentlich Vorfahrt hat, kann unter Umständen nach einem Unfall einen Teil des Schadens tragen müssen. Missachtet ein vorfahrtberechtigter Autofahrer eine rote Ampel und kollidiert auf der darauf folgenden...
  • BildLinks abbiegen ohne „Schulterblick“ - bei Unfall Mitschuld (17.04.2008, 09:40)
    Karlsruhe/Berlin (DAV). Möchte ein Autofahrer links abbiegen und versäumt es dabei, sich vorher zweimal umzuschauen, haftet er im Falle eines Unfalles für ein Drittel des Schadens. Dies teilt die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen...
  • BildGlatteisunfall: Alle Beteiligten tragen Mitschuld (10.11.2006, 14:42)
    Berlin (DAV). Wer auf eisglatter Straße in einen Unfall verwickelt wird, muss einen Teil des Schadens immer selbst zahlen. Dies geht nach Angaben der Deutschen Anwaltauskunft in Berlin aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main vom 18....
  • BildVerkehrsunfall im Ausland (22.06.2006, 18:45)
    - Schadensersatzansprüche können in Deutschland durchgesetzt werden - Berlin (DAV). Lange war die Urlaubsreise geplant. Das Auto ist vollgepackt und die Freude groß. Nach einem Verkehrsunfall im Urlaubsland und dem folgenden Ärger mit der...
  • BildAnwaltskosten werden beim Verkehrsunfall ersetzt (05.11.2004, 11:48)
    Berlin (DAV). Bei einem Verkehrsunfall muss die gegnerische Versicherung auch die Kosten für den hinzugezogenen Anwalt bezahlen. Dies gilt auch für einfach gelagerte Fälle, solange sie nicht unter dem Gesichtspunkt des Rechtsmissbrauchs abzulehnen...





Autor des Artikels

Rechtsanwältin
Gräf & Centorbi Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Logo
Isaac-Fulda-Allee 5
55124 Mainz (Gonsenheim)
Deutschland

Termin: Terminanfrage


Inhaltsverzeichnis


Weitere Verkehrsrecht-Ratgeber

Passende Rechtsanwälte:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.