Darf man im Sommer seinen Hund im Auto lassen?

Autor: , verfasst am 16.01.2015, 07:50| 1 Kommentar

Warme Sommertage erfreuen in der Regel die meisten Menschen. Auch Hunde können durchaus ihren Spaß haben, wenn sie sich draußen im Freien befinden, eventuell einen Sprung in einen See machen können oder einfach entspannt im Schatten liegen dürfen. Weniger entspannt hingegen sind sie, wenn Herrchen oder Frauchen mit ihnen im Auto fährt und dann mal schnell zum Bäcker, in den Supermarkt oder sonst wohin verschwindet – und den Vierbeiner im Auto zurücklässt. Aber ist das überhaupt gestattet? Darf man im Sommer seinen Hund im Auto zurücklassen?

Ein Blick auf die Temperaturen im Innenraum eines Fahrzeuges gibt Antwort: während der Fahrt ist an heißen Tagen entweder die Klimaanlage eingeschaltet oder ein Fenster geöffnet, durch das der Fahrtwind wehen kann. Bei stehenden Fahrzeugen ist dies logischerweise nicht der Fall, und innerhalb von Minuten herrschen im Inneren tropische Temperaturen von bis zu 70°C. Kein Klima, in dem sich Tiere wohl fühlen. Auch manche wohlgemeinten Maßnahmen, wie beispielsweise ein offener Fensterschlitz oder ein schattiger Parkplatz, bieten keine Abhilfe für die Verbesserung des Wohlbefindens des Vierbeiners. Zunächst versucht ein Hund, durch Hecheln seinen Körper abzukühlen; andere Möglichkeiten werden sich ihm kaum bieten, da er kaum Schweißdrüsen besitzt. Innerhalb kürzester Zeit hilft das Hecheln auch nichts mehr; die Hunde erleiden einen Herzstillstand oder irreparable Schäden an den Organen, welche selbst dann noch eintreten können, wenn das Tier bereits aus der Gefahrenzone befreit worden ist. Vor diesem Hintergrund ist klar, dass es nicht erlaubt ist, seinen Hund im Sommer beziehungsweise generell an heißen Tagen im Auto zu lassen. Eine strafbare Handlung ist es dennoch nicht.

Gemäß § 18 Abs.1 TierSchG wird es als eine Ordnungswidrigkeit angesehen, wenn jemand „einem Wirbeltier, das er hält, betreut oder zu betreuen hat, ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt“. Einen Hund bei Hitze im Auto zu lassen, ist gleichbedeutend mit „ihm Schmerzen, Leiden oder Schäden“ zufügen, so dass dieser Paragraph Anwendung findet. Etwaige Polizei- oder Feuerwehreinsätze, die der Rettung des eingesperrten Tieres dienen, müssen zudem von demjenigen bezahlt werden, der es im Auto zurückgelassen hat [OVG Rheinland-Pfalz, 25.08.2005, 12 A 10619/05.OVG]. Die Polizei sowie die Feuerwehr sind wiederum dazu ermächtigt, sofort einzugreifen, wenn im Sommer ein Hund im Auto eingesperrt vorgefunden wird. Deswegen ist es immens wichtig, sich sofort an diese Ordnungskräfte zu wenden, wenn man ein eingesperrtes Tier sieht und dessen Herrchen nicht finden kann. Zusätzlich sollte der Entdecker des Tieres den kompletten Vorfall so genau wie möglich dokumentieren, möglichst mit Fotos, und sich nach Zeugen umsehen. Darüber hinaus sollte er Anzeige wegen Tierquälerei erstatten.

Wenn möglich, sollte man als Tierretter versuchen, den Wagen gegen die Sonne abzudunkeln – etwas Erleichterung bringt eine derartige Maßnahme den eingesperrten Hunden. Auch ist es sehr wichtig, das Tier genauestens zu beobachten, um eine eigene Überreaktion und vorschnelles Handeln zu vermeiden. Die wichtigsten Indizien für eine Überhitzung sind

Hund im Auto  (©  tiverylucky - Fotolia.com)
Hund im Auto
(© tiverylucky - Fotolia.com)
  • Apathie
  • Hecheln
  • Dunkle Zunge
  • Eventuell Unruhe
  • Glasiger Blick

In Situationen, in denen der Hund offenbar unter einem Hitzschlag leidet, ist Eile geboten. Da in derartigen Fällen das Eintreffen der Polizei nicht mehr abgewartet werden kann, darf der Hund auch von einer zivilen Person befreit werden. Dabei ist jedoch darauf zu achten, so geringe Schäden wie möglich am Fahrzeug zu verursachen. Das Einschlagen einer Scheibe ist in derartigen Notfällen gestattet, wobei nach Möglichkeit eine Seitenscheibe gewählt werden sollte. Dieses Einschlagen stellt eine Sachbeschädigung gemäß § 144 StGB dar, und es ist durchaus möglich, dass der Fahrzeughalter deswegen eine Anzeige erstatten wird. Der Tierretter kann sich jedoch auf den rechtfertigenden Notstand gemäß § 34 StGB berufen.

Schlagwörter: Hund im Auto, Hundehaltung


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

summi  (14.06.2016 10:10 Uhr):
Und wenn der Hund keinerlei Anzeichen von Hitze aufweist? Sondern einfach nur im Auto liegt und pennt, sagen wir mal bei 16° Außentemperatur, bewökt und windig? Und die Person einfach aus Überzeugung o.ä. Polizei ruft oder die Scheibe einschlägt.




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