Bei Rot über Ampel gefahren: Punkte & Führerschein weg?

Autor: , verfasst am 19.07.2016, 10:59| Jetzt kommentieren

Ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit oder der Übermut, dass man auf jeden Fall noch bei grün über die Ampel kommt; Gründe für das Überfahren einer roten Ampel gibt es zahlreiche, doch haben sie stets eine Gemeinsamkeit: die daraus resultierende Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer. Deshalb wird der Rotlichtverstoß als Ordnungswidrigkeit vergleichsweise streng geahndet. Doch gibt es deswegen trotzdem gleich Punkte in Flensburg sowie ein Fahrverbot?
 

Die Rechtslage für Autofahrer

Ein Rotlichtverstoß ist eine Ordnungswidrigkeit, weshalb sich Sanktionen nach dem Bußgeldkatalog richten. Dort sind unterschiedliche Sanktionen vorgeschrieben, je nachdem wie gravierend der fragliche Rotlichtverstoß war. Dabei wird zunächst zwischen dem „einfachen Rotlichtverstoß“ und dem „qualifizierten Rotlichtverstoß unterschieden“:

  • Bei einem einfachen Rotlichtverstoß war die Ampel weniger als eine Sekunde rot. Darüber hinaus darf wegen des Verstoßes keine Gefährdung für die anderen Verkehrsteilnehmer eingetreten sein.
     
  • Bei einem qualifizierten Rotlichtverstoß besteht die Rotlichtphase hingegen länger als eine Sekunde und / oder es liegt eine Gefährdung, wenn nicht sogar eine Sachbeschädigung, vor.

Im Einzelnen lauten die unterschiedlichen Sanktionen, je nach Tatbestand, wie folgt: [Stand: 2016]

Bei Rot über Ampel gefahren: Punkte & Führerschein weg? (© Sibylle Mohn - Fotolia.com)
Bei Rot über Ampel gefahren: Punkte & Führerschein weg?
(© Sibylle Mohn - Fotolia.com)

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Fahrverbot

Rotlicht missachtet

90 Euro

1

keins

mit Gefährdung

200 Euro

2

1 Monat

mit Sachbeschädigung

240 Euro

2

1 Monat

Rotlicht missachtet bei Rotphase länger als 1 Sekunde

200 Euro

2

1 Monat

mit Gefährdung

320 Euro

2

1 Monat

mit Sachbeschädigung

360 Euro

2

1 Monat


Im Einzelfall kann ein Rotlichtverstoß aber nicht nur als Verkehrsordnungswidrigkeit gewertet werden, sondern auch als Straftat. Nach § 315c StGB [Strafgesetzbuch] wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren bestraft, wenn beim Fahrer eine besondere Rücksichtslosigkeit festgestellt wurde. Zusätzlich kann eine Entziehung der Fahrerlaubnis erfolgen.

 

Die Rechtslage für LKW-Fahrer, Radfahrer und Fußgänger

Die Rechtslage für Autofahrer gilt selbstverständlich auch für LKW-Fahrer. Wer allerdings einen LKW führt, sollte beachten, dass der Bremsweg des Fahrzeugs länger ist als bei einem PKW. Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass auch ein LKW in der Lage sein muss, eine Vollbremsung durchzuführen. Gemäß der Straßenverkehrsordnung [StVO] muss deshalb die Ladung stets ordnungsgemäß gesichert sein. Anderenfalls kann sie bei einer unvermittelten Bremsung zu einem gefährlichen Geschoß werden, was wiederum ein Bußgeld nach sich ziehen kann.

Die Rechtslage für Radfahrer ist hingegen nicht mit der Rechtslage für Autofahrer bzw. LKW-Fahrer zu vergleichen, da nicht zuletzt von einem Radfahrer stets eine geringere Gefahr ausgeht. Dennoch muss sich auch ein Radfahrer an die Verkehrsvorschriften halten. Ein  Rotlichtverstoß wird deshalb mit einem Bußgeld i.H.v. 45 Euro sanktioniert; außerdem gibt es einen Punkt in Flensburg – selbst wenn man gar keinen Führerschein besitzt.

Letztlich sind auch Fußgänger Verkehrsteilnehmer, sodass die StVO auch für diese gilt. Entsprechend des zum Radfahrer Gesagten muss ein Fußgänger, der über eine rote Ampel läuft, regelmäßig lediglich ein Bußgeld i.H.v. 5 Euro befürchten. Kommt es jedoch wegen des Rotlichtverstoßes zu einem Unfall, so muss der Fußgänger 10 Euro zahlen.

 

Die Rechtslage für Fahranfänger

Wer sich in der Probezeit befindet, sollte besonders aufpassen, denn Fahranfänger müssen härtere Sanktionen befürchten. Ein Rotlichtverstoß ist nämlich ein sog. A-Delikt, weshalb zusätzlich zum Bußgeldbescheid eine Verlängerung der Probezeit erfolgt. Darüber hinaus muss der sich in der Probezeit befindliche Rotsünder ein Aufbauseminar absolvieren, anderenfalls wird der Führerschein dauerhaft entzogen.

 

Was tun, wenn man bei einem Rotlichtverstoß erwischt wird?

Wenn man einen Rotlichtverstoß begeht und deshalb von der Polizei oder Ordnungsbehörde angehalten wird, so sollte man zunächst zu den Vorwürfen schweigen. Anderenfalls kann eine unvorsichtige Aussage schnell zu einem Schuldeingeständnis werden. Pflicht sind lediglich Angaben zur Person und das Vorzeigen von Führer- und Fahrzeugschein.
Ähnlich verhält es sich, wenn man von einem Blitzer erwischt wird. Die Behörde wird sodann einen Anhörungsbogen an den Halter des Fahrzeugs schicken, um den Fahrer zu ermitteln. Es ist auch in dieser Variante ratsam, zunächst auf das Schreiben nicht zu reagieren.
Sinnvoll ist es hingegen in beiden Fällen, bereits zu diesem Zeitpunkt einen Anwalt für Verkehrsrecht zu Rate zu ziehen. Dieser kann prüfen, ob der Bußgeldbescheid wirksam erlassen wurde und ob die Beweismittel (etwa das Blitzerfoto) tatsächlich verwendbar sind. Sollte ein solcher Mangel gegeben sein, besteht die Möglichkeit einen Einspruch zu erheben.
 

Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Ampel, rot, überfahren, Rotlichtverstoß, Auto, PKW, LKW, Radfahrer, Fahrrad, Fußgänger, Probezeit, Punkte, Flensburg, Führerschein, Entzug, entziehen, Fahrverbot, Ordnungswidrigkeit, Bußgeldkatalog


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