Autounfall: Wie regelt man den Nutzungsausfall?

Autor: , verfasst am 05.05.2015, 06:44| Jetzt kommentieren

Wenn es einen Verkehrsunfall gibt, bekommt man als Geschädigter meistens den entstandenen Schaden ersetzt. Auch wenn es manchmal problematisch werden kann, bekommt man entweder den Schaden auf Gutachterbasis in Geld ersetzt und man repariert selbst; oder man lässt den Schaden in einer Werkstatt reparieren.

Aber in beiden Fällen kann man sein eigenes Auto für eine Zeit lang nicht benutzen. Dies ist vor allem dann ärgerlich, wenn man auf ein Auto dringend angewiesen ist. Dann können leicht Zusatzkosten wegen Taxi, Mietwagen o.ä. entstehen. Wie verhält es sich, wenn man in Folge eines Verkehrsunfalls sein Auto nicht benutzen kann? Gibt es dafür auch Geld oder Schadensersatz?

Nutzungsausfall

Wenn der Geschädigte einen Nutzungsausfall am Auto geltend machen will, hat er auch einen Anspruch darauf. Schließlich zahlt er Kosten nicht nur für das Auto an sich, sondern auch und vor allem für die Nutzungsmöglichkeit des Autos. Dazu gehören beispielsweise die Steuern und die Versicherung, die immer anfallen, egal ob man sein Auto nutzt oder nicht.

Autounfall (© hero - Fotolia.com)
Autounfall
(© hero - Fotolia.com)

Einiges ist jedoch bei der Geltendmachung des Nutzungsausfalls zu beachten

Wenn der Geschädigte jedoch den Nutzungsausfall gelten machen will, muss er nicht nur die Reparaturbestätigung als Nachweis beibringen. Er muss vielmehr auch den konkreten Zeitraum der tatsächlichen Reparatur nachweisen können. Dies entschied das OLG München, mit seinem Urteil vom 13.09.2014 (Az.: 10 U 859/13).

In diesem Fall hatte der Geschädigte sich entschieden, sein Auto selber zu reparieren. Er machte aber bei der gegnerischen Versicherung nicht nur die Reparaturkosten geltend, sondern auch eine Nutzungsausfallentschädigung. Die Versicherung wollte diese jedoch nicht bezahlen.

Das Gericht entschied zu Gunsten des Klägers: er bekam die Nutzungsausfallentschädigung zugesprochen.

Es gelten nach dem Gericht jedoch Einschränkungen, wenn man die Nutzungsausfallentschädigung haben will. Die Entschädigung besteht nur für die Dauer einer fühlbaren Gebrauchsbeeinträchtigung des Geschädigten. Außerdem reicht für den Ersatz der Kosten des Nutzungsausfalls die Reparaturbescheinigung alleine nicht aus. Der Geschädigte muss nachweisen können, dass er sein Auto an den einzelnen Tagen bei bestehendem Nutzungswillen und einer Nutzungsmöglichkeit aufgrund der Reparatur nicht nutzen konnte.

Für Sie bedeutet das konkret:

Sollten Sie ihr Auto nach einem Unfall reparieren wollen / müssen, lassen Sie sich am besten die Tage/ Zeiten in denen das Auto repariert worden ist belegen. So können Sie im Streitfall nachweisen, dass und wann Sie ihr Auto nicht benutzen konnten. Auf dieser Art können Sie auch Ihren Nutzungsausfall geltend machen.

Schlagwörter: Nutzungsausfall, Nutzungsausfallschaden, Geschädigter, Gericht, Reparatur

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