Abstandsverstöße und ihre Folgen

Autor: , verfasst am 08.06.2015, 07:28| Jetzt kommentieren

Schwere Unfälle auf Deutschlands Straßen sind oft Folge eines zu geringen Sicherheitsabstandes zum vorausfahrenden Fahrzeug. Schnell wird so aus einem kleinen Unfall eine Massenkarambolage, weil andere Autofahrer es nicht mehr schaffen rechtzeitig zu reagieren und selbst in den Unfall verwickelt werden. Abstandsverstöße werden daher genauso häufig mit standardisierten Messverfahren festgestellt wie Geschwindigkeitsverstöße und streng geahndet. Was die Folgen sind und wie sich Betroffene wehren können.

Welcher Abstand eingehalten werden muss - „Abstand gleich halber Tacho"

Nach §4 Abs. 1 StVO muss der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug in der Regel so groß sein, dass auch dann hinter diesem gehalten werden kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Allgemein bekannte Faustregel ist, dass ein ausreichender Sicherheitsabstand bei halben Tachowert gegeben ist. Dies führt im Allgemeinen auch zu einem ausreichenden Sicherheitsabstand.

Der Autofahrer sollte daher zum Beispiel bei 50 km/h 25 Meter Sicherheitsabstand halten, bei 120 km/h 60 Meter. Ob der eingehaltene Abstand aber wirklich ausreichend ist lässt sich oft nur ungenau schätzen. Als Orientierungshilfe sind die Leitpfosten geeignet, die etwa alle 50 Meter am Straßenrand aufgestellt sind.

Abstandsverstoß (© VanderWolf Images - Fotolia)
Abstandsverstoß
(© VanderWolf Images - Fotolia)

Folgen des Verstoßes – Bußgelder und Straftatbestand

Ob und in welcher Höhe eine Strafe bei einem Abstandsverstoß droht, hängt ganz individuell von der eigenen gefahrenen Geschwindigkeit sowie dem jeweiligen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug ab. Ebenfalls ist ausschlaggebend, ob mit dem Abstandsverstoß zusätzliche eine Gefährdung oder eine Sachbeschädigung einherging. Bei weniger als 80 km/h drohen laut Bußgeldkatalog für einfaches Nichteinhalten des Abstandes 25,00 € Bußgeld. Wer bei mehr als 130 km/h nicht einmal 10% des halben Tachowertes einhält, muss sogar mit bis zu 400,00 Euro Bußgeld, 2 Punkten und 3 Monaten Fahrverbot rechnen.

Doch nicht nur Bußgelder und Fahrverbote können Folge eines Abstandsverstoßes sein. Wer es besonders eilig hat und etwa das vorausfahrende Fahrzeug durch dichtes aggressives auffahren über eine längere Zeit stark bedrängt, kann sich unter Umständen sogar wegen Nötigung strafbar machen, wenn der Bedrängte entweder die Bahn freimachen oder selbst schneller fahren muss und ggf. somit zu dieser Handlung genötigt worden ist. Hier können Geldstrafen, Fahrverbot, Führerscheinentzug und schließlich sogar Freiheitsstrafe drohen.

Wie sich Betroffene wehren können

Für die Ahndung eines Abstandsverstoßes ist es nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes erforderlich, dass der Abstand nicht nur ganz vorübergehend unterschritten wurde. Kommt es zum Beispiel zum Verstoß, weil das vorausfahrende Fahrzeug kurz vor der Messung plötzlich gebremst hat oder ein Fahrzeug sich mit zu geringem Abstand beim Fahrbahnwechsel vor das eigene Fahrzeug gesetzt hat, kann der Abstandsverstoß gerechtfertigt sein. Nach einem Beschluss des OLG Hamm (OLG Hamm Az. 1 RBs 78/13) ist eine bußgeldrechtliche Ahndung wegen einer Abstandsunterschreitung im Sinne eines "nicht nur vorübergehenden Verstoßes" jedenfalls dann rechtlich nicht zu beanstanden, wenn die vorwerfbare Dauer der Abstandsunterschreitung mindestens 3 Sekunden oder (alternativ) die Strecke der vorwerfbaren Abstandsunterschreitung mindestens 140m betragen hat.

In jedem Fall muss der vermeintliche Abstandsverstoß dem Betroffenen nachgewiesen werden und dies ohne „Zurückbleiben vernünftiger Zweifel“.

Auch können die Einzelheiten des Messverfahrens, wie die Prüfung des Messvideos, der Aufbaus der Messanlage und des eingesetzten Gerätes, der ordnungsgemäßen Wartung der Messgerätschaften oder des Ablaufs der konkreten Messung, einer genauen Prüfung unterzogen werden.

Fazit

Nicht jede Unterschreitung des Abstand stellt somit gleich eine Ordnungswidrigkeit dar. Dennoch drohen mitunter harten Strafen sofern ein Verstoß festgestellt wird. Insbesondere die Einsicht eines Anwalts in die vollständige Bußgeldakte ist daher unerlässlich, um sich gegen Bußgelder wehren zu können.

Schlagwörter: Abstandsverstöße, Bußgeld,

Jetzt Rechtsfrage stellen

Nachrichten zum Thema
  • BildErbverzicht mit Folgen (10.04.2015, 12:07)
    Ein Erbverzicht kann auch für die Kinder des Verzichtenden Folgen haben:Wer auf einen ihm testamentarisch zugewandten Erbteil verzichtet, schließt auch seine Kinder vom Erbteil aus, wenn die Verzichtsvereinbarung nichts anderes bestimmt.Verzichtet...
  • BildLinksschwenk kann Folgen haben (09.07.2013, 10:35)
    Saarbrücken/Berlin (DAV). In der Regel haftet ein Autofahrer bei einem Unfall mit einem Fahrradfahrer immer mit. Dies ergibt sich aus der sogenannten Betriebsgefahr eines Kraftfahrzeugs: Es ist gefährlicher als ein Fahrrad. Diese Mithaftung kann...
  • BildFolgen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis (18.12.2012, 15:38)
    Das Fahren ohne Fahrerlaubnis oder im Volksmund: "Ich fahr zur Zeit ohne Lappen", bzw. "hab ich nie gemacht", kann aus vielen Situationen heraus geschehen. Der eine hat nie die Fahrerlaubnisprüfung gemacht oder bestanden, der andere musste...
  • BildStufenplan FlexiQuote: Kreativität mit Folgen? (04.04.2011, 09:51)
    Beitrag Nr. 198791 vom 04.04.2011 Stufenplan FlexiQuote: Kreativität mit Folgen? Deutschland tut sich schwer mit einer Frauenquote. Weil das so ist, gibt es jetzt die FlexiQuote. Das ist ein kreativer Stufenplan aus dem Bundesfamilienministerium,...
  • BildBeamter: Folgen einer rechtswidrigen Teilzeitanordnung (21.06.2010, 12:07)
    Durch rechtswidrige Anordnung von Teilzeit kann der Dienstherr die gesetzlichen Besoldungs- und Versorgungsansprüche eines Beamten nicht verkürzen. Bei Aufhebung der Anordnung kann der unfreiwillig teilzeitbeschäftigte Beamte die rückwirkende...
  • BildVersicherungsrechtliche Folgen einer Trunkenheitsfahrt (05.11.2004, 18:04)
    Derjenige Kraftfahrer, der alkoholbedingt fahruntüchtig ist und trotzdem meint, sein Kraftfahrzeug führen zu müssen, geht nicht nur ein strafrechtliches Risiko, sondern ein erhebliches versicherungsrechtliches Risiko ein. Dies wird leider zu oft...

Kommentar schreiben

11 + Ei_.ns =
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.
* Pflichtfeld

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)




Jetzt Rechtsfrage stellen

Inhaltsverzeichnis


Weitere Verkehrsrecht-Ratgeber


Anwalt für Verkehrsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.