Ab wann dürfen Kinder vorne sitzen beim Autofahren?

Autor: , verfasst am 02.03.2017, 13:01| Jetzt kommentieren

Viele Eltern fragen sich, ob sie ihre Kinder bei der Fahrt mit dem Auto auch vorne sitzen lassen dürfen. Wie die rechtliche Situation aussieht, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Mit zunehmendem Alter wollen Kinder häufig auch mal auf dem Beifahrer Sitz Platz nehmen. Dieser Wunsch ist verständlich, weil man dort eine bessere Sicht hat. Die Frage ist jedoch, ob die Eltern ihnen das erlauben dürfen.

Inwieweit Kinder auf dem Beifahrer Sitz Platz nehmen dürfen, ist in § 21 Abs. 1a Satz 1 StVO geregelt. Dort heißt es:
Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind, dürfen in Kraftfahrzeugen auf Sitzen, für die Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind, nur mitgenommen werden, wenn Rückhalteeinrichtungen für Kinder benutzt werden, die den in Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe c der Richtlinie 91/671/EWG des Rates vom 16. Dezember 1991 über die Gurtanlegepflicht und die Pflicht zur Benutzung von Kinderrückhalteeinrichtungen in Kraftfahrzeugen (ABl. L 373 vom 31.12.1991, S. 26), der zuletzt durch Artikel 1 Absatz 2 der Durchführungsrichtlinie 2014/37/EU vom 27. Februar 2014 (ABl. L 59 vom 28.2.2014, S. 32) neu gefasst worden ist, genannten Anforderungen genügen und für das Kind geeignet sind.

Welche Kinder problemlos vorne sitzen dürfen

Das bedeutet zunächst einmal, dass Kinder problemlos vorne sitzen dürfen, die mindestens 150 cm groß sind. In diesem Fall spielt das Alter des Kindes keine Rolle. Anders sieht die Situation jedoch für Kinder aus die kleiner sind als 150 cm. Sie dürfen dann vorne Platz nehmen, wenn sie mindestens 12 Jahre alt geworden sind.

Kinder im Auto (© spass / Fotolia.com)
Kinder im Auto
(© spass / Fotolia.com)

Andere Kinder müssen durch Kindersitz gesichert werden

Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Kinder unter 12 Jahren die noch keine 150 groß sind, auf den Rücksitz verbannen müssen. Diese Kinder dürfen auch vorne sitzen, wenn Sie es hinreichend sichern. Dies ist dann gewährleistet, wenn Sie einen Kindersitz als „Rückhalteeinrichtung“ verwenden. Diese Sicherung muss übrigens auch dann verwendet werden, wenn Kinder hinten sitzen, die jünger als 12 Jahre und kleiner als 150 cm sind.

Anforderungen an einen Kindersitz

Bei der Auswahl des Kindersitzes sollten Eltern darauf achten, dass er der Prüfnorm ECE- R44/03 oder höher genügt. Dabei gibt es verschiedene Rückhaltesysteme, die jeweils einer bestimmten ECE- Gruppe zugeordnet sind. Welche Gruppe die Richtige ist, hängt von der Größe und dem Alter des Kindes ab. Nähere Informationen hierzu können Sie beispielsweise auf der Webseite der Landesverkehrswacht Niedersachsen nachlesen. Diese enthält auch ein interessantes Merkblatt.

Wichtig ist hier vor allem, dass Sie in Ruhe den richtigen Kindersitz im Fachhandel aussuchen. Dieser sollte von Ihrem Kind ausprobiert werden. Vor dem Kauf sollten Sie auch darauf achten, dass der Kindersitz mit dem richtigen ECE-R 44 Prüfsiegel versehen ist. Die Prüfnummer – die aus 8 Ziffern besteht – muss mit einer 03 oder 04 beginnen. Sofern dort eine 01 oder 02 steht, sollten Sie den Sitz nicht kaufen. Denn dann ist er veraltet und genügt nicht den Sicherheitsanforderungen. Sie gehen dann das Risiko ein, dass Ihr Kind bei einem Unfall nicht hinreichend geschützt wird.

Folgen bei Verstößen

Wenn Sie als Autofahrer gegen diese Vorgaben verstoßen, müssen Sie auf jeden Fall mit einem Bußgeld in Höhe von mindestens 60 Euro rechnen. Dies ergibt sich aus § 49 Abs. 1 Ziff. 20 StVO, § 24 StVG, Ziff. 99 BKat. Außerdem droht Ihnen wenigstens ein Punkt in der Verkehrssünderkartei. Sofern das von Ihnen mitgenommene Kind etwa durch einen Unfall verletzt wird oder stirbt, können Sie sich auch strafbar machen (etwa wegen fahrlässiger Körperverletzung gem. § 229 StGB oder fahrlässiger Tötung gem. § 222 StGB).

Fazit:

Eltern, die ihre Kinder mitnehmen, sollten daher diese Vorgaben unbedingt beachten. Soweit Kinder älter sind als 12 Jahre aber trotzdem kleiner sind als 150 cm, ist eine Sitzerhöhung zwar nicht vom Gesetzgeber vorgeschrieben, aber empfehlenswert. Ansonsten drohen ihnen schwere Verletzungen.

Autor: Harald Büring (JuraForum-Redaktion)


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