Filmstream-Seiten: sind Streaming Filme legal?

Autor: , verfasst am 28.01.2015, 07:45| Jetzt kommentieren

Filme im Kino anzuschauen, ist zwar ein Vergnügen, aber doch recht teuer; außerdem muss man das Haus verlassen, wo es doch auf dem Sofa so viel gemütlicher ist. Was also tun, um dennoch auf einen Filmspaß nicht verzichten zu müssen? Im Internet sind viele Seiten zu finden, auf denen es möglich ist, sich aktuelle Kinofilme oder Fernsehserien streamen zu lassen. Die Betreiber jener Seiten, wie beispielsweise kinox.to, begehen durch die Bereitstellung dieser Daten eine strafbare Handlung, da sie keinerlei Urheberrechte an ihnen besitzen und auch keine Lizenzgebühren zahlen. Die  gesetzlichen Grundlagen hierfür finden sich in § 15§ Abs. 2 S. 2 Nr. 2 UrhG: gemäß diesem ist es nur Urhebern gestattet, Filme der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Portalbetreiber ist kein Urheber – somit ist sein handeln illegal.  Doch wie steht das Gesetz zu den Nutzern solcher Film stream Seiten: sind Streaming Filme legal anzuschauen?

Streaming (© somenski - Fotolia.com)
Streaming
(© somenski - Fotolia.com)

Was ist Streaming eigentlich? Unterschieden wird zwischen Live-Streaming und On-Demand-Streaming. Ersteres ist eine Direktübertragung eines aktuellen Ereignisses, beispielsweise eines Fußballspiels oder eines Konzertes, welches auf einem Fernsehsender läuft und auf dessen Webseite angesehen werden kann. Eine Zwischenspeicherung irgendwelcher Daten erfolgt nicht.

Beim On-Demand-Streaming handelt es um ein Herunterladen von Datenpaketen eines Filmes, die auf der Festplatte des Nutzers zwischengespeichert werden. Dies ermöglicht dem Nutzer, den Film vor- beziehungsweise zurückzuspulen. Wie lange er in dem Zwischenspeicher verbleibt, ist abhängig von den individuellen Einstellungen des Nutzers: einige leeren ihren Speicher bei jedem Schließen ihres Internetbrowsers, andere hingegen erst, wenn ein bestimmtes Datenvolumen erreicht ist.

Zu beachten ist, dass Filme – ebenso wie Musik – urheberrechtlich geschützt sind. Gemäß § 16 Abs. 1 UrhG ist es nur dem Urheber gestattet, Werke zu vervielfältigen. Die Zwischenspeicherung der Daten auf der Festplatte eines Nutzers wird als solche Vervielfältigung angesehen, somit wäre das On-Demand-Streaming als illegal anzusehen. Dem gegenüber steht jedoch § 53 Abs 1 UrhG: „Zulässig sind einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen, soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird.“ Dieser Passus wiederum kann dahingehend interpretiert werden, dass eine Privatperson durchaus auch Vervielfältigungen erstellen darf, wodurch das Streamen wiederum nicht illegal wäre. Hierbei ist jedoch die Einschränkung „…soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird“ zu beachten: vor dem Hintergrund, dass der Betreiber eines Streamingportals die Filme verbotener Weise der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hat, wird auch deren Zwischenspeicherung auf der Festplatte eines privaten Nutzers als eine rechtswidrige Handlung angesehen. Es liegt also eine Verletzung des Urheberrechts vor.

Doch ist das wirklich so? Wie kommt es dann, dass trotz der anscheinend eindeutigen Rechtslage die meisten gerichtlichen Entscheidungen bezüglich der Legalität vom Abrufen von Netzinhalten per Streaming dahingehend getroffen wurden, dass der betreffende Nutzer keine Urheberrechtsverletzung begangen hat? Begründet wurde dies mit § 44a UrhG: „Zulässig sind vorübergehende Vervielfältigungshandlungen, die flüchtig oder begleitend sind und einen integralen und wesentlichen Teil eines technischen Verfahrens darstellen und deren alleiniger Zweck es ist,

1. eine Übertragung in einem Netz zwischen Dritten durch einen Vermittler oder

2. eine rechtmäßige Nutzung

eines Werkes oder sonstigen Schutzgegenstands zu ermöglichen, und die keine eigenständige wirtschaftliche Bedeutung haben.“ Das Streaming On-Demand wird als eine vorübergehende Vervielfältigungshandlung angesehen, da die betreffenden Daten nur in einem Zwischenspeicher gelagert werden. Demzufolge begeht der Nutzer keine strafbare Handlung i. S. d. G. und kann somit auch nicht strafrechtlich verfolgt werden.

Zu beachten ist jedoch, dass es nicht immer sofort ersichtlich ist, ob eine derartige Plattform tatsächlich ausschließlich Streamings anbietet, oder Filesharing - letzteres wird nämlich als Download angesehen, also als eine dauerhafte Speicherung von Daten. Solch ein Procedere fällt nicht mehr unter den Begriff „vorübergehende Vervielfältigungshandlung“, sondern als ein verbotenes Kopieren von Daten.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, wenn er sich im Internet für Filme und Serien interessiert, der sollte auf Seiten von bekannten Anbietern wie Maxdome oder Watchever gehen. Diese sind zwar kostenpflichtig, jedoch absolut legal, und im Vergleich dazu, was eine Abmahnung wegen eines Verstoßes gegen das Urheberrecht kosten kann, immer noch preisgünstig…

Schlagwörter: Streaming, Download Filme, On-Demand-Streaming


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